Die Insel

OT: -  130 Minuten -  Action
Die Insel
Kinostart: 04.08.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Insel

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Blockbuster Regisseur Michael Bay gilt nicht unbedingt als Kritikerliebling. Zwar spielen alle seine Filme sehr viel Geld ein, jedoch leiden sie doch ziemlich an ihrer seichten Story und an ihrer Oberflächlichkeit. Mit Die Insel geht Michael Bay einen auf den ersten Blick sehr ungewöhnlichen Weg, jedoch ergibt er durchaus Sinn wenn man sich näher damit beschäftigt.

 

2019: Lincoln Six Echo (Ewan McGregor) lebt gemeinsam mit vielen anderen in einer hermetisch abgeschlossenen Welt. Die Aussenwelt ist kontaminiert, und die restlichen Überlebenden verbringen ihre Zeit mit Sinnlosen arbeiten in geregelten Bahnen. Es gibt nur einen Ort der noch unbeschadet ist: Die Insel. Die Lottoziehung ist die einzige Ablenkung vom Alltag und ermöglicht dem Gewinner ein Leben auf der Insel. Doch Lincoln zweifelt an der Welt und als seine beste Freundin Jordan Two Delta (Scarlett Johansson) die Lotterie gewinnt stellt er genaue Nachforschungen an. Er entdeckt dass sie alle in Wirklichkeit nur Klone sind und dass der Lotteriegewinner nicht auf die Insel kommt, sondern getötet wird, damit seine Organe verwendet werden können. Gemeinsam starten sie die Flucht...

 

Michael Bay scheint seinen schlechten Ruf mit aller Gewalt loswerden zu wollen. Doch der kritische Hintergrund des Films wirkt als hätte der Regisseur in nur eingeschoben um den Kritikern die Möglichkeit zu geben seinen Film zu loben. In Wahreheit scheint ihn der sozialkritische Aspekt der Geschichte nicht besonders zu interessieren und er missbraucht ihn nur um seinem Action-Showdown einen Rahmen zu geben.

 

Im wesentlichen besteht Die Insel aus zwei vollkommen unterschiedlichen Teilen. Im ersten Teil wird das Leben im unterirdischen Gefängnis gezeigt und hier wollte Michael Bay offensichtlich die anspruchsvollen Geister befriedigen, was ihm aber nicht wirklich gelingt. Man kennt es dem Film leider an dass der Regisseur früher Werbefilme gemacht hat. Denn die Einführung in das Leben der Klone wirkt genau wie eine Produktwerbung: Satte Farben und schnelle Schnitte kombiniert mit Hochglanzoptik entspricht der Popgeneration mit ihrer Videoclipmentalität und Oberflächlichkeit, ist jedoch absolut ungeeignet einen kritischen Inhalt zu transportieren. Der zweite Teil, der dann an der Oberfläche spielt trägt wieder ganz deutlcih die Handschrift seiner älteren Filme. Mit Zeitlupeneffekten und bombastische Actionsequenzen, untermalt mit aufdringlicher Musik lässt er den vorher gesäten Ansatz von Sozialkritik im Keim ersticken und offenbart Bays wahre Absichten: Ein Actionfeuerwerk, das die Kritiker akzeptieren.

 

Doch so einfach ist das nicht. Denn er macht es einem nicht leicht diesen Film wirklich gut zu finden. Jeder der den ersten Teil des Films sehr gut fand wird wohl den zweiten Teil ablehnen, und umgekehrt verhällt es sich genauso. Das Problem ist dass Bay keinen Vollblut Actionfilm abgeliefert hat, der den Zuseher einfach nur unterhält, wie es bei seinen Vorgänger der Fall war, Die Insel kann aber auch nicht als anspruchsvoller Film durchgehen, da die Oberflächlichkeit und Actionlastigkeit dem ganzen doch sehr im Weg stehen. Somit ergibt sich eine Diskrepanz von der sich der Film nicht erholen kann: Der Film hat nicht den selben Unterhaltungswert wie seine älteren Filme, kann sich aber auch nicht mit anspruchsvollen Filmen messen.

 

Die Actionszenen sind wie man es von Michael Bay gewohnt ist auf sehr hohem Niveau, auch wenn man die Highwayszene bereits aus Bad Boys 2 kennt. Dennoch passen diese Szenen einfach nicht zum Setting des Films. Den Vergleich mit dem ähnlich angelegten Blade Runner hält der Film in keiner Sekunde statt. Zwar ermöglicht die glatte und satte Optik des Films einen leichten Zugang, jedoch wären kühlere und distanziertere Bilder an mancher Stelle einfach geeigneter gewesen. Besonders macht sich dies am Anfang bemerkbar, als Michael Bay den Kontrast zwischen seinen weiss gekleideten Klonen und den schwarz gekleideten Wächtern zeigt.

 

Für seinen Standpunkt wählt Bay die einzige Möglichkeit die ihm sein Konstrukt überlässt. Er zeigt alles aus der Sicht der Klone und lenkt die Sympathien verständlicherweise in ihre Richtung. Das Negative daran ist das dadurch alle "Nicht-Klone" böse wirken und die Klone als bessere Menschen erscheinen. Dies benötigt die Geschichte allerdings um zu verdeutlichen das es aus ethischer Sicht untragbar ist Klone zu erzeugen die den menschlichen Vorbildern bis ins Detail ähneln, um sie dann einzusperren und ihre Individualität abzutöten.

 

Michael Bays Glück sind die fabelhaften Darsteller die er für seinen Film gewonnen hat. An erster Stelle sind die beiden Hauptdarsteller Ewan McGregor und Scarlett Johansson zu erwähnen, die ihre Rolle mit kindlicher Naivität beginnen und sich im Laufe des Filmes so entwickeln als würde man ihnen in 135 Minuten beim erwachsenwerden zusehen. Djimon Hounsou liefert als Gegenspieler eine überzeugende Darstellung ab und kann in seinen kurzen Auftritten sehr gut Präsenz entwickeln und seiner Figur Tiefe verleihen. Sean Bean wirkt etwas klischeehaft als Leiter der Anstalt und Steve Buscemi spielt zwar wie üblich sehr gut, hat aber nicht genügene Zeit um sich zu profilieren.

 

Die Klonthematik ist ausserordentlich interessant und ein wichtiges Thema, jedoch lässt sich der Gedanke nicht verdrängen dass ein anderer Regisseur weitaus mehr aus diesem Denkansatz gemacht hätte. Man möge sich nur vorstellen was aus Die Insel geworden wäre wenn es ein Stanley Kubrick mit seiner kalten Sicht der Dinge gemacht hätte. Dann hätte der Film natürlich keine zweite Hälfte die nur aus Actionszenen besteht, allerdings würde er ein weitaus zusammenhängenderes Bild abgeben. So stellt Die Insel zwar interessante Fragen, die jedoch von Michael Bay so formuliert werden als würde er sich nach dem Fernsehprogramm fürs Wochenende informieren.

 

Fazit:

Ein oberflächlicher, zwiespältiger Film der gerne viel mehr wäre.

 

Wertung:

6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 29
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