Mr. Nice (2010)

OT: Mr. Nice - 121 Minuten - Biographie / Komödie / Drama
Mr. Nice (2010)
Kinostart: 21.10.2011
DVD-Start: 25.11.2011 - Blu-ray-Start: 25.11.2011
Will ich sehen
Liste
14034
Bewerten:

Filmkritik zu Mr. Nice

Von am
Die Geschichte des Howard Marks, der in den 70er und 80er Jahren als internationaler Drogenschmuggler Karriere machte und dadurch zum meistgesuchten Mann Großbritanniens wurde, ist weltbekannt, nicht zuletzt durch seinen 1996 veröffentlichten autobiografischen Bestseller Mr. Nice. Im Jahr 2010 feierte dessen Verfilmung von Regisseur Bernard Rose dann Weltpremiere und nun dürfen sich auch österreichische Fans des „Mr. Nice“ darauf freuen, sein turbulentes Leben auf der Leinwand zu verfolgen. Der Titel des Films bezieht sich auf einen der insgesamt 43 Decknamen von Marks, die er im Laufe seines Lebens annahm. Rose (Die Kreutzersonate, 2007) stützte sich beim Entstehungsprozess des Films jedoch nicht zwingend auf jedes kleinste Detail des vorgegebenen Materials der Vorlage, vielmehr versuchte er die Stimmungen rund um das Leben eines einfachen Mannes, der durch Zufall zum Drogendealer avanciert und hier seine Chance auf großes Geld wittert, einzufangen.

Howard Marks (Rhys Ifans), aus einem kleinen walisischen Dorf stammend, feiert mit seiner Annahme an der renommierten Universität Oxford seinen ersten großen Erfolg. Dort studiert der begabte Waliser Physik, doch als er auch endlich sozialen Anschluss findet, taucht er in die Bewegung der 60er und das damit verbundene College-Leben ein – Widerstand, sexuelle Freiheit und Drogen. Er verliebt sich in Ilze (Elsa Pataky) und findet zusammen mit ihr und seinen neuen Freunden Gefallen an der bewusstseinserweiternden Wirkung des Haschisch. Was als vermeintlich harmlose Versorgung mit diesem für sich und Studienkollegen beginnt, artet schnell zum Dealen im größeren Rahmen aus. Nach dem Herointod eines Freundes, schreibt Howard die Drogen dann für einige Zeit ab, konzentriert sich auf sein Studium, dass er erfolgreich abschließt und heiratet Ilze. Der Drogenhype nimmt jedoch weiterhin Einzug in die junge Generation und so wird auch Howard wieder von ihm gefangen genommen. Als er für einen Freund einen Schmuggel von Deutschland nach Großbritannien übernehmen soll, entdeckt er neben dem mehr oder weniger leicht verdienten Geld auch den Reiz des Risikos bei den Grenzüberfahrten und Zollkontrollen, die er glücklicherweise übersteht. Nachdem er sich von Ilze scheiden lässt, verliebt er sich in die lebenslustige Judy (Chloe Sevigny), die ihm im weiteren Verlauf insgesamt drei Kinder schenkt.

 

Die Geschichte führt den Zuseher ganz nach dem Vorbild des Lebens von Howard Marks rund um den Globus, mal nach Irland, wo Howard das IRA-Mitglied James McCann (David Thewlis) kennenlernt, um gemeinsam mit ihm Drogengeschäfte zu tätigen, mal nach Afghanistan, wo er den Produktionsprozess seiner Ware beaufsichtigt oder aber  nach Kalifornien, wieder des Geschäftes wegen. Zwar fliegt Howard das ein oder andere Mal auf, schafft es allerdings immer wieder, härteren Strafen zu entkommen, bis es schließlich Craig Lovato (Luis Tosar) von der amerikanischen Drogenbehörde auf ihn abgesehen hat und er sich vor abermals vor Gericht verantworten muss und nicht mehr so glimpflich davon kommt...

