Martha Marcy May Marlene (2011)

OT: Martha Marcy May Marlene - 120 Minuten - Drama / Thriller
Martha Marcy May Marlene (2011)
Kinostart: 27.04.2012
DVD-Start: 07.09.2012 - Blu-ray-Start: 07.09.2012
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Filmkritik zu Martha Marcy May Marlene

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Geheimnisvoll, verborgen, undurchsichtig, beängstigend. Wann immer sich Menschen zu einer Gruppe zusammenschließen und sich weitestgehend von den Gepflogenheiten, die man in der Gesellschaft als normal ansieht, verabschieden, dann beginnen andere Menschen misstrauisch zu werden. Was machen diese Leute in ihrer Abgeschiedenheit? Planen sie vielleicht gar etwas, das die “normalen” Menschen schädigen könnten? Durch welche Methoden schließen sich andere Menschen dieser Gruppe an? Überzeugung, Gehirnwäsche, Androhung von Gewalt? Und gerade diese Aura des Geheimnisvollen ist es auch, was das Thema interessant macht. Und Martha Marcy May Marlene ist ein durchaus beeindruckender Film, der das Leben einer Frau zeigt, die innerhalb von sektenähnlichen Strukturen lebte und nun versucht auszubrechen.

Martha (Elizabeth Olsen) hat es durch Zufall in die Fänge einer kleinen Gruppe verschlagen, die zurückgezogen von der restlichen Welt innerhalb einer hippieähnlichen Kommune lebt. Geführt wird die Gruppe von Patrick (John Hawkes), der die Angewohnheit hat neue weibliche Grupenmitglieder zu betäuben und sich an ihnen zu vergehen. Auch kleinere Raubzüge und eine feste Ordnung innerhalb der Gruppe sind an der Tagesordnung - doch nach zwei Jahren gelingt Martha, die nun unter ihrem Sektennamen Marcy May bekannt ist, die Flucht. Sie schlägt sich bis zu ihrer Schwester Lucy (Sarah Paulson) und deren Ehemann Ted (Hugh Dancy) durch und taucht unter. Doch sie hat zunehmend Probleme sich wieder an ein normales Leben zu gewöhnen und lebt mit der ständigen Angst, dass sich Patrick und seine Anhänger auf die Jagd nach ihr machen...

In den Zeiten des Informationsoverkills, wo scheinbar jeder Film das Bedürfnis hat sich bis ins letzte Detail erklären zu müssen, ist Martha Marcy May Marlene eine wohltuende Abwechslung. Der Film bewahrt sich seine kleinen Geheimnisse und gewährt dem Zuseher nur spärlich und ungern Einblick in die genauen Details. Stattdessen versucht man das Mysterium aufrecht zu halten und gerade diese mutige Verschlossenheit trägt auch ungemein zur Faszination des Films bei. Vom Look her fühlt man sich teilweise gar an einen Exploitation Film erinnert, aber eine plumpe Ausgestelltheit der Oberflächen sucht man vergebens. Stattdessen ist es gerade die innere Verschlungenheit und die enorm künstlerische Herangehensweise an das Thema, das den Film zu etwas ganz besonderem macht.

Eines der wesentlichsten Stilelemente ist dabei der Schnitt. Mit viel Feingefühl gleitet der Film innherhalb der Zeitebenen umher und vermeidet harte Übergänge. Dieser Stil führt dazu, dass die Grenzen immer mehr verschwimmen. Eine Szene beginnt in der Gegenwart und gleitet nahtlos in die Vergangenheit über. So beginnt man die Welt von Martha/Marcy May zu verstehen: Man vermischt die Verhaltensregeln, man versteht die Paranoia und fühlt sich zusehends verfolgt. Die Struktur besitzt keine Trennlinien, sonder der gesamte Handlungsverlauf schiebt sich zusammen und verbindet sich durch den traumwandlerischen Schnitt in ein (alb)traumhaftes Gebilde, in dem man sich nie sicher fühlen kann.

Besonders hervorzuheben ist auch die herausragende Atmosphäre des Films. Es liegt ständig etwas in der Luft - obwohl man lange Zeit nie so richtig versteht woher dieses ständige, angespannte Gefühl der Bedrohung kommt, so kann man nicht leugnen, dass man die Spannung fühlt und sich förmlich verfolgt fühlt. Sowohl in den Szenen in der Gegenwart, die ja davon bestimmt sind, dass man ständig die Ankunft der Sekte erwartet, als auch in den Szenen in der Vergangenheit, in denen man nur darauf wartet, dass etwas schlimmes passiert, fühlt man den Druck und kann sich ausgezeichnet in die Seelenlage von Martha/Marcy May hineinversetzen. Schön ist auch, dass sich der Film scheinbar bei klassischen Mysterygeschichten ala Rosemaries Baby inspirieren hat lassen und es vermeidet wirklich viel zu zeigen oder zu erklären, sondern durch Andeutungen in den Köpfen der Zuseher weiterwächst.

Mit zu diesen Tugenden zählt auch das punktgenaue Ende des Films, das kurz vor dem Einsetzen des Abspanns noch einen Spannungsknall hinterlässt und den Zuseher mit dem selben Unbehagen hinterlässt, mit dem er den gesamten Film verbracht hat. Denn selbst in den Momenten, in denen eigentlich nichts geschieht wird über die stimmungsvolle audiovisuelle Gestaltung des Films eine mysteriöse Atmosphäre geschaffen in der man ständig das Gefühl hat, dass die Protagonisten von einem dunklen Unheil beobachtet, eingekreist und irgendwann angefallen werden. Dank den herausragenden Leistungen von Haupdarstellerin Elizabeth Olsen (Schwester der berühmten Olsen-Zwillinge) und dem charismatisch-düsteren John Hawkes (bekannt aus Winter’s Bone) werden die Schicksale der Figuren greifbar und Martha Marcy May Marlene wird zu einem absoluten Pflichttermin.

Fazit:
Mit Martha Marcy May Marlene liefert Regisseur Sean Durkin ein beeindruckendes Regiedebüt ab, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Der Film behält sich seine Mysterien, hebt sich stilistisch deutlich von der Masse ab und schafft es auf beeindruckend subtile Weise für Spannung zu sorgen. Dank ausgezeichnetem Schnitt, der traumwandlerisch die Zeitebenen verbindet und einer feinfühlig erzählten Geschichte wird die Spannungsschraube konstant angezogen und man kann sich ungefiltert in die Desorientierung und Paranoia der Hauptfigur hineinversetzen. Der verschlossene Charakter des Films und sein außergewöhnlicher audiovisueller Stil erzeugen eine meisterhafte, fast schon surreal-bedrohliche Atmosphäre der Extraklasse und da Martha Marcy May Marlene es auch schafft die aufgestaute Bedrohung in einem punktgenau inszenierten Finale zu kulminieren gibt es keinerlei Grund diesen wunderbaren Film zu versäumen.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 11
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