Keine Insel

OT: -  91 Minuten - Doku
Keine Insel
Kinostart: 28.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Keine Insel

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Die Bewegung 2. Juni ist eine in den 70er Jahren aktiv gewesene terroristische linke Gruppierung, deren Namen an den Todestag von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 erinnert, welcher von einem Polizisten während einer Demonstration in Berlin erschossen wurde. Die Gruppe sympathisierte mit der bekannteren RAF (Rote Armee Fraktion). Im November 1977 sorgte eben diese Gruppierung für einen einzigartigen Fall in der Geschichte der zweiten Republik. Es war das erste Mal, dass sich Österreicher an einem Terrorakt im eigenen Land beteiligten.

Die Bewegung 2. Juni entführte Walter Michael Palmers, den Chef der größten Textilfirma Österreichs und verdiente mit dieser Aktion 30,5 Millionen Schilling, die schließlich zu großen Teilen an die RAF übermittelt wurden und so deren Kampf bis zur Auflösung der Gruppe 1998 großteils finanzierten. Nun, fast 30 Jahre nach diesen Ereignisse, zeigen sich die Verantwortlichen dieser Entführung Thomas Gratt, Othmar Keplinger und Reinhard Pitsch zum ersten Mal bereit, alles über die genauen Umstände und Hintergründe dieser Aktion zu berichten.

Das Jahr 1968 erlangte vor allem durch die Studentenunruhen in Frankreich und Deutschland tragische Berühmtheit, doch in Österreich verlief eben diese Kulturrevolution in sehr geordneten Bahnen. Nur eine kleine Minderheit strebte eine politische Revolution an, und auch diese beschränkte sich nur auf die verbale Ebene. Zwar gab es auch in Österreich politische Aktionen, doch stets blieb Österreich nur der Austragungsort und nicht auch der Ort, auf den sich diese Aktionen bezogen. Gerade deshalb wurde auch Österreich als Ort ausgesucht, in dem für die RAF Geld besorgt wurde: Man rechnete schlicht nicht damit.

Deshalb war es auch möglich, politisch aufgeschlossene österreichische Studenten, die schließlich zu Entführern wurden für die Aktion zu gewinnen. Von Wien aus wollten sie etwas bewegen und für ihre Vorstellungen eintreten. Sie wollten sich beteiligen und mit radikalen Mitteln für das kämpfen, an das sie glaubten. Und wer könnte besser über die Hintergründe und Gründe dieser Tat berichten als die Täter?

Keine Insel beschränkt sich eigentlich großteils darauf, in Gesprächen mit Thomas Gratt, Othmar Keplinger und Reinhard Pitsch herauszufinden, wie das alles damals abgelaufen ist. Die Täter sprechen vollkommen offen über ihre damaligen Vorstellungen und wie das Ganze seinen Lauf genommen hat. Am Anfang stehen alle vor dem Beginn ihres Studiums in Wien, und eine gewisse Perspektivenlosigkeit können sie hier nicht leugnen. Man weiß nicht genau, was man studieren will und wo das Leben eigentlich hinführt. Schließlich entscheiden sich Thomas Gratt und Othmar Keplinger, Theaterwissenschaften zu studieren.

Über das Studium und politische Aktivitäten werden erste Kontakte zu den verschiedensten Gruppierungen geschlossen, bis man Kontakt zur Bewegung 2. Juni bekommt und sich schließlich alles in Richtung von Palmers Entführung entwickelt. Thomas Gratt entpuppt sich hier als weitaus impulsiver als sein Kollege Keplinger. Während dieser alles in Ruhe entscheidet und nicht gleich aufs Ganze geht, stürzt sich Gratt mit voller Energie in die Projekte und kann vor Gericht auch nicht leugnen, dass er bereit gewesen wäre, Palmers zu töten, wenn seine Familie nicht das Lösegeld bezahlt hätte. Zwar gibt er dies nicht explizit zu, aber seine Andeutungen sind ziemlich eindeutig.

Und obwohl Keine Insel ein vollkommen ruhiger Film ist, der nur aus Gesprächen besteht, kann er den Zuseher in seinen Bann ziehen. Selbstverständlich nur, wenn sich dieser auch für die Materie interessiert, denn ansonsten dürfte Keine Insel relativ langweilig werden. Doch der Film hat ein wesentliches Problem: Obwohl Keine Insel interessant ist und sein Thema gut aufbereitet, gibt er definitiv nicht genug für einen Kinofilm her. Es lässt sich der Eindruck nicht abschütteln, dass Keine Insel in ORF 2 laufen sollte und nicht auf der großen Leinwand.

Fazit:
Keine Insel bereitet sein Thema rund um die Entführung von Walter Palmers sehr gut auf, das lässt sich nicht abstreiten. Doch über das Prädikat "interessant" kommt er nie hinaus. Eigentlich ist der Film prädestiniert dafür, im Fernsehen zu laufen, und er wäre dort auch viel besser aufgehoben, denn im Kino erwartet man sich dann doch etwas mehr.

Wertung:
5/10 Punkte

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