![]() ![]() Fenster zum Sommer OT: Fenster zum Sommer Regie: Hendrik Handloegten Drehbuch: Hendrik Handloegten Darsteller: Nina Hoss, Mark Waschke, Lars Eidinger, Fritzi Haberlandt, Lasse Stadelmann, Susanne Wolff, Barbara Philipp, Barbara Schnitzler, Ernst Stötzner, Mike Adler Filmstart: 18.11.2011 | Laufzeit: | Drama |
Juliane (Nina Hoss) ist frisch verliebt und gemeinsam mit ihrer neu gewonnenen Liebe August (Mark Waschke) in Finnland mit dem Auto auf dem Weg, um Ninas Vater zu besuchen. Als sie bei einem See Rast machen und Juliane in den Armen des schlafenden Augusts über die Begebenheiten ihres Kennenlernens nachdenkt, fallen auch ihr die Augen zu. Am nächsten Morgen erwacht Juliane und nichts ist wie es war. Oder besser gesagt – alles ist, wie es früher schon einmal war, sechs Monate früher um genau zu sein. Es ist Winter und Juliane lebt immer noch mit ihrem langjährigen Freund Phillip (Lars Eidinger) in der gemeinsamen Wohnung und auch der Kauf einer Eigentumswohnung ist geplant. Auch ihre Arbeitskollegin und beste Freundin Emily (Fritzi Haberlandt), die am Tag von Julianes und Augusts Kennenlernen von einem Auto angefahren wurde und starb, ist noch am Leben. Sie versteht die Welt nicht mehr, August ist noch mit einer anderen Frau zusammen und kennt Juliane nicht mehr bzw. noch nicht und so stellt sich für sie die Frage, ob sich eine Liebe zwei Mal finden kann.
Der Film scheint in mehreren Hinsichten in verschiedenen Sphären zu spielen, einerseits in der eigentlichen Gegenwart, in der Juliane in der finnischen Mittsommernacht mit ihrem August zusammen glücklich ist und die Vergangenheit, in der Juliane noch mit Phillip zusammen war, eine Affäre mit August begann und Julianes Freundin Emily starb. Und dann wäre da auch noch die neue, eigentlich schon vergangene Gegenwart, in der Juliane in ihr altes Leben zurück geworfen nun alles noch einmal durchleben muss oder aber eben die Chance nutzen kann, etwas zu ändern. Die unterschiedlichen, zeitlichen Dimensionen zeigen sich auch visuell. Während man Juliane und August zu Beginn des Films durch die sommerliche, finnische Landschaft folgt, wird man mit Julianes Zeitsprung in das winterlich, verschneite Berlin versetzt, worin auch ihr Gefühlsleben widergespiegelt ist. Mit ihrem alten Leben mit Ex-Freund Phillip kann die Protagonistin eigentlich nichts mehr anfangen, es lässt sie kalt.
Mit Fenster zum Sommer gelingt Hendrik Handloegten ein Drama, das trotz seiner rätselhaften Begebenheit keiner Aufklärung bedarf und eine solche letztendlich auch nicht gibt. Durch diese nicht gegebene Erklärung für Julianes Sprung in die Vergangenheit wird der Film davor bewahrt, trotz seiner Science-Fiction-anmutenden Handlung ins Komische oder Unglaubwürdige abzudriften. So folgt der Film dem Stile von Peter Weirs Picnic at Hanging Rock (1975), der den Zuseher bezüglich seines Rätsels um das Verschwinden einiger Schülerinnen ebenfalls im Dunkeln lässt.
Der besondere Flair des Films entsteht nicht zuletzt durch den idyllischen Kontrast des finnischen Mitsommers zum winterlichen, tristen Berlin. Auch auf akustischer Ebene baut Handloegten, der in jüngster Kindheit in Finnland aufwuchs, einen Bezug zur finnischen Kultur auf, angefangen bei einem finnischen Wiegenlied, das den Einstieg des Films unterstreicht und die Geschichte zusätzlich noch interessanter macht.
Fazit:
Hendrik Handloegtens Fenster zum Sommer beschäftigt sich nach dem Zeitsprung seiner Protagonistin aus dem sommerlichen Finnland ein halbes Jahr in die Vergangenheit ins verschneite Berlin mit der Frage, ob es so etwas wie Schicksal gibt und sich ihre frische Liebe zu August ein zweites Mal finden kann. Ohne viel Erklärung zur Zeitverschiebung begleitet der Film Juliane bei dem Versuch, in ihr neues Leben zurückzufinden, Augusts Liebe noch einmal zu gewinnen und schließlich auch ihre Freundin vor einem tödlichen Unfall zu bewahren, und lässt dem Zuseher somit viel Spielraum, sich das Geschehen selbst zu begründen. Mit den kontrastreichen Bildern des finnischen Mitsommers und des verschneiten Berlins ist dem Film zusammen mit seiner rätselhaften Handlung eine besonders große Spannung sicher, die man sich mit seiner raffinierten Umsetzung nicht entgehen lassen sollte.
Wertung:
8/10 Punkte
22.09.2011 - Fenster zum Sommer - Deutscher Trailer
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