Könige der Wellen

OT: -  85 Minuten - Animation
Könige der Wellen
Kinostart: 14.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Könige der Wellen

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Pinguine sind am aufsteigenden Ast in der Filmwelt. Nachdem sich Hollywood auf alle möglichen Spezien gestürtzt hatte, ließ das stolze Volk der Pinguine zum ersten Mal im Animationsfilm Madagascar als kultige Nebenerscheinung erahnen, dass man mit ihnen etwas anfangen könnte. Der Weg wurde schließlich mit der oscarprämierten Dokumentation Die Reise der Pinguine und dem dazu gehörenden Box Office Erfolg weiter geebnet. Diese Vormachtstellung wurde auch vortrefflich ausgenutzt und fand schließlich im Animationsfilm Happy Feet seinen vorläufigen Höhepunkt.

Denn Happy Feet gewann nicht nur den Oscar als bester Animationsfilm, sondern spülte vor allem so viel Geld in die Studiokassen, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis man die Pinguine wieder auf der Leinwand sehen würde. Doch bei Könige der Wellen schien das Konzept schon nicht mehr zu funktionieren, und so folgte eine finanzielle Bruchlandung in den USA. Der Grund dafür ist wohl, dass sich das Publikum etwas satt gesehen hat an den herumtorkelnden Vögeln. Auch ich muss zugeben, dass ich mir ein entnervtes Stöhnen nicht verkneifen konnte, als ich das erste Mal den Trailer zum Film sah. Denn die Parallelen zu Happy Feet taten schon beinahe weh. Doch ich habe Könige der Wellen Unrecht getan. Denn obwohl er sicher nicht als Meilenstein in Erinnerung bleiben wird, sorgt er doch für grundsolide Unterhaltung.

Cody Maverick (Im Original gesprochen von Mr. Transformers Shia LaBeouf) hat einen großen Traum: Er möchte ein Surfer wie sein großes Vorbild Big Z (gesprochen von Jeff Bridges) werden, der ihm einst einen seiner Anhänger schenkte und ihn ermutigte, für seine Träume zu kämpfen. Die Vorzeichen dafür sind allerdings nicht gerade die Besten: Cody lebt abgeschieden von der Surf-Szene in der Antarktis und muss sich mit Arbeiten in der Fischindustrie über Wasser halten. Auch leidet er sehr an seinem Bruder, der ihm das Leben zur Hölle macht.

Doch der Wind beginnt sich langsam zu drehen, als ihn ein Talentscout für das zehnte „Big Z Memorial Championship“ entdeckt, das jährlich zum Andenken von Big Z veranstaltet wird, der während des Surfens an einer gefährlichen Stelle verstorben ist. Bereits auf dem Weg zu dieser Veranstaltung lernt Cody seinen zukünftigen Feund Chicken Joe (Jon Heder) kennen und als sie schließlich am Ort des Wettkampfes ankommen, gerät Cody gleich in eine Auseinandersetzung mit dem Champ, Tank Evans (Diedrich Bader), der ihn schließlich zum Surf-Duell herausfordert. Bei diesem Duell wird Cody verletzt und schließlich von der hübschen Rettungsschwimmerin Lani (Zooey Deschanel) gerettet, die ihn zum Einsiedler Geek bringt, der Cody behandeln kann. Doch bald schon stellt sich heraus, dass Geek nicht der ist, für den er sich ausgiebt...

Bereits von Anfang an hat man sich für Könige der Wellen einen speziellen Stil ausgedacht, der den Film etwas aus der Masse hervorhebt und ihn einzigartig macht, da es so etwas im Animationsgenre noch nicht gegeben hat. Der Film ist über weite Strecken als fiktive Doku angelegt, in der Cody auf Schritt und Tritt von einem Kamerateam verfolgt wird. So kommt es auch, dass sich die Figuren oft direkt an den Zuseher wenden und in Interviews und Gesprächen ihre Kommentare zum Geschehen abgeben. Auch kommunizieren die Figuren an einigen Stellen mit dem Kamerateam, und man muss zugeben, dass dies doch etwas frischen Wind ins Geschehen bringt.

Speziell im ersten Abschnitt des Films entstehen viele Witze dadurch, dass man das Interagieren mit dem Fake-Kamerateam so nicht gewohnt ist. Auch für die Übertragung des Surf-Wettbewerbs hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen: Im Rahmen einer Sport-Sendung wird uns das Ereignis so gezeigt, wie wir es von echten Sportsendungen im Fernsehen gewohnt sind. Jedoch ist es schade, dass man den Fake-Doku Ansatz nicht konsequent durchgezogen hat, denn nachdem dies in der ersten Hälfte des Films relativ gelungen eingebaut wurde, verliert sich der Ansatz in der zweiten Hälfte doch etwas und man rückt die Surf-Inszenierung in den Vordergrund.

