![]() ![]() Geständnisse OT: Kokuhaku Regie: Tetsuya Nakashima Drehbuch: Kanae Minato, Tetsuya Nakashima Darsteller: Takako Matsu, Yoshino Kimura, Masaki Okada, Yukito Nishii, Kaoru Fujiwara, Ai Hashimoto, Hirofumi Arai, Makiya Yamaguchi, Ikuyo Kuroda, Mana Ashida Filmstart: 28.10.2011 | Laufzeit: | Drama-Mystery-Thriller |
Die alleinstehende Lehrerin Yuko Moriguchi hat es nicht leicht. Ihre Schüler schenken ihr keinen Respekt, jeder macht im Unterricht was er will: Es herrscht pures Chaos. Die ausgeteilte Milch wird nicht nur getrunken, sondern fliegt quer übers ganze Klassenzimmer. Während sich die junge Meute mit sich selbst beschäftigt, fängt die Lehrerin ruhig und beherrscht an eine Geschichte zu erzählen. Als sie vorwegnimmt, dass dies ihr letztes Jahr an der Schule ist werden ihre Schüler aufmerksamer. Als sie dann noch erzählt, dass vor kurzem ihre Tochter gestorben ist (an einem Freitag den 13.) und die Mörder in ihrer Klasse sitzen, wird es ganz plötzlich still. Da das Jugendrecht in Japan die Täter vor gerechten Strafen schützt hat sie sich etwas Besonderes ausgedacht: Die Milchtüten der Täter habe sie mit HIV-infiziertem Blut gemischt. Das zuvor stillgelegte Chaos potenziert sich, die Lehrerin verabschiedet sich und lässt die Jugendlichen mit der tödlichen Erkenntnis alleine...
Bei der Inszenierung hält sich der Regisseur freilich nicht zurück, frei nach dem Motto nicht kleckern sondern klotzen. Ob Regen, Milch oder Blut, alles fließt in Strömen. Aber Confessions hat auch seine ruhigen, meditativen Stellen die durch ihre kühle und glasklare Bildsprache den Zuschauer einnehmen. Die Abwechslung sorgt für ein ausgewogenes Bild. Als besonderes Stilelement geht schon von Beginn an die Slow Motion hervor. Nakashima schafft es sie so (oft) einzubauen, dass sie nicht nervtötend ist sondern der Zuseher sie als Gestaltungselement akzeptiert (wie auch Dolan in Les Amours Imaginaires). Insgesamt ist die visuelle Inszenierung in sich stimmig, wenn doch ein bisschen artifiziell.
Die Bildsprache wird durch einen atmosphärisch elegischen Soundtrack getragen. Während des anfänglichen Monologs passen die sphärischen Post-Rock Klänge zu dem kargen, grau-blauen minimalistischen Bildern punktgenau. Immer wieder, scheinbar als Motiv, ist Radioheads Last Flowers zu hören, ebenso wie von The XX Fantasy. Beide Lieder verbreiten hoffnungslose Tristesse. Mit den Bilder und der Geschichte im Hintergrund scheint dies des Öfteren als zu viel des Guten. Man wird mit der grau-depressiven Stimmung förmlich erschlagen. Hier hätte eventuell eine kontrastreiche musikalische Untermalung geholfen die bizarre Geschichte authentischer wirken zu lassen.
Fazit:
Confessions ist ein visuell beeindruckendes Gedicht über Rache. In einer stimmigen Inszenierung lösen schier unglaubliche Geständnisse eine albtraumhafte Achterbahnfahrt in die Abgründe des menschlichen Wesens aus. Dabei stehen die jungen Teenager den Erwachsenen in nichts nach. Die einzig negativen Aspekte sind zum einen womöglich die Künstlichkeit der Inszenierung die den Zuschauer auf Distanz hält und ihn daran erinnert, dass es sich hierbei wohl kaum um die Realität handelt. Und zum anderen kommt gegen Ende des Films das Gefühl auf, dass die Geschichte etwas überkonstruiert erscheint. Confessions lässt einen schließlich mit mehr Fragen zurück, als einem lieb ist: Wo befindet sich die Grenze von Unschuld und wo fängt die Mündigkeit an? Kann Rache jemals produktiv sein? Und ist das Vergiften von Milchtüten ein adäquates pädagogisches Mittel um seine Schüler zu disziplinieren?
Wertung:
8/10 Punkte
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