Death Sentence - Todesurteil (2007)

OT: - 101 Minuten - Thriller
Death Sentence - Todesurteil (2007)
Kinostart: 14.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Death Sentence - Todesurteil

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Wie wird sich die Karriere von James Wan weiterentwickeln? Ein junger Regisseur, der gleich mit seinem ersten Film den Nerv der Zeit trifft und ein Genre in eine bestimmte Richtung lenkt, steht sicher unter großem Druck, was seine Folgewerke betrifft. So auch sicher James Wan, der mit Saw einen bombastischen Erstling ablieferte, den Grundstein zu einer weltweit erfolgreichen Franchise legte und das Horrorgenre zurück in härtere Bahnen lenkte. Vorbei war die Zeit der Teenie-Slasher, stattdessen kamen grimmige Filme wie The Hills Have Eyes und Wolf Creek.

Nach seinem Erfolg mit Saw nahm sich der junge Regisseur eine kleine Auszeit, überließ Kollegen Darren Lynn Bousman den Regiestuhl für die Saw Fortsetzungen und bereitete sein Comeback vor. Dies fiel mit Dead Silence auch unterdurchschnittlich aus und man hörte schon die ersten Stimmen leise rufen, dass Wan nur eine Eintagsfliege wäre, der Glück hatte, mit Saw zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Sein nächster Film Death Sentence spricht nun wieder andere Töne: James Wan liefert einen straighten, kompakten und harten Rache-Thriller, der zwar enttäuschend wenig Substanz hat, aber dafür durch eine stimmige Inszenierung überzeugen kann.

Nicholas Hume (Kevin Bacon), seine Frau Helen (Kelly Preston) und ihre beiden Kinder haben ein glückliches Leben, und in der Familie gibt es außer gelegentlichen Streitereien der Kinder keine Probleme. Doch alles ändert sich, als Nicholas gemeinsam mit seinem ältesten Sohn nach dessen erstem Eishockey-Spiel nach Hause fährt und an einer abgelegenen Tankstelle halten muss. Danach geht es Schlag auf Schlag und es stürmen maskierte Gestalten mit Waffen das Gebäude, die versuchen, die Tankstelle auszurauben. Dabei wird Nicks ältester Sohn brutal getötet.

Nick kann dem Mörder allerdings die Maske herunterreißen und ihn auch für die Polizei identifizieren. Dabei stellt sich heraus, dass der Mord nicht im Zuge des Überfalls stattfand, sondern ein sogenanntes "initiation killing" war, in dem sich der Mörder für eine Gang qualifizieren wollte. Da es außerdem keine Beweise für die Tat gibt und Nicks Wort das Einzige ist, das den Täter belastet, will der Staatsanwalt mit der Verteidigung einen Deal aushandeln und den Mörder nur für 3-5 Jahre hinter Gitter bringen. Enttäuscht von der Justiz zieht Nick seine Aussage zurück, und somit kommt der Mörder auf freien Fuß. Doch Nick hat bereits andere Pläne mit ihm: Er bringt ihn um und beginnt damit einen Krieg, in dem es keinen Gewinner geben kann. Denn nun will sich die Gang ebenfalls an Nick rächen...

Brian Garfield, der in den 70ern zu Ruhm gelang, da er die Vorlagen zu Charles Borsons legendären und umstrittenen Death Wish-Filmen schrieb, zeigt sich auch für den Roman zu Death Sentence verantwortlich. Ursprünglich sollte Death Sentence auch die Geschichte aus Death Wish weitererzählen, doch schließlich entschied man sich für einen anderen Weg und erzählte eine völlig neue Story. Eines ist jedoch sicher: Death Sentence hat ungemein viele Ähnlichkeiten mit Death Wish und wird wohl auch ähnlich umstritten aufgenommen werden.

Dabei muss man sich eine grundlegende Frage stellen: Ist ein Film, dessen Hauptdarsteller Selbstjustiz betreibt und das Gesetz in die eigenen Hände nimmt, auch gleichzeitig ein Film, der sich für die Selbstjustiz stark macht? Nicht zwangsläufig, denn sonst wäre auch jeder Film, in dem die Hauptfiguren Rassisten sind, auch ein rassistischer Film. So einfach darf man es sich deshalb in diesem Punkt nicht machen, denn es kommt immer noch darauf an, wie der Film die angesprochenen Themen behandelt. Und Death Sentence versucht gar nicht erst, auf einer intellektuellen Ebene mit dem Thema umzugehen. Der Film erzählt seine, zugegeben fragwürdige, Geschichte, und ihm ein politisches Statement vorzuhalten, dass er Selbstjustiz glorifizieren wollte, ist meiner Meinung nach zu viel des Guten. Außerdem sollte jeder ab 18 Jahren, und darunter wird der Film wohl nicht freigegeben werden, mit einem solchen Stoff umgehen können und ihn nicht in die Realität umsetzen wollen.

Zu Beginn ist Death Sentence noch eine Familientragödie auf relativ hohem Niveau, die sich jedoch immer mehr von ihrem ursprünglichen Genre entfernt. Der erste Abschnitt ist dabei der emotional deutlich stärkste des Films. Wie der Sohn stirbt und sich die Familie dadurch entfremdet, wurde von Wan sehr souverän eingefangen. Auch der Gerichtsprozess, in dem Nick das erste Mal damit konfrontiert wird, dass die Gesetze nicht alles nach seinen Vorstellungen regeln, und die anschließende Ermordung des Täters sind noch auf solidem Drama-Niveau.

