Cairo Time (2009)

OT: Cairo Time - 90 Minuten - Drama / Romanze
Cairo Time (2009)
Kinostart: 23.12.2011
DVD-Start: 10.02.2012 - Blu-ray-Start: 10.02.2012
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Filmkritik zu Cairo Time

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Kairo, das Tor zum Orient ist in jüngster Vergangenheit vor allem durch seinen politischen Umsturz und die Revolution ins Gedächtnis der Gegenwart gerückt. Sämtliche Botschaften in Kairo warnten vor einer Reise in die Metropole als es zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen war. Nachdem das Regime des damals regierenden Präsidenten Mubarak nun gestürzt ist und sich die politische Lage einigermaßen erholt hat, übernimmt nun die kanadisch-syrische Regisseurin Ruba Nadda (Sabah) mit ihrer bereits 2009 abgedrehten Romanze die Funktion der Touristenführerin. Cairo Time ist eine Hommage an eine hektische Weltstadt die nicht unbedingt am Puls der Zeit scheint, aber ihren ganz eigenen sensorischen Reize besitzt.

Drei Wochen Urlaub hat sich die Modejournalistin Juliette (Patricia Clarkson) genommen, um ihren Mann Mark (Tom McCamus) in Kairo zu besuchen. Doch unerwartet wird Mark, der für die UN in Gaza arbeitet, im Krisengebiet aufgehalten. Stattdessen empfängt sie sein ägyptischer Freund Tareq (Alexander Siddig) am Flughafen. In den folgenden Tagen wartet Juliette vergeblich auf ihren Mann. Sie beginnt, allein durch die Stadt zu spazieren. Doch auch für eine emanzipierte und elegante Frau wie sie, ist es nicht einfach, Kairo ohne Begleiter zu erkunden. Daher sucht sie Tareq im Kaffeehaus auf. An seiner Seite lernt sie die antike Schönheit und den orientalischen Zauber Kairos kennen. Und bald sieht sie in dem charmanten Tareq mehr als nur einen freundlichen Begleiter...

Worauf die Regisseurin Nadda in Cairo Time Wert legt, wird in den Opening Credits schnell klar. Die melancholisch sehnsuchtsvollen Klavierklänge weisen auch ohne Vorwissen der Prämisse eher auf eine Liebesgeschichte oder Drama hin, als auf  orientalische Kulturvermittlung. Der Nahe Osten dient hier bloß als stimmungsvolle Schauplatzvorlage, im Vordergrund steht allerdings eine Romanze die in jedem fremden Land ihre Daseinsberechtigung findet. Die syrische Herkunft der Regisseurin bringt entgegen der Erwartung keine Novitäten mit sich, denn alles in allem besticht Cairo Time durch seinen, leider, relativ westlichen Blick. Im Angesicht der Tatsache, dass die Hauptdarstellerin Amerikanerin ist, ist dieser Ansatz vertretbar, ein etwas differenzierter Blick auf die Weltstadt, abseits der großtouristischen Ausflugsziele wie den Pyramiden, dem Nil, den gut besuchten und mit Wasserpfeifenrauch umhüllten Cafés, den belebten Märkten und der weißen Wüste ist offensichtlich zu viel verlangt.

Auf der anderen Seite schafft es der Kameramann Luc Montpellier den westlichen Blick postkartengerecht einzufangen. Die intensiven Farben, die (gefährlich) belebten Straßen, die sinnlichen Sonnenuntergänge. Nichts wird ausgelassen, allerdings macht sich der Eindruck bemerkbar, das alles schon einmal gesehen zu haben. Der Charme Kairos scheint trotz der bedeutungsschweren Bildsprache immer wieder kurz durch, insbesondere dann, wenn die Regisseurin auf die immer wiederkehrenden emotionalisierenden Klavierstücke verzichtet und stattdessen orientalische Klänge wie ein Teppich über die Bilder ausbreiten lässt.

Die hinreißende Patricia Clarkson und der geheimnisvolle Alexander Siddig schaffen mit ihrem reduzierten Spiel und minimaler Mimik den unsichtbaren Funken zwischen ihren Charakteren sichtbar zu machen. Clarkson macht den Culture-Clash für den Zuseher erfahrbar während Siddig den Zuseher als charmanter Reiseführer an seine Hand nimmt. Leider lässt das Drehbuch keine Überraschungen zu und macht somit Cairo Time zu einer vorhersehbaren Angelegenheit. Zusätzlich wird es den Schauspielern mit den Dialogen noch schwerer gemacht die von einer ungeheuren Banalität geprägt sind. Die deutsche Synchronisation tut ihr Übriges und so bleibt nicht nur der Charme sondern auch die Glaubwürdigkeit auf der Strecke. Beide Schauspieler geben aber ihr Bestes, ihnen ist es letztendlich zu verdanken, dass man sich nicht fremdschämend in den Kinosessel vergräbt.

Fazit:
Cairo Time ist ein relativ vorhersehbares romantisches Drama, das sich mit einer großen Portion orientalischem Charme schmückt. Der Film bietet dem Zuschauer die Möglichkeit, das krisengebeutelte Kairo von seiner märchenhaften Seite zu bewundern. Die großartigen Akteure schaffen es leider nicht die gnadenlos holprigen Dialoge zu kaschieren und so bleibt bei jedem gesprochenen Wort ein verstimmter Beigeschmack zurück. Das nicht ausgeschöpfte Potential und der zu westliche Fokus machen Cairo Time zu einem Urlaubsflirt ohne Folgen.

Wertung:
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