![]() ![]() Gefährten OT: War Horse Regie: Steven Spielberg Drehbuch: Lee Hall, Richard Curtis Darsteller: Tom Hiddleston, Benedict Cumberbatch, David Thewlis, Emily Watson, Peter Mullan, Toby Kebbell, Eddie Marsan, David Kross, Jeremy Irvine, Niels Arestrup Filmstart: 16.02.2012 | Laufzeit: xx Minuten | Krieg |
Und gerade in dieser Phase präsentiert Spielberg also Gefährten - einen kitschigen, märchenhaften und romantisierenden Film über eine große Freundschaft zwischen einem einfachen Jungen vom Land und seinem Pferd, angesiedelt während des ersten Weltkriegs. Das Augenrollen kann beginnen, die Scherze dürfen abgefeuert werden, aber man sollte eines nicht machen: Gefährten ungesehen abschreiben. Denn tatsächlich macht Steven Spielberg hier so gut wie alles richtig, und auch wenn sicher einige seinem Film vorab mit äußerster Skepsis gegenüber stehen werden, sollte man nicht den Fehler machen dieses außergewöhnliche Kinoereignis auszulassen. Sicher, Gefährten ist kitschig und drückt auf die Tränendrüse - aber es ist Spielbergs bester Film seit Minority Report.
Wenn es zwei Themen gibt, die das Werk von Steven Spielberg durchziehen, dann sind es große Märchen und große Kriege. In Gefährten bündelt Spielberg diese beiden Themenkomplexe nun zu einer gesammelten Essenz seines Schaffens. Wie bereits eingangs erwähnt mag die kompromisslose Stilbekenntnis des Films für viele auf den ersten Blick abschreckend wirken. Sieht man Trailer, Bilder, Poster, so ist es ein leichtes den Film ungesehen abzuschreiben. Noch leichter ist es sich darüber lustig zu machen und Spielberg eine aufkommende Altersenilität anzudichten. Und es ist umso beeindruckender, dass Spielberg all diese Gefahren völlig egal sind. Er lässt sich nicht abschrecken und inszeniert Gefährten als großes, romantisiertes Märchen mit Mut zum (guten) Kitsch und beweist viel Feingefühl im Umgang mit den Figuren.
Im Verlauf seines Abenteuers bekommt Joey immer wieder neue "Besitzer" zur Seite gestellt und Spielberg nutzt diese Ausgangslage um einen umfassenden Querschnitt des Lebens während des ersten Weltkrieges zu zeigen. Natürlich ist Gefährten nicht primär als erschütterndes Kriegsdrama zu sehen, sondern viel mehr als märchenhaftes Abenteuer, aber trotzdem gelingt es Spielberg quasi im Vorbeigehen immer wieder die Schrecken des Krieges aufzuzeigen - und das aus zahlreichen Perspektiven: Joey reitet für die britische Kavallerie, hilft zwei deutschen Brüdern die desertieren, leistet einem kranken Mädchen und ihrem Großvater Gesellschaft, schleppt Waffen für die Deutschen und sorgt für einen ruhigen Moment im Schützengräben als er im Stacheldraht zwischen deutscher und britischer Seite gefangen ist.
Was Gefährten aber wirklich auszeichnet ist der sensible, humanistische Blick auf die Geschichte und ihre Charaktere. Natürlich ist Gefährten ein großes Epos, das auch über beeindruckende Bilder verfügt (Spielbergs Stammkameramann Janusz Kamiński hat wieder einmal großartige Arbeit geleistet), aber im Zentrum des Films stehen vor allem große Emotionen. Gefährten ist ein Film der das Herz am rechten Fleck hat und eine pure Unschuld verströmt, die zu Tränen rührt. Eben jene reine, unverfälschte Emotionalität des Films, kombiniert mit großen Träumen und einer großen Freundschaft (was im Wesentlichen Spielbergs Stil in reinster Form bedeutet) ist es auch was Gefährten anfällig für Spott macht.
Fazit:
Gefährten ist der vielleicht mutigste und schönste Hollywoodfilm des Jahres. Steven Spielberg inszeniert ohne Kompromisse ein reines, herzerwärmendes Abenteuer, das es schafft seinen Stil punktgenau auf die Leinwand zu bündeln. Gefährten ist dabei ein Film, dem (speziell vor dem Ansehen) heftige Skepsis entgegen kommen wird - aber man sollte sich davon nicht abhalten lassen sich eine eigene Meinung zu bilden. Denn Spielbergs Film versteht sich vor allem als Parabel, die auf märchenhafte Weise eine Geschichte über Freundschaft und das Leben selbst erzählt. Ich selbst war im Vorfeld äußerst kritisch (vor allem, da Spielberg nun schon seit einiger Zeit wieder ein Meisterwerk schuldig ist) - aber Gefährten gelingt das Kunststück auch die Skeptiker um den Finger zu wickeln. Der Film sorgt für große Emotionen und dank der unglaublich mutigen Herangehensweise von Spielberg ist es sein bester Film seit Minority Report.
Wertung:
9/10 Punkte

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