Auch denke ich nicht, dass Kinder einen ähnlichen Spaß am besonderen Ansatz von Könige der Wellen haben. Denn so schön die Fake-Dokumentation für Erwachsene auch ist, sie könnte den Kleinen nicht gefallen. Da ich jedoch kein Kind bin, fällt es mir denkbar schwer, dies genau zu sagen, und ich maße mir deshalb auch kein Urteil in diese Richtung an. Für Erwachsene wird auf jeden Fall genug für einen sympathischen und witzigen Abend geboten. Dies verdankt der Film großteils seiner gelungenen ersten Hälfte, in der man noch eher darauf ausgerichtet ist, Sportfilme zu karikieren und auch mit einer Prise schwarzem Humor aufwartet.

Die zweite Hälfte geht dann jedoch leider etwas bergab. Der Doku-Ansatz verliert sich, der schwarze Humor wird eingestellt und man zeigt einen gewöhnlichen Sportfilm. Genau einen von der Sorte, über die man sich vorher noch lustig gemacht hatte. Und im Prinzip erfüllt Könige der Wellen auch wirklich jedes Klischee, das auf den klassischen Sportfilm anwendbar ist. Cody muss als aufsteigender Underdog gegen einen schier übermächtigen Gegner antreten, nimmt den ersten Rückschlag entgegen, lernt sein Love-Interest kennen und findet schließlich seinen Mentor, der ihn auf den finalen Wettkampf vorbereitet.

Schade ist auch, dass man sich nicht wirklich viel bei der Figurenzeichnung überlegt hat. Die erste Hälfte kaschiert dies dank dem Fake-Doku-Stil noch relativ gut, aber wenn man sich dann im zweiten Abschnitt voll auf die Figuren verlässt, werden diese Schwächen sehr deutlich sichtbar. Cody ist der zunächst unbelehrbare junge Wilde aus dem Lehrbuch, der natürlich seine vorgegebene Charakterwandlung vollzieht, Lani dient nur als klassisches Love-Interest, Chicken Joe ist der Spaßmacher wie man ihn bereits aus vielen Filmen kennt, Big Z der typische Mentor und Tank der klischeebeladene Bösewicht.

Lediglich mit einigen Kleinigkeiten kann man hier den Film noch über dem Durchschnitt halten. Chicken Joe ist zugegeben witzig, auch die drei kleinen Pinguinbabys werden ihre Anhänger finden, und wirklich gelungen ist schließlich die eindeutig als Don King-Parodie angelegte Figur Reggie Belafonte, der Otter mit seiner nach oben stehenden Frisur, der alle nach seinen Vorstellungen manipuliert, ausbeutet und für Ruhm und Erfolg alles tut. Es macht zugegeben sehr viel Spaß dieser schmierigen Figur zuzusehen. Auch sein langbeiniger Assistent, der Küstenvogel Mike, sorgt für einige Lacher.

In der heutigen Zeit nehmen wir es eigentlich beinahe als selbstverständlich hin, aber da es immer noch ein aufwendiger und teurer Prozess ist, sei auch die hohe Qualität der Animationen an dieser Stelle erwähnt. Zwar erreicht man nie das gigantisch hohe Pixar-Niveau, aber selbst wenn Könige der Wellen etwas unter dieser High-End Stufe operiert, sieht das Ergebnis immer noch bemerkenswert aus. Besonders bei den Wellen hat man sich selbst übertroffen und die herunterprasselnden Wassermassen sind schlicht atemberaubend realistisch geworden. Auch hat man sich einige nette Spielereien einfallen lassen, wie zum Beispiel die alt aussehenden Bilder aus den jungen Jahren von Big Z, die einen wirklich gelungenen Retrocharme übermitteln. Spaß machen tut das Ganze auf jeden Fall.

Fazit:
Insgesamt gesehen ist Könige der Wellen als gelungen zu betrachten. Die Spitze des Animationsgenres ist zwar niemals in Gefahr, aber für kurzweilige Unterhaltung ist dennoch gesorgt. Der Fake-Doku-Ansatz weiß zu gefallen, aber schade ist, dass man ihn nicht konsequenter durchgezogen hat. So offenbaren sich speziell in der zweiten Hälfte deutlich Schwächen im Film, die zuvor verborgen blieben. Doch trotz einiger Schwächen bleibt Könige der Wellen doch sehenswert. Natürlich gibt es weitaus bessere Animationsfilme, aber für einen kurzweiligen Abend ist auch Könige der Wellen eine Überlegung wert.

Wertung:
6/10 Punkte

Filmering.at
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