Americano (2011)

OT: Americano - 90 Minuten - Drama
Americano (2011)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Americano

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Americano heißt das Spielfilmdebüt von Mathieu Demy, seines zeichens Schauspieler und Sohn des berühmeten Filmemacherehepaars Agnès Varda und Jacques Demy. Ganz unverblühmt nimmt der Regisseur Anleihen bei seinen Eltern, entwickelt den Stil jedoch selbstständig weiter und versucht den gewagten Spagat zwischen französischer Tragikömödie und US-amerikanischen Genrekino. Der Name Demy ist auch nicht der einzige Name, der Kinobegeisterte aufhorchen lässt. Um sich herum versammelt Mathieu Demy eine nicht minder illustre Besetzung. So sehen wir Charlie Chaplins Tochter Geraldine in der Rolle der Linda, Chiara Mastroianni, uneheliche Tochter von Marcello Mastroianni und Catherine Deneuve, als Martins Freundin, sowie Carlos Bardem, ältester Bruder von Javier Bardem, als Nachtclubbesitzer. Abgerundet wir die „Starbesetzung“ mit Salma Hayek, als mexikanische Prostituierte. So erscheint der Film zumindest aus dieser Perspektive als gelungener Erfolg.

Von seiner Mutter im jungen Alter zu seinem Vater geschickt verweilt Martin (Mathieu Demy) sein apatisches Leben in Paris, als er, ganz unverhofft, vom Tod seiner Mutter unterichtet wird. Martin muss nach Los Angeles reisen, um dort die Hinterlassenschaft seiner verstorbenen Mutter zu verwalten. Doch an dem, durch seine Kindheit verhassten, Geburtsort soll er nur kurz verweilen. Mit dem Vorhaben die verdrängten Erinnerungen seiner ersten Lebensjahre wieder zu erlangen, begiebt er sich auf eine abenteurliche Reise nach Mexiko, wo er Lola (Salma Hayek), eine verschollene Freundin aus seiner Kindheit vermutet. In Tijuana angekommen, verschlägt es Martin in den Nachtklub Americano, wo er auf die vermeintliche Lola trifft...

Mathieu Demy hat großes vor in seinem Film. Gemeinsam mit seinen „SchicksalsgenossInnen“ verucht er einerseits aus den Fußstapfen seiner Eltern zu treten und sie andererseits mit einer Homage zu ehren. Immer wieder kommt es zu einer Kollision zwischen untereschiedlichen Elementen der Filmgestaltung und den damit verbundenen Genrekonventionen. Dabei werden die Möglichkeiten des Films voll ausgeschöpft. Unter der Oberfläche einer Tragikomödie erkennt man Anleihen an Musicals, Western, Roadmovies, inzeniert mit unteschiedlichen Einstellungsgrößen, Flashbacks, lyrischen Sequenzen und emotionalisierendem Soundtrack.

Zu Beginn verspricht der Film somit vieles. Demy gestaltet seinen eigenen stilistischen Weg, wie man ihn in dieser Mischung nur selten zu Gesicht bekommt. Im Laufe des Films verliert der eigenwillige ästhetische Anspruch jedoch stark an Reiz. Zu inkonsequent erscheint der intendierte inszenatorische Stil, kein Ansatz ist wirklich ausgereift. So erinnert zum Beispiel ein Showdown zwischen Luis und Martin an das Westerngenre, doch wird der Charakter des Nachtclubbesitzer zu wenig angsteinflösend, ja fast schon als nett interpretiert.

Sehr gelungen hingegen präsentieren sich die lyrischen Sequenzen. Vor allem die Autofahrten sind gelungen inszeniert und überbrücken geschickt die erzählte Handlung. Für einen kurzen Moment entführt uns der Regisseur sogar in eine amorphe abstrakte Welt, die sich im Nachhinein als blubbernde Lavalampe identifizieren lässt.

Auf der Ebene der Narration führt uns Martins Odysse von Frankreich, in die vereinigten Staaten bis nach Mexiko. Länder wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. So facettenreich sich Martins Reisedestinationen auch gestaltet, so geradlinig und vorhersehbar entwickelt sich die Handlungslinie des Films. Dramatische Höhe- und Wendepunkte sind rar und wirken unausgegoren. Als kleines Zuckerl gibt uns Demy auch einen Einblick in seine eigene Kindheit. Alte Aufnahmen seiner Mutter Agnès werden immer wieder mit dem 35mm Material vermischt, was dem Film einen autobiographischen Touch verleiht und einen Blick in die Vergangenheit auch ästhetisch erleichtert.

Fazit:
Americano ist ein eigenwilliger Stilmix, der verschiedene Genreelemente streckweise gekonnt narrativ verflechtet. Leider verliert diese Mixtur zum Ende hin stark an Dynamik, da es der Regisseur nicht schafft die zahlreichen Genreanleihen konsequent genug umzusetzten. Was bleibt, ist ein gut gemeintes kinematografisches Experiment, das trotz namensschwerem Cast und internationalen Drehorten, unterm Strich etwas enttäuscht.

Wertung:
6/10 Punkte
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Ø Wertung: 6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
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