Terri (2011)

OT: Terri - 105 Minuten - Komödie
Terri (2011)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Terri

Von am
I used to be somebody. Now I’m somebody else.

Mit Coming-of-Age-Filmen ist das so eine Sache. Pubertäre Einzelschicksale werden an den Kinokassen, ähnlich wie ihre Protagonisten im Film kaum wahrgenommen. Ballettanzende Jungen mal ausgeschlossen. Und dennoch werden Jahr für Jahr auf den Filmfestivals bildbewegte Vertreter des Genres begeistert aufgenommen. Wie im letzten Jahr (Submarine), so auch dieses Jahr. Azazel Jacobs schafft mit seinem wortwörtlich grandiosen Hauptdarsteller Jacob Wysocki ein eindrucksvolles Portrait eines heranwachsenden Jungen.

Terri (Jacob Wysocki) ist ein offensichtlicher Außenseiter. Der übergewichtige und einsame Teenager lebt mit seinem pflegebedürftigen Onkel (Creed Bratton) am Rande einer Kleinstadt. Abgesehen von seinem apathischen Alltag macht es den Anschein, als hätte Terri sich selbst aufgegeben: Seinen Schwarm beobachtet er heimlich im Haushaltsunterricht hinter einem Berg aus Essen, von seinen Mitschülern gehänselt oder ignoriert, von seinem Klassenvorstand nicht ernst genommen trägt Terri ausschließlich Pyjamas, weil sie ihm bequem sind. Als er eines Tages Gefallen daran findet, Mäuse zu töten und einem Habicht dabei zuzusehen wie er diese verspeist, kommt er wieder einmal zu spät zum Unterricht. Daraufhin wird er zum Vizedirektor der Schule Mr. Fitzgerald (John C. Reilly) geschickt. Dieser nimmt sich  Terri an und sie treffen eine Vereinbarung, dass Terri ihm wöchentlich aus seinem Leben berichtet. Diese schicksalshafte Begegnung mit Mr. Fitzgerald scheint Terris Dasein nachhaltig zu verändern...

Und genau diese Beziehung zwischen Terri und Fitzgerald ist das Herzstück des Films. Fitzgerald übernimmt dabei die Rolle einer Vaterfigur und somit kann Terri, der zuhause seinen dementen Onkel pflegen muss, seine natürliche Rolle als Teenager einnehmen. Was mit Terris Eltern passiert ist erfährt man nicht, für den Plot sind die Hintergrundinformationen ohnehin irrelevant, beschäftigt sich dieser doch mit Terris gegenwärtiger Befindlichkeit. Fitzgerald hilft Terri über sich hinaus zu wachsen und ist somit für den optimistischen Grundton, den der Film bei aller Tristesse dennoch versprüht, verantwortlich.

Aber Terri hat auch seine dunklen Momente. Wenn Terri etwa beim Töten und Verfüttern der Mäuse an einen Habicht seine morbide Seite entdeckt und Gefallen daran findet. Oder wenn das Außenseitergespann in der Garage seines Onkels mit Alkohol und Drogen experimentiert. Dann nimmt der Plot eine bedrohliche Abzweigung, die der Dramaturgie äußerst gelegen kommt. Denn so wirkt sich Terris ereignisloser Alltag nicht negativ auf die Konzentration des Zusehers aus.

Vermutlich mit Hilfe seines eigenen Hintergrunds schafft es Wysocki stets, Terri realistisch zu portraitieren und verkommt zu keinem Zeitpunkt zu einer Karikatur seiner selbst. Seiner Darstellung ist es zu verdanken, dass man ohne der Erfahrung ein übergewichtiger Teenager zu sein (oder einen zu kennen) das Geschehen interessiert verfolgen kann, und das mit viel Empathie aber ohne Mitleid. Reilly, als Terris enthusiastischer Förderer der einst wie Terri behandelt wurde, zuzusehen ist ein absolutes Vergnügen. Die scheinbare Leichtigkeit seiner Darstellung gepaart mit dem unkonventionellen Charakter manifestiert neben Terri ein zweites Sympathieschwergewicht. John C. Reillys Gespür für fein nuancierte Charaktere kommt abseits von Hollywoodblockbustern und Brachialkomödien besonders in den ruhigen Momenten zur Geltung.

Während die beiden Charaktere die Authentizität des Plots unterstützen, wird sie durch die Nebencharaktere nicht abgerundet sondern eher gefährdet. Die schrullige Sekretärin, oder der impulsive & aufmerksamkeitssuchende Freund Chad wirken doch etwas überzeichnet und provozieren mitunter ein wenig disharmonische Schwingungen. Nichtsdestotrotz überzeugt Terri nicht zuletzt durch seine Glaubwürdigkeit.

Fazit:
Terri ist ein authentisches Coming-of-Age-Drama, dass sich letztlich als eine Komödie herausstellt. Die liebevoll skurril gezeichneten Charaktere bewegen die eigentlich schwere Geschichte Terri leichtfüßig über filmischen Boden. Die Darbietungen, allen voran die von Jacob Wysocki, und die Unvorhersehbarkeit des Plots trösten über das Gefühl hinweg, diese Geschichte schon einmal gehört zu haben. Freunden des amerikanischen Independent-Genres ist der Film dennoch uneingeschränkt zu empfehlen.

Wertung:
7/10 Punkte
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