![]() ![]() Schlafkrankheit OT: Schlafkrankheit Regie: Ulrich Köhler Drehbuch: Ulrich Köhler Darsteller: Pierre Bokma, Jean-Christophe Folly, Jenny Schily, Hippolyte Girardot, Maria Elise Miller, Sava Lolov, Francis Noukiatchom, Ali Mvondo Roland, Isacar Yinkou Filmstart: 16.12.2011 | Laufzeit: | Drama |
Ebbo Velten (Pierre Bokma) lebt gemeinsam mit seiner Frau Vera (Jenny Schily) seit Jahren in Afrika um dort als Arzt die Schlafkrankheit zu bekämpfen. Die gemeinsame Tochter Helen (Maria Elise Miller) haben sie ins Internat geschickt und bekommen sie nur selten zu sehen. Doch nun soll sich alles ändern: Vera will zurück nach Deutschland und nachdem alles in die Wege geleitet ist verlässt sie das Land und Ebbo sollte sich eigentlich nur mehr um die restlichen noch offenen Dinge kümmern. Doch kann er das Land wirklich verlassen, oder lässt er seine Familie im Stich?
Die Themen des Films sind dabei schnell ausgemacht: Es geht um Entwurzelung, der Suche nach dem eigenen Platz in der Welt und dem Entdecken der eigenen Identität. Entwicklungshelfer Ebbo ist dabei das Paradebeispiel eines rastlosen Suchenden. Er stammt aus Deutschland, doch fühlt sich dort nicht mehr zughörig. Es entsteht jedoch eine große Kluft in seinem Leben als er seine Welten auseinanderdriften sieht: Während seine Frau nach Deutschland geht möchte er in seinem Inneren eigentlich nicht wieder zurück. Er steht vor einer gewaltigen Weiche, die ihn auf der Suche nach dem eigenen Leben schickt.
Das wirklich herausragende ist wie geschickt es Ulrich Köhler gelingt seine beiden Handlungsfäden miteinander zu verknüpfen. Die vorige Hatfigur Ebbo ist in der zweiten Hälfte des Films nur mehr eine Nebenfigur - aber über das subtile Einbetten seines Werdegangs in die Geschichte von Alex erfahren wir dennoch auf unaufdringliche Weise wie sich das Leben von Ebbo weiterentwickelt hat. Dank der besonnenen Fokusierung auf die zurückhaltende Story und die sensible Charakterzeichnung der einzelnen Figuren entwickelt Schlafkrankheit auf diese Weise eine eigenwillige Faszination.
Fazit:
Ulrich Köhler gelingt es fabelhaft die Tugenden der Berliner Schule ins ferne Afrika zu transportieren und dort um einige fundamentale Konzepte zu erweitern. So erinnert die surreale Transzendenz, die an manchen Punkten durchscheint schon fast an das Kino eines Apichatpong Weerasethakul. Gleichzeitig bleibt Köhler aber seinen großen Eckpfeilern treu: Er erzählt eine Geschichte voller Unsicherheiten über Menschen auf der Suche nach der eigenen Identität und ihren Platz in der Welt. Dank ungeahnten atmosphärischen Qualitäten und einem kreativen Erzählbogen, der die Geschichte auf zwei unterschiedliche Hauptfiguren aufteilt und ab der Hälfte die Erzählperspektive wechselt, bleibt Schlafkrankheit stets ein aufregender und spannender Arthousefilm, der dazu einlädt immer tiefer in seiner satten, nebeligen Atmosphäre zu versinken. Großartig!
Wertung:
8/10 Punkte
03.06.2011 - Schlafkrankheit - Deutscher Trailer
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