Bulb Fiction (2011)

OT: Bulb Fiction - 90 Minuten - Dokumentation
Bulb Fiction (2011)
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Kinostart: 16.09.2011
DVD-Start: 13.03.2012 - Blu-ray-Start: 13.03.2012
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Filmkritik zu Bulb Fiction

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Es ist ein Thema, das uns bereits jetzt alle betrifft und vor allem in naher Zukunft unser aller Leben grundlegend beeinflussen wird – das EU-weite „Glühlampenverbot“ und die im Dunkeln gehaltenen Lügen zur Energiesparlampe. Genau damit und besonders mit der Aufklärung über die in der Allgemeinbevölkerung bestehenden Wissenslücken diesbezüglich beschäftigt sich der neue, österreichische Dokumentarfilm Bulb Fiction von Regisseur und Drehbuchautor Christoph Mayr. Nach einer Idee von Moritz Gieselmann behandelt er sämtliche Aspekte, die für eine Diskussion rund um die gesetzliche EU-Verordnung und den damit verbundenen, verpflichtenden Tausch der altbewährten Glühbirnen gegen sogenannte Kompaktleuchtstofflampen relevant sind.

Schon die Aufmachung des Films mit dem Titel, der ganz offensichtlich und sicherlich nicht ohne Grund an einen der wohl beliebtesten und erfolgreichsten Filmklassiker, nämlich Pulp Fiction (1994) angelehnt ist, weckt das Interesse seitens des Publikums. Und auch das Logo des Films – eine Glühbirne mit einer glühenden, zur Faust geballten Hand darin – macht auf diesen aufmerksam und weist schon symbolisch auf die Widerstandsbewegung für die Glühlampe und gegen deren Verbot hin. Obwohl das Thema der Dokumentation zunächst ein wenig trocken anmutet, so versteht Mayr es, dieses dennoch interessant und fast schon spannend verpackt darzubringen. Es wird mit sämtlichen Lügen die Energiesparlampe betreffend, wie die höhere Brenndauer, die selten eingehalten wird und keineswegs einem Durchschnittswert entspricht, aufgeräumt.

Zunächst wird der gesundheitsgefährdende Faktor der Energiesparlampe, der durch das darin enthaltene giftige Quecksilber nun mal gegeben ist, angesprochen. Dies wird am Beispiel des kleinen Max aus Deutschland deutlich gemacht, dem nach dem Bruch einer solchen Lampe und dem Entweichen des gefährlichen Elements sämtliche Körperhaare ausfielen. Dieses von der EU eingegangene Gesundheitsrisiko wirkt besonders bizarr, wenn man bedenkt, dass Quecksilberthermometer erst kürzlich von dieser per Gesetz aus den Haushalten verbannt wurden. Neben dieser, von Wissenschaftlern und Ärzten nachgewiesenen Gefahr für den menschlichen Körper, wird aber auch der biologisch-medizinische Faktor der visuellen Wahrnehmung des, im Gegensatz zur guten alten Glühlampe unnatürlich wirkenden Lichts der Energiesparlampe hervorgehoben.  

Des Weiteren werden wirtschaftlich und politisch ausgenutzte Machtverhältnisse aufgedeckt, die sowohl für Industrie in Bezug auf ihre Gewinnmaximierung als auch für die EU-weite Politik, die damit einen scheinbaren Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leistet, einen positiven Effekt hat. Man wird sowohl über politische aber auch industrielle Hintergründe, wie das schon seit 1924 bestehende Phoebus-Kartell, das eine Übereinkunft der größten Lampenhersteller darstellt, aufgeklärt, die eine willkürlich bzw. nicht zugunsten des Konsumenten geschweige denn der Umwelt getroffene Entscheidung zur Abschaffung der Glühlampe erahnen lassen. Aber auch NGOs verschreiben sich dem Glühlampenverbot, allen voran Greenpeace mit seiner zu Beginn der Dokumentation gezeigten Aktion 2007 vor dem Brandenburger Tor, wo symbolisch 10.000 Glühbirnen mit einer Walze zerstört wurden. Einen Sinn in solch einer Aktion sieht Mayr und auch der Zuseher nicht, wenn einem Zahlen und Fakten vorgestellt werden, die einleuchtend zeigen, dass der energieeffiziente und umweltschonende Nutzen von Energiesparlampen gegenüber herkömmlichen Glühlampen praktisch nicht gegeben ist und eine Umstellung auch für den Endnutzer im privaten Haushalt kaum Ersparnis bedeutet, durch speziell notwendige Entsorgungsmaßnahmen teils sogar eine Kostenerhöhung darstellt.

Mayr, der schon in etwaigen Dokumentarfilmen und TV-Serien für Buch und Regie verantwortlich war, darunter Boss der Bosse – Eine Reise in die untergehende Welt der mexikanischen Drogenkultur (2009), hat sich mit hier der Aufgabe verschworen, kleineren, sonst ungehörten Gruppen als Sprachrohr zu dienen. So kommen Experten aus verschiedenen Bereichen