Ein mutiger Weg

OT: -  100 Minuten - Drama
Ein mutiger Weg
Kinostart: 14.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Ein mutiger Weg

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Ein mutiger Weg basiert auf dem Buch A Mighty Heart, geschrieben von Mariane Pearl, die lange Zeit gemeinsam mit ihrem Mann Danny Pearl in Pakistan als Journalistin tätig war. Das Drehbuch zu diesem Stoff adaptierte Autor John Orloff und inszeniert wurde die wahre Geschichte von Road to Guantanamo-Regisseur Michael Winterbottom, der wie in seinem letzten Film auf eine sehr realistische Umsetzung Wert legt und die Dramatik seiner Geschichte oft zugunsten eines neutralen Standpunktes in den Hintergrund schiebt. Und genau dies ist auch der Punkt, an dem sich die Qualitäten des Films scheiden.

Am 23. Januar 2002 verabschiedete sich Danny Pearl (Dan Futterman) von seiner Frau Mariane (Angelina Jolie) und sagte noch, er wisse noch nicht, ob er rechtzeitig zum Abendessen wieder zu Hause sein würde, da er einer heißen Spur auf den Schlichen sei. Beide arbeiteten zu dieser Zeit als Journalisten in Pakistan, welches im Post-09/11-Zeitalter und dem anschließenden Krieg gegen den Terror alles andere als eine sichere Zone war. Erschwerend hinzu kam, dass Mariana gerade hochschwanger war und eigentlich nur mehr zurück in die USA wollte.

Doch es sollte alles anders kommen: Es war der letzte Tag, an dem sich Mariane und Danny je sehen sollten. Denn Danny wurde von unbekannten Terroristen entführt und Mariane leitete alles in die Wege, um ihren Ehemann lebend zu finden. Sie trieb die Untersuchungen voran und legte ihre ganze Energie in diese Geschichte. Doch auch auf politischer Ebene schlug der Fall hohe Wellen: US-Außenminister Colin Powell übte großen Druck auf Pakistans Präsident Musharraf aus und wollte Danny um jeden Preis lebend haben. Doch dieser große Druck, den die Amerikaner ausübten, um den Entführten zu finden, übte auch Druck auf die Entführer aus, und veranlasste sie schließlich zu einer grausamen Tat...

Die Geschichte ging durch alle Medien, und es dürfte wohl den meisten bekannt sein, auf welch bittere Weise Ein mutiger Weg schließlich zu Ende gehen wird. Mariane Pearl betonte immer wieder, dass sie keinen Hass auf Pakistan und seine Einwohner verspürt, sondern dass alle gleichermaßen unter den Terroristen zu leiden haben. Ein mutiger Weg verfällt trotz seines Themas, das wie geschaffen ist für aufdringlichen Pathos, nie in eine kitschige oder gar unrealistische Linie. Stattdessen beschränkt man sich ganz genau auf die Fakten.

Regisseur Michael Winterbottom weicht auch bei Ein mutiger Weg in keiner Sekunde von seinem Stil ab. Er ist bekannt für seine pseudodokumentare Handschrift voll politischen Inhalten und ernsthaften Themen. Zuletzt wandte er diesen Stil erfolgreich bei Road to Guantanamo an. Und Ein mutiger Weg erinnert an vielen Stellen deutlich an eine Dokumentation. Nicht nur von der visuellen Gestaltung her gesehen, die sich wohltuend zurückhält, um die Geschichte wirken zu lassen, sondern auch beim Aufbau der Geschichte selbst und bei der Inszenierung seiner Figuren berichtet Winterbottom vor allem nüchtern und glaubwürdig.

Dies ist jetzt ein zweischneidiges Schwert für den Film. Ein mutiger Weg wirkt sehr realitätsnah und verwendet viel Zeit darauf, die Geschichte detailgetreu nachzuerzählen. Außerdem scheut man auch nicht davor zurück, den politischen Zweig mit ins Spiel zu bringen und somit auch ein gekonntes Bild der Lage in Pakistan nach den Ereignissen vom 11. September 2001 zu zeigen. Es werden sowohl die Ermittlungen gegen die Terroristen gezeigt als auch die Reaktionen der Menschen auf den Straßen eingebaut. Auf sehr subtile Weise schafft man es hier, ein großflächig realitätsnahes Szenario zu entwerfen, welches sehr positiv zu erwähnen ist.

