Empire Me - Der Staat bin ich! (2011)

OT: Empire Me - Der Staat bin ich! - 100 Minuten - Dokumentation
Empire Me - Der Staat bin ich! (2011)
Kinostart: 19.01.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Empire Me - Der Staat bin ich!

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Schon lange sehnen sich immer mehr Menschen – vor allem angesichts  der Globalisierung im Zusammenhang mit sich international häufenden Krisen – nach der Flucht aus dem bestehenden Gesellschaftssystem hin zur alternativen, selbstbestimmten Existenz. Unter anderem aus diesem Wunsch bildeten sich daher im Laufe der Zeit diverse Kleinkulturen nach der Ideologie Einzelner heraus, die abseits des sozialen Systems ihre eigenen utopischen Lebensräume geschaffen haben.

Der in Saudi Arabien geborene Regisseur und Journalist Paul Poet, der 1996 mit dem Kurzfilm Hoch Zeit sein Regiedebut gab, machte es sich nun zur Aufgabe, einige dieser Kulturen aufzuspüren und einen Einblick in das dortige Leben und Miteinander der Menschen zu geben. Dabei führte ihn seine Reise rund um den Globus von einer Meeresplattform in der Nordsee nach Australien hin zu einer esoterischen Gemeinschaft in Italien. In Empire Me – Der Staat bin ich! präsentiert er nun sechs solcher Utopien, die zwar allesamt ihre eigenständige Lebensweise gemeinsam haben, sich ansonsten aber stark voneinander unterscheiden und von Mikronationen über Sekten und Kommunen hin zu schwimmenden Künstlerinseln reichen.

Die Dokumentation ist in sechs Kapitel untergliedert, die jeweils kurz durch zusammengeschnittene Collagen von Bildern und Eindrücken die Eckdaten der verschiedenen, beschriebenen Alternativwelten umreißen und dann beispielhafte Lebenssituationen innerhalb dieser zeigen und Einzelpersonen begleiten. Der erste Abschnitt befasst sich mit dem Fürstentum Sealand, das sich, auf einer Meeresplattform  in der Nordsee vor der Küste Englands befindet. Gegründet von Paddy Roy Bates, dessen Familie hier nach wie vor, wenn auch nicht dauerhaft, lebt, finanziert sich Sealand hauptsächlich durch das Anbieten von Internetservern und Fischerei. Die Utopie des Lebens auf der Plattform wird besonders gut durch  die Aufnahmen innerhalb der düster wirkenden Betonpfeiler und damit hunderte Meter unterhalb des Meeresspiegels  deutlich gemacht, wo das andauernd zu hörende, laute Geräusch des Meeres dominiert.

Darauffolgend wird das idyllische Leben im Fürstentum Westaustraliens Hutt River vorgestellt, das mit seinen Traditionen und Festivitäten zahlreiche Touristen zur Passkontrolle lockt. Während hier alles in konservativen Bahnen zu laufen scheint, vertreten die nächsten beiden Kapitel eher den freigeistlichen Sinn des Esoterischen und Erotischen. Der Film führt Poet zur norditalienischen Föderation von Damanhur, eine spirituelle Ökogesellschaft, die nach eigenen politischen und sozialen Strukturen lebt. Aus mehreren Gemeinschaften bestehend dreht sich hier alles um den friedlichen und nachhaltigen Umgang mit der Natur und das spirituelle Leben im Einklang mit dieser. Übergeleitet wird nun zur Kommune ZEGG (kurz für „Zentrum für Experimentelle Gesellschafts-Gestaltung), die in der Nähe Berlins angesiedelt ist. Auch ihr Ziel ist es, ein soziales und nachhaltiges Leben für ihre Mitglieder zu schaffen, wobei vor allem die freie, sexuelle Entfaltung im Vordergrund steht. Darauf legt auch Poet den Schwerpunkt dieses Abschnitts und setzt auf polarisierende Bilder, wenn sich beispielsweise ein Haufen nackter Frauen und Männer übereinander räkelt und sich in Ekstase gegenseitig mit Öl einreibt.

Sozusagen als Kontrast folgt die Freistadt Christiania im dänischen Kopenhagen, die durch Mauern von der Außenwelt getrennt lediglich eine vom Staat geduldete Kommune darstellt. So gibt es immer wieder polizeiliche Kontrollen und Eingriffe ins autoritätsfreie, autonome Christiania, dessen Stadtbild von Drogenhandel und –konsum, allerdings auch der gesellschaftlichen Akzeptanz dieser Entwicklung durch die Bürger Christianias sowie zunehmenden Auseinandersetzungen der Bevölkerung geprägt ist. Zuletzt betrachtet wird in Empire Me eine Gruppe von amerikanischen Künstlern, die mit kunstvoll gestaltetem Sperrmüll auf Flößen die Flüsse und Meere der Welt befahren und sich somit nicht nur dem Zwang staatlich vorgegebener Normen, sondern auch den Naturgewalten widersetzen.

Empire Me erhebt nicht den Anspruch, die gefilmten Lebensgemeinschaften in all ihren Facetten zu zeigen, sondern gibt vielmehr einen atmosphärischen Einblick in die jeweiligen Kommunen. So zieht sich auch kein wirklicher, roter Faden durch die Aneinanderreihung der Kapitel und veranschaulicht eher die differenzierten Herangehensweisen an den Wunsch einer selbstbestimmten, alternativen Lebensweise. Im Stile einer Collage arbeitet Poet mit eindrucksvollen Bildern, die das Thema der utopischen Lebensformen in ihren unterschiedlichen Variationen verdeutlichen und seine Dokumentation als stimmungsvolles Gesamtwerk funktionieren lassen.

Fazit:
Regisseur Paul Poet stellt in seinem Dokumentarfilm Empire Me – Der Staat bin ich! sechs, unterschiedliche Mikrostaaten und Kommunen vor, die mit ihren differenzierten Lebensweisen alle den Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit abseits des Systems gemeinsam haben. Mit collagenartigen Bildern fängt er die Atmosphäre innerhalb dieser Lebensgemeinschaften eindrucksvoll ein und gibt somit einen Einblick in die jenseits von politischen Zwängen der Gesellschaft lebenden Gruppen. Dabei bieten vor allem die unterschiedlichen Ansätze der begleiteten Mikrowelten und deren filmische Zusammenstellung einen Abwechslungsreichtum, durch den das Interesse des Zusehers an der Thematik des Films nicht erschöpft wird.       

Wertung:
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