Dargestellt wird Howard Marks in Mr. Nice vom walisischen Schauspieler Rhys Ifans, der sogar aus der gleichen Kleinstadt wie Marks selbst stammt und durch seine chaotische, aber liebenswerte Darbietung in Notting Hill  (1999) neben Hugh Grant und Julia Roberts größere Bekanntheit erlangte. Mit seinem rauen Look passt Ifans, der 2004 für seine Performance in Not only but always mit dem BAFTA Award ausgezeichnet wurde, perfekt in die Rolle des weltberühmten Drogendealers. Und auch Filmpartnerin Chloe Sevigny (Zodiac – Die Spur des Killers, 2007) schafft es mit ihrer Rolle von Marks Ehefrau Judy zu überzeugen, wobei sich in ihr eigentlich zwei Frauen aus Marks Leben vereinen. Hier zeigt sich wiederum Roses Eingriff in die Geschichte zugunsten des Films, um diesen so seinen eigenen Charakter zu geben und nicht nur als Eins-zu-Eins-Verfilmung  zu gelten. Allerdings bleibt Rose dem autobiografischen Stil durch den Einsatz von Howards Voice-Over-Stimme treu. Als Bereicherung in Bezug auf den Cast kann des Weiteren der britische Schauspieler David Thewlis (Harry Potter und der Orden des Phönix, 2007) mit seiner Performance als irischer Freiheitskämpfer Jim McCann genannt werden.

Obwohl das Leben von Marks viele verschiedene Facetten zu bieten hätte, die Drogensucht an sich, die Sucht des risikoreichen Handels mit Drogen sowie seine leidenschaftliche Liebe zu Frau Judy, so fehlt es ihm dennoch an der Entwicklung einer Spannung und im Laufe seiner zwei Stunden stellt sich schon relativ früh eine gewisse Langatmigkeit ein. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen werden nur partiell bzw. oberflächlich behandelt, hier wäre auf emotionaler Ebene eindeutig noch mehr Potential gegeben. So begrenzt sich die Handlung hauptsächlich auf Drogendeals und der Organisation von Schmuggel, was der Geschichte ihren Facettenreichtum nimmt und dadurch stellenweise zu eintönig wirkt.

Auf visueller Ebene setzt Rose häufig auf Originalaufnahmen aus den 60ern und 70ern und baut diese aktiv in die Handlung der Geschichte ein. So lässt er seine Protagonisten an mancher Stelle sogar durch diese Aufnahmen wandern, als wären sie Teil dieser, was zwar beabsichtigt auffällig wirkt, sich jedoch sehr gut ins Gesamtbild des Films einbettet. Generell wird auch durch musikalischen Zusatz wie John Lennons „God“ ein authentisches Zeitgefühl eingefangen, sodass man sich schon mal in die vergangenen Jahrzehnte versetzt fühlt.   

Fazit:
Mit seiner Verfilmung des autobiografischen Bestellers von Howards Marks Mr. Nice versuchte Regisseur Bernard Rose die weltberühmte Geschichte des internationalen Drogendealers zu erzählen, was ihm in Bezug auf das Einfangen des Zeitgefühls und vor allem auf visueller Ebene gelungen ist, in Punkto Spannung und Einblick in Marks emotionales Beziehungsleben wäre aber mehr erzählerisches Potential gegeben. Dem entgegen wirken zwar der hochkarätige Cast Rhys Ifans, Chloe Sevigny sowie David Thewlis und auf visueller Ebene lassen die historischen und authentisch inszenierten Bilder auf der Leinwand eine gewisse Atmosphäre entstehen, was durchaus einen Kinobesuch wert ist, an Tiefgründigkeit sollte man sich allerdings nicht zu viel erwarten.


Wertung:
6/10 Punkte 

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
0%
6 /10
100%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Ziemlich beste Freunde (2011)
My Week with Marilyn (2011)
Cheyenne - This Must Be the Place (2011)
Hin und weg (2014)
Fremd Fischen (2011)
Kein Mittel gegen Liebe (2011)
Was passiert, wenn
Spieglein, Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen (2012)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!