Ein riskanter Plan (2012)

OT: Man on a Ledge - 102 Minuten - Thriller
Ein riskanter Plan (2012)
Kinostart: 27.01.2012
DVD-Start: 19.07.2012 - Blu-ray-Start: 19.07.2012
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Filmkritik zu Ein riskanter Plan

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Joel Schumacher bewies mit Phone Booth (dt. Nicht auflegen!) vor gut zehn Jahren, dass der Mix aus Kammerspiel und einem Medienereignis in den belebten Straßen von New York durchaus funktionieren kann. Nun legt der Dokumentarfilmer Asger Leth mit Man on a Ledge (dt. Ein riskanter Plan) sein Spielfilmdebüt vor, das im Ansatz ein wenig an Phone Booth erinnert, aber dann doch eine ganz andere Richtung einschlägt. Er setzt auf einen Mix aus Heist-Movie, Thriller und Komödie während er einen Mann im 25. Stockwerk aus dem Fenster steigen lässt. Sein Ziel: Seine vermeintliche Unschuld zu beweisen. Mit dieser fassungslosen Aktion des Protagonisten beginnt ein wendiger Balanceakt, der spannend anfängt und schwach abschließt.

 

Nick Cassidy (Sam Worthington) war einst ein erfolgreicher Cop mit einem nahezu perfekten Leben. Doch plötzlich findet er sich im Gefängnis wieder, für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Wie weit kann ein Mann gehen, um seine eigene Unschuld zu beweisen? Völlig verzweifelt nutzt er die erstbeste Gelegenheit zur Flucht und steigt mit einem ausgeklügelten Plan im Kopf auf den Fenstersims eines Hochhauses. Von dort aus verlangt er von der bereits eingetroffenen Polizei ein Gespräch mit der Psychologin Lydia Anderson (Elizabeth Banks). Während unten die Menschenmenge und das Polizeiaufgebot größer werden, feilt Nick an dem Plan seine Unschuld zu beweisen. Doch ihm rennt die Zeit davon, denn zum einen merkt die Psychologin langsam, dass seine Absicht eine ganz Andere ist und dann rückt auch noch eine Spezialeinheit immer näher. Aber das sind nicht die einzigen Probleme, die Nick dort auf dem Fenstersims in schwindelerregender Höhe hat. Es gibt nämlich auch noch einen ehemaligen Partner, einen Kollegen und einen skrupellosen Immobilienhai, die alle seinen Kopf wollen...

 

Ein unbekannter Mann checkt in ein Hotel ein, geht auf seine Zimmer, isst ein letztes Ma(h)l, schreibt einen Zettel und steigt auf den Fenstersims des Hochhauses, bereit sich in die Tiefe zu stürzen. Was hat den Mann dort hochgetrieben und wie will er damit seine angebliche Unschuld beweisen? Diese Prämisse klingt ungeheuer spannend und Leth inszeniert den Anfang auf den Punkt: Man weiß nicht viel über den Charakter, er redet kaum etwas. Was man sehen kann ist seine Zielstrebigkeit, er weiß genau was er tut. Gepaart wird das Ganze mit ersten Cues, die kurz vor der Linse erscheinen und vermitteln: Hier ist nichts so, wie es scheint. Flashback. Die Hintergründe zu Nicks Situation werden erklärt, das Wie wird erörtert und das Warum bleibt im Dunkeln. Und genau hier, wo das Drehbuch soviel Potential für ein ausgeklügeltes Puzzle aufweist, das sich nach und nach, rückwirkend, mit Flashbacks immer mehr offenbaren und sich am Ende eine Erkenntnis griechischen Ausmaßes niederschlagen könnte, wird eine andere Richtung eingeschlagen. Denn es bleibt bei diesem einen Flashback, der als Charakterzeichnung von Nick und nicht etwa als Stilmittel für etwaige Plot Points gedacht ist. Die Wendungen des Films werden beiläufig zur Handlung platziert, das Aha-Erlebnis stellt sich durchaus ein, jedoch bleibt die Intensität der Wirkung in einem kleinen Rahmen.

 

Die Zeichnung der Charaktere ist unter Umständen einfach zu deutlich geraten. Ed Harris als fieser Immobilienboss bringt zwar eine große Ladung Charisma mit sich, sein Charakter bleibt aber doch wesentlich eindimensionaler, als man von ihm erwarten könnte. Ebenso lässt das Drehbuch dem ansonsten vielseitigen Jamie Bell, als Bruder von Nick, kaum Raum zur Entfaltung. Sam Worthingtons angespannte Situation weiß er solide zu vermitteln. Der eigentlich sehr körperliche Darsteller hat auf dem schmalen Fenstersims kaum Raum für wilde Gesten und Bewegungen. Dennoch schafft er es, nicht unbedingt mit seinem Minenspiel aber dafür umso mehr mit seiner Präsenz, den Zuseher zu überzeugen. Elizabeth Banks als gefallene Verhandlungspartnerin bleibt ebenfalls nur solide.

 

Der David & Goliath (Worthington & Harris) Mythos wird mit einer leicht überheblichen Score unterlegt, die stets ankündigt, wann es gefährlich für die Protagonisten wird. Die zwei Handlungsstränge weisen allerdings ein recht gutes Timing auf und greifen  selbstständig so gut ineinander, das eine dezentere musikalische Untermalung gereicht hätte, um Spannung zu erzeugen. Der Schauplatz New York scheint vor allem im Hintergrund der Occupy Bewegung die richtige Location zu sein. Nachdem Cassidy am Fenstersims seinen Platz eingenommen hat, kommen nach und nach immer mehr Schaulustige hinzu, um das Spektakel zu verfolgen. Dabei sticht immer wieder eine unrasierte, langhaarige und ungepflegte Person hervor, die sich über das Geschehen kritisch äußert. Die gesellschaftskritischen Ansätze, die durchaus ihre Berechtigung haben, können bei der Stereotypisierung wohl kaum ernst genommen werden. Ebenso wenig wie die plumpe Auflösung am Ende. Wenn der Zuseher sich nicht zu seinem Augenzwinkern hinreißen lässt, dürfte es zu einem verstimmten Lächeln führen.

 

Fazit:
Ein riskanter Plan legt einen rasanten und vielversprechenden Start hin. Der starke Beginn wird aber zunehmend durch das recht einfach gestrickte Drehbuch abgeschwächt. Die Drehbuchautoren lassen sich dabei, ungleich dem Protagonisten und seines Planes, kaum auf ein Risiko ein und bleiben auf der sicheren Seite. Der Fenstersims als (realer!) Schauplatz schafft es, das Gefühl für die brenzlige Situation in luftiger Höhe zu erzeugen. Dass sich die Produzenten und der Regisseur nicht für eine wesentlich billigere und einfachere CGI Variante entschieden haben, darf man ihnen durchaus hoch anrechnen. Sich aber an der Idee aufzuhängen, sich allein darauf zu verlassen und andere Aspekte wie Charaktere oder das Drehbuch als sekundär zu beurteilen, geht zwangsläufig nach hinten los. Im Endeffekt mag der Mix aus Heist-Movie und Thriller mit einer Prise Humor und Kammerspielansatz ganz nett unterhalten, für einen richtig spannenden Balanceakt reicht es aber letztendlich nicht.

 

Wertung:
6/10 Punkte

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Ø Wertung: 7.4/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 13
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