Doch dieser nüchterne Weg tut dem Film nicht auf jeder Ebene gut. Denn negativ an der etwas distanzierteren Betrachtungsweise ist, dass man als Zuseher eigentlich nie einen wirklichen Zugang zum Film findet. Auf Gefühlsebene scheitert Ein mutiger Weg relativ eindeutig und kann den Zuseher nie wirklich in seinen Bann ziehen. Die Geschehnisse ziehen auf der Leinwand vorbei, und obwohl die Geschichte interessant ist und der politische Einblick auch seine Reize hat, kann Ein mutiger Weg einen nie mitreißen. Nur das Ende schafft es, den Zuseher zu berühren und auch durch seine emotionale Weste zu dringen.

Angelina Jolie war es, die sich sehr für den Film einsetzte und die diese Geschichte unbedingt verfilmt haben wollte. Man muss auch zugeben, dass ihre Rolle förmlich nach einem Awardregen schreit. Die schwangere Frau, die sich gegen ihre Umwelt stellt und für ihre große Liebe kämpft, ist sowohl berührend als auch kraftvoll, und gerade weil diese Figur auch noch auf einer realen Persönlichkeit basiert, ein kleiner Oscartipp. So zumindest in der Theorie, denn in der Praxis sieht das Ganze schon etwas anders aus: Angelina Jolie ist sicher gut, aber aus meiner Sicht liefert sie keine makellose Performance.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Einen muss gesagt werden, dass sich ihre Figur an manchen Stellen des Films etwas aufspielt und dem Doku-Stil von Ein mutiger Weg entgegenwirkt. Es wirkt beinahe so, als müsste man dem Star des Films etwas mehr Screen-Time geben, um ihre Oscarchancen zu erhöhen. Auch wirkt im Originalton der französische Akzent von Mariane Pearl sehr aufgesetzt und geht Angelina Jolie so gar nicht leicht von den Lippen. Auch der nüchterne Stil von Ein mutiger Weg wirkt seinen Schauspielern etwas entgegen. Besonders betroffen ist hierbei Angelina Jolie, deren Rolle gerade davon lebt, den Zuseher zu berühren, aber durch die Inszenierung verpufft dieser Effekt etwas. Gut bleibt ihre Leistung natürlich dennoch.

Ein mutiger Weg ist, wenn man ihn rückwirkend betrachtet, ein Film mit genügend Fehlern. Wie oben erwähnt, hat sein Dokumentarstil Vor- und Nachteile, aber abgesehen davon hat John Orloff auch ein Drehbuch geschrieben, das dem Zuseher nichts schenkt. Über weite Strecken bringt man die Geschichte mit einer Selbstverständlichkeit weiter, die es dem Publikum etwas schwer macht, dem Geschehen durchgehend zu folgen. Es wird mit Figuren und Namen jongliert und die Zuordnung der jeweiligen Charaktere fällt nicht immer leicht. Doch trotz dieser Schwächen macht Ein mutiger Weg auch einiges richtig und ist eine ernsthafte und nüchterne Auseinandersetzung mit der Geschichte.

Fazit:
Ein mutiger Weg ist eine nüchterne und realitätsnahe Nacherzählung einer wahren Begebenheit. Der Nachteil dabei ist sicherlich, dass man als Zuseher nie wirklich Zugang zu der Geschichte findet und man bis zum Ende kaum emotional berührt wird. Auch fällt es an manchen Stellen schwer, den vielen Namen zu folgen und sie richtig zuzuordnen. Nichtsdestotrotz ist Ein mutiger Weg ein löbliches Filmprojekt, das neben seinen Schwächen auch genügend Positives bietet. Durchaus sehenswert!

Wertung:
6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 5.8/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 4
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