Take Shelter (2011)

OT: Take Shelter - 120 Minuten - Drama
Take Shelter (2011)
Kinostart: 23.03.2012
DVD-Start: 06.08.2012 - Blu-ray-Start: 09.10.2012
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Filmkritik zu Take Shelter

Von am
I wrote Take Shelter because I believed there was a feeling out in the world that was palpable. It was an anxiety that was very real in my life, and I had the notion it was very real in the lives of other Americans as well as other people around the world. – Jeff Nichols.

Im Hintergrund eines Weltuntergangszenarios zeichnet der Regisseur Jeff Nichols das Portrait eines Mannes nach, der im Begriff ist das Wichtigste in seinem Leben zu verlieren: Seine Familie. Dabei schafft es der Regisseur die gegenwärtig ängstliche Befindlichkeit der amerikanischen (und nichtamerikanischen) Bevölkerung einzufangen. Er erfasst die ökonomische sowie gesundheitliche Instabilität unserer Zeit und legt diese Bürde einer Kleinfamilie in der Nähe von Ohio auf. Dank seines inszenatorischen Geschicks und einem exzellenten Ensemble landet Nichols damit einen stürmischen Volltreffer, der die Gefühlswelt des Zusehers gründlich durcheinander wirbelt.

Curtis LaForche (Michael Shannon) lebt mit seiner Frau Samantha (Jessica Chastain) und deren sechsjährigen, tauben Tochter Hannah (Tova Stewart) ein bescheidenes Leben in einer Kleinstadt in Ohio. Curtis arbeitet bei einer Sandgrube, Samantha ist Hausfrau und verkauft gelegentlich selbstgenähte Kleidung auf dem wöchentlichen Flohmarkt. Das Geld der jungen Familie ist knapp und die besondere medizinische Versorgung und schulische Ausbildung von Tochter Hannah fordert die Eltern zusätzlich. Unerwartet wird dann Curtis immer häufiger von schrecklichen Träumen über einen verheerenden, apokalyptischen Sturm geplagt. Er leidet sehr unter dieser Belastung, entscheidet sich aber, diese für sich zu behalten und stürzt sich wie besessen in den Bau einer Schutzhütte für seine Familie. Sein anscheinend unerklärliches Verhalten beunruhigt und verwirrt nicht nur Samantha, sondern stößt auch auf Unverständnis bei seinen Kollegen und Nachbarn. Doch die Belastungen für seine Ehe und die Spannungen, die er damit in seinem Umfeld auslöst, nimmt er in Kauf, da seine Angst vor dem, was seine Träume wirklich bedeuten könnten, weit größer ist. Konfrontiert mit der Aussicht, dass seine verstörenden Visionen ein Anzeichen für eine mögliche Katastrophe sein könnten, vertraut er sich Samantha schließlich an und stellt damit deren Liebe auf eine harte Probe...

Curtis ahnt bereits in der ersten Einstellung beim Anblick des Himmels böses. Diese bedrohliche Vorahnung transferiert sich auf den Zuseher und lässt ihn nicht mehr los. Ganze 120 Minuten wird man von dem Schleier der Bedrohung eingehüllt und einer kaum ertragbaren Beklemmung in den Kinosessel gedrückt. Wenn man den Kinosaal verlässt, möchte man sich am liebsten in einen Schutzbunker zurückziehen um zu rekapitulieren was man da gerade gesehen hat. Curtis enigmatische Visionen werden in einer naturalistischen Inszenierung dem Zuseher physisch spürbar gemacht. Der nicht einordbare Mix aus Thriller, Drama & Mystery zieht seine Kraft aus der Klarheit: Die hypnotisierend eingängigen Bilder, die großartig fragile Score oder die unheilvollen CGI Effekte. Alles ist Teil einer Gesamtkomposition die nur ein Ziel vor Augen hat, die Handlung nach vorne zu treiben.

Neben dem aufkommendem Sturm ist Michael Shannon die zweite Naturgewalt in diesem Film. Der Spezialist für vom Wahnsinn getriebenen Charaktere (My Son, My Son, What Have Ye Done, Revolutionary Road) scheint durch seine schiere Präsenz auf der Leinwand alle anderen in den Schatten zu stellen. Seine Tendenz zum Overacting hält er gekonnt zurück und glänzt dagegen mit subtiler Mimik die im Laufe des Wahns immer mehr an Expressivität annimmt. Während sein Charakter anfänglich nicht gerade mitteilungsbedürftig ist, stauen sich seine unausgesprochenen Gefühle an und es kommt zum unvermeidbaren Meltdown inmitten eines Lunches mit der versammelten Nachbarschaft. Eine der seltenen dramatischen Szenen, die man nicht so schnell vergisst und ein demonstratives zur Schau stellen seiner Fähigkeiten als Schauspieler.

Die Kamera weicht 120 Minuten nicht von seiner Seite. In jeder Einstellung beansprucht Shannon den Bildraum für sich, eine ungeheure Kraft. In seinen Augen spiegelt sich der Schrecken wieder, der ihn in seinen Visionen in den Wahnsinn treibt. Die Entwicklung seines Charakters vom sorgenden Familienvater zum unberechenbaren Wahnsinnigen ist zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar. Freilich, ohne ihn hätte der Film nicht funktioniert. Zum Glück verbindet ihn mit Nichols eine enge Freundschaft, spielte er doch bei dessen ersten Film (Shotgun Stories) ebenso die Hauptrolle, wie beim kommenden Mud.

Jessica Chastain übernimmt, wie schon in Tree of Life, die Rolle der fürsorgenden Mutter. Sie erkennt den Wahnsinn den Curtis antreibt, hält aber unter diesen widrigen Umständen zu ihm. Chastain spielt ihre Rolle mit einer sagenhaften Natürlichkeit und einem ungeheuren Maß an Sensibilität. Wie Shannon zwischen Ruhe und Panik oszilliert, so pendelt Chastain gekonnt zwischen fragiler Empfindsamkeit und mütterlicher Stärke. Das Duo fügt sich auf der Leinwand perfekt zusammen. Auch die kleineren Rollen, allen voran Shea Whigham (Der Mandant, Die Lincoln Verschwörung), der Curtis Arbeitskollegen und Kumpel Dewart darstellt, sind mit größter Sorgfalt ausgewählt und ergänzen das großartige Ensemble.

Fazit:
Take Shelter ist der Inbegriff einer beklemmenden Bedrohung. Von der ersten Szene an liegt ein apokalyptisches Unheil in der Luft, das erst am Ende so richtig greifbar wird. Dank einer Tour de Force des Hauptdarstellers Michael Shannon bleibt dem Zuseher nichts anderes übrig, als dem Geschehen mit elektrisiertem Entsetzen zuzusehen. Lediglich das Ende mag mitunter ein wenig enttäuschen. Denn Nichols trifft am Ende eine Entscheidung die vielleicht in einer offenen Form besser gepasst hätte. Ist es von Bedeutung ob Curtis Recht behält oder sich einfach im Wahn geirrt hat? Nicht unbedingt. Ist doch der Zusammenhalt für die Familie das Wichtigste, und sind die Umstände noch so widrig. Denn schließlich geht es darum das zu beschützen, das einem am meisten am Herzen liegt auch wenn das den undenkbaren Kraftakt erfordert seine eigene Wirklichkeit zu verleugnen.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 4 | Wertungen: 27
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