Doch dann entscheidet sich Death Sentence für eine gänzlich andere Richtung. Wenn die Gang schließlich herausfindet, wer ihren Kollegen, der zufällig auch noch der Bruder des Gang-Leaders ist, getötet hat, mutiert der Film zum Action-Thriller. Dies wird bereits klar gemacht, als sich die Gang und Nick zum ersten Mal gegenüber stehen, was schließlich in einer langen Verfolgungsjagd endet und sich zu einem kleinen Showdown in einem Parkhaus hochschaukelt. Diese Sequenz ist wahrscheinlich auch der Spannungsgipfel von Death Sentence. Mit komplexen Kamerafahrten, die sich über mehrere Stockwerke begeben, schaukelt Wan die Spannung immer weiter in die Höhe.

Während Death Sentence immer weiter zum Thriller mutiert, wird Nick klar, dass er mit dem Rachemord einen Krieg begonnen hat, den keiner gewinnen kann. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, und am Ende steht ein gigantischer Showdown zwischen Nick und der Gang, in der Nick, der bis zu den Zähnen bewaffnet ist, deren Hauptquartier stürmt und einen nach dem anderen tötet. Am Ende soll ihm der Gangleader treffend "Look what I made you" sagen. Nick ist nicht mehr die selbe Person wie zuvor. Er ist kein Stück mehr besser als seine Feinde.

Dabei hat man sich gegen Ende hin einige nette Anspielungen auf Martin Scorseses Meisterwerk Taxi Driver einfallen lassen. Beginnend bei der Waffenauswahl, als sich Nick mit Material eindeckt, bis zum Ausprobieren der Feuerwaffen kann man als Kundiger sofort die Referenz erkennen, die man Taxi Driver erweist. Weiter geht es mit der Rasur von Nicks Kopf, die seine Transformation in einen anderen Menschen, ähnlich wie bei Robert de Niro als Travis Bickle, vervollständigen soll. Das letzte Zitat findet man schließlich, wenn Nick die Finger des Gangleaders abschießt, was eindeutig als Referenz an den letzten Shootout aus Taxi Driver zu verstehen ist. Die intellektuelle Wucht von Scorseses Werk wird dabei selbstverständlich in keiner Sekunde erreicht.

Etwas negativ muss man auch die Figuren des Films erwähnen, die wirklich in jede Klischeefalle treten und sowohl am Anfang als auch am Ende überzeichnet wirken. Zu Beginn stellt die Familie den sicheren Ort dar, wo man sich zurückziehen und entspannen kann. Alle lieben einander und sind glücklich. Unterbrochen wird die Heile-Welt-Atmosphäre durch von Grund auf böse Gangmitglieder, die nur töten wollen und sowas wie Menschlichkeit nicht zu kennen scheinen. Nick ist hier die einzige Figur, die wirklich Eindruck macht, und das liegt ganz alleine an Kevin Bacon. Zu Beginn spielt er den liebenden Vater mit der selben Glaubwürdigkeit wie am Ende den mit Narben überzogenen und tosenden Racheengel.

Doch dies kann nicht über die unzähligen Logiklöcher des Films hinwegtäuschen. Denn so gut die Wandlung von Nicks Charakter auch von Kevin Bacon verkörpert wurde, so unglaubwürdig wirkt sie auch bei näherer Betrachtung. Keine Frage, es ist schrecklich, was diese Figur durchmachen musste, aber die Wandlung vom Durchschnittskerl zur Tötungsmaschine wirkt doch etwas gar schnell. So findet sich Nick sofort mit den Waffen, die er gekauft hat zurecht und scheint gar keine Probleme damit zu haben, eine ganze Gang voller bewaffneter und sicher erfahrenerer Mörder zu töten. Auch bleibt die Polizei während des Ganzen überraschend tatenlos und lässt Nick frei herumspazieren, obwohl sie genau weiß, was er getan hat, und was er voraussichtlich bald wieder tun wird.

Überhaupt hat man sich bei Death Sentence sehr darauf beschränkt, durch Schauwerte zu punkten. Fast um seinen Saw-Jüngern ein paar Knochen zuzuwerfen, hat James Wan die Schießereien sehr blutig inszeniert. Da werden Gliedmaßen abgeschossen und Köpfe eingeschlagen bis zur Schmerzgrenze. Die Ambivalenz seiner Geschichte hat er dabei allerdins etwas aus den Augen verloren, und so scheint es, als hätte man bei Death Sentence einfach nur einen straighten Action-Thriller runterreißen wollen, der die Geschichte nur als Mittel zum Zweck verwendet. Unterhaltsam und kurzweilig ist das Ganze allerdings dennoch. Die Inszenierung von James Wan wirkt stimmig, und es macht Spaß ihn einmal außerhalb des Horrorgenres zu sehen und die Musik von Charlie Clouser unterstützt die Atmosphäre des Films an allen Ecken und Enden. Im Großen und Ganzen ist Death Sentence sicher einen Blick wert, auch wenn er sein Thema nur oberflächlich abhandelt.

Fazit:
Death Sentence verwendet seine Selbstjustiz-Story nur als Mittel zum Zweck, um einen straighten und vor allem harten Action-Thriller der alten Schule abzuliefern. Das Ganze sorgt für einen durchwegs unterhaltsamen Abend und lässt vor allem das Herz von Death Wish-Fans eine Spur schneller schlagen. Zuviel nachdenken sollte man über das Ganze allerdings nicht, denn Death Sentence versucht gar nicht erst, auf die Metaebene vorzudringen oder ein Statement zum Thema Selbstjustiz abzuliefern. Als Thriller ist der Film dafür recht gelungen, auch wenn sich im Figurendesign einige Schwächen eingeschlichen haben.

Wertung:
6/10 Punkte












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