Taste the Waste (2010)

OT: Taste the Waste - 92 Minuten - Dokumentation
Taste the Waste (2010)
Kinostart: 11.11.2011
DVD-Start: 23.03.2012 - Blu-ray-Start: 23.03.2012
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Filmkritik zu Taste the Waste

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Taste the Waste ist ein Dokumentarfilm mit dem sich Valentin Thurn in eine Reihe mit deutschsprachigen Filmemachern stellt, die in den letzten Jahren mit ähnlichen Themen großes Aufsehen und an manch einem Filmfestival auch große Erfolge feiern konnten. Der Film schneidet ein Thema an, das wohl jedem irgendwie bewusst ist, jedoch nicht gerne angesprochen wird. Es ist ein Film, der unser Feingefühl gegenüber der scheinbar verschwindenden Wertschätzung unser Lebensmittel schärfen will. Ein Film über unsere Wegwerfgesellschaft, über das Diktat des Handels und dessen Auswirkungen auf unser Konsumverhalten, aber auch ein Film der Vorschläge für eine nachhaltigere Zukunft präsentiert.

Wie der Titel bereits erahnen lässt, thematisiert Valentin Thurns neuester Film das Konsumverhalten oder besser gesagt das Verhalten des Nicht-Konsums. Taste the Waste veranschaulicht das Ausmaß unserer Lebensmittelverschwendung. Während in vielen Teilen der Welt Menschen großen Hunger leiden, landet im Rest der Welt mehr als die Hälfte der Lebensmittel im Müll, oft noch bevor sie überhaupt in die Regale kommen. Das Ausmaß dieser Verschwendung geht weit über eine ungerechte Verteilung der Lebensmittel hinaus. Nicht nur dass die globale Nahrungsmittelvernichtung die Preise am Weltmarkt in die Höhe treibt. Sie wirkt sich auch verheerend auf unser Weltklima aus. Doch Thurn ist nicht nur ein Schwarzmaler. Er besucht mit seiner Kamera auch Menschen, die die irrsinnige Verschwendung stoppen wollen, in der Hoffnung durch ihre kleinen Vorstöße die Menschen zu einem kritischeren Umgang mit Nahrungsmitteln zu bewegen.

Rein stilistisch betrachtet beherrscht Valentin Thurn sein Handwerk. Gleich zu Beginn des Films entwirft der Regisseur ein animiertes Stillleben aus verschiedensten Lebensmitteln, die sich wie von Zauberhand aus dem Mülleimer heraus auf einem Tisch aufbauen. Solide Kameraaufnahmen zeigen Bauern, Supermarktangestellte, Müllarbeiter, Köche, Minister und Psychologen, aus Deutschland, Österreich, Japan, Frankreich, Kamerun, Italien und den Vereinigten Staaten. Fazit: Die globale Nahrungsmittelverschwendung wird nicht gerne gesehen, ist jedoch unumgänglich, um den Markt aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die steigenden Bedürfnisse der VerbraucherInnen ausreichend zu befriedigen. Gekonnt untermalt der Regisseur die Interviewsituationen mit entsprechenden Bildern der Arbeitsabläufe. Auch auf der Ebene des Soundtracks, spart Thurn nicht mit bewusst eingesetzten Melodien, die das dargestellte Geschehen geschickt dramatisieren.

Schade ist nur, dass die zahlreichen Kommentare der interviewten Menschen sehr belehrend wirken. Dem Publikum wird eine Fülle von Informationen und Fakten um die Ohren geschmissen. Abstrakte Zahlen werden mittels Schrifttafeln greifbarer gemacht. Somit spricht der Regisseur seinem Publikum jedwede Eigenrezeption ab. Der Film produziert keine Denkanstöße, sondern präsentiert Fakten, die das Publikum bereitwillig in sich aufnimmt und eine aktive Gedankenbildung unterläuft.

Nichts desto trotz verlässt man das Kino mit einem geschärfteren Blick auf unser Konsumverhalten und beim nächsten Einkauf dürften sicher wieder die riesigen Berge weggeworfener Nahrungsmittel vor dem inneren Auge auftauchen. Und wenn man sich am Abend nicht mehr darüber beschwert, dass die Bäckerei seines Vertrauens kein ofenfrisches Brot bereitliegen hat, dann hat der Film seinen Auftrag bereits erfüllt.

Fazit:
Taste the Waste ist ein solider Dokumentarfilm mit einem belehrenden und gleichzeitig erschreckenden Thema: Die unerträgliche Leichtigkeit des Wegwerfens. Der Film richtet sich vor allem an jene Menschen, die sich, als kleines Rädchen in unserer voranschreitenden Wegwerfgesellschaft, völlig hilflos fühlen und gerne etwas ändern möchten, jedoch bis jetzt nicht bemerkt haben, dass eine bessere Welt schon beim Kauf eines liegengebliebenen Kopfsalats im Supermarktregal beginnt. Es wäre so einfach und ist doch so schwer. Dem Regisseur wäre somit zu wünschen, dass sein Film über die Festival- und Programmkinos hinaus gezeigt wird. Nicht nur um zu lernen unseren Lebensmitteln eine höhere Wertschätzung zuzugestehen, sondern auch zum Wohl eines viel zu wenig beachteten Filmgenres.

Wertung:
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Filmering.at
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