Prater

OT: -  105 Minuten - Doku
Prater
Kinostart: 21.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Prater

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Der Prater im Herzen Wiens ist nicht nur eine der Attraktionen des Landes, sondern eine fest mit dem Land verwurzelte Institution. Im Wurstelprater findet man die verschiedensten Schaustellerbetriebe, Karusselle, Geisterbahnen und natürlich das Riesenrad. Auch Automaten und Glücksspielbetriebe zieren das Bild des Vergnügungsparks. Das Riesenrad, das Wahrzeichen von Wien, ist gleichzeitig auch das einzige erhaltene Bauwerk aus dem wohl ersten Themenpark der Welt: Dem 1895 von Gabor Steiner gegründeten Venedig in Wien.

In diesem Park wurde die berühmte italienische Stadt auf der Wiener Kaiserwiese nachgebaut. Selbst groß angelegte Kanalanlagen wurden gebaut, umzingelt von zahlreichen Schaustellerbetrieben, die den Gästen Unterhaltung garantierten. Zwar wurde diese Anlage während des Zweiten Weltkriegs vernichtet, aber danach selbstverständlich wieder unter neuem Konzept aufgebaut. Heutzutage ist der Wiener Wurstelprater zwar nicht mehr der einzige seiner Art, denn das Konzept ging um die ganze Welt und wurde unter anderem auf Coney Island in New York kopiert, aber von seiner Faszination hat er immer noch nichts eingebüßt.

Auch an Skurrilitäten wird im Prater nicht gespart. Heutzutage gibt es zum Beispiel noch die Republik Kugelmugel: Edwin Lipburger baute sich ein kugelrundes Haus Anfang der 70er im niederösterreichischen Katzelsdorf, wo er es zu einer Republik erklärte, da er meinte, es ruhe nur auf einem einzigen Punkt am Boden, und da so keine räumliche Ausdehnung auf dem österreichischen Grund vorhanden war, werde das runde Gebilde nicht von den österreichischen Normen erfasst. Dies führte schließlich zu einer 10-wöchigen Haftstrafe für Lipburger wegen Amtsanmaßung. Heutzutage steht das Gebilde im Wiener Prater.

Doch von den skurrilen Attraktionen früherer Tage ist der heutige Wurstelprater noch ein Stück entfernt. Da gab es den berühmten Mann ohne Unterleib, bärtige Frauen und Muskelpakete, die ihre Kraft zur Schau stellten. Früher wurde sogar einmal ein ganzes afrikanisches Dorf in den Prater eingeflogen, damit die Gäste in das Leben einer fremden Kultur schnuppern konnten. Kurzum: Der Prater ist eine besondere Ansammlung an Wunderlichkeiten und vor allem eine Attraktion, die tief mit der österreichischen Geschichte verwurzelt ist. Somit würde ein Film durchaus Sinn machen.

Doch der Wurstelprater hätte sich eine bessere filmische Hommage verdient. Vollkommen ohne Struktur und Konzept gleitet Regisseurin Ulrike Ottinger durch den Park und filmt scheinbar zufällig, was ihr vor die Kamera kommt. Dabei ist Prater ein Dokumentarfilm, der wirklich ohne eine Linie vorgeht und nur kleinere Anekdoten über den Wurstelprater aneinanderreiht. Schausteller kommen zu Wort und auch einige Gäste hat man eingeladen, die ihre persönliche Beziehung zum Prater preisgeben. Doch hauptsächlich versucht Prater, die Atmosphäre des Parks aufzusaugen.

Dies gelingt stellenweise sogar ziemlich gut. Die mysteriöse Ausstrahlung des Praters und seiner "Einwohner" gewährt eine durchaus gefallende Vorschau auf den Vergnügungspark. Dies spricht allerdings nur jene Personen an, die auch schon einmal im Prater waren, da man eigentlich auch in diesen Szenen nur auf Nostalgie setzt. Wenigstens bei den Kamerafahrten hat man sich für eine Linie entschieden: Szenen, die wahnsinnig aufwendig aussehen, sind in Wahrheit ganz einfach entstanden, indem man sie von den verschiedenen Attraktionen aus aufgenommen hat.

So gibt es Bilder von der Achterbahn, dem Karussell oder direkt aus der Geisterbahn. Hier zeigt Prater wenigstens, dass man sich ein paar Gedanken über den Film gemacht hat, doch auch diese Szenen wirken fast wie aus einem Reisevideo. Unterstützt werden die reinen Bestandsaufnahmen des Praters von kleinen Anekdoten über die Geschichte des Praters. So kommen einige Schaustellerfamilien zu Wort und erzählen aus ihrer Vergangenheit. Auch die oben erwähnten Gäste, wie zum Beispiel Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, kommen zu Wort und erzählen von ihrer persönlichen Beziehung zum Vergnügungspark.

Das große Problem hierbei ist jedoch, dass Prater kurz gesagt langweilig geworden ist. Man hat stets diesen Reisevideoeindruck vor den Augen und Faszinierendes wird kaum geboten. Lediglich an manchen Stellen versucht Prater mit etwas Skurrilität, beim Publikum zu punkten. Doch auch das ist ziemlich in die Hose gegangen, denn der Zuseher wird durch diese Szenen nie aus seiner Lethargie gerissen. Mit Prater verhält es sich wie mit einem Besuch bei Freunden, die einem ihre langweiligen Reiseberichte vorführen: Man ist froh, wenn es endlich vorbei ist. Doch im Gegensatz zum "Reisebesuch" bei Freunden gibt es gar keinen Grund, sich das hier anzutun.

Fazit:
Prater ist ein quälend langweiliges Stück Zelluloid, das den Zuseher nie begeistern kann. Das einzig Positive sind einige schöne Kamerafahrten und ein gewisser nostalgischer Charme. Dieser kann sich jedoch nie entfalten, da er in den langweiligen 105 Minuten, über die sich Prater hinwegschleppt, einfach totgetreten wird. Prater ist kaum besser als ein durchschnittliches Reisevideo und kann dies auch nur selten verbergen.

Wertung:
2/10 Punkte

Filmering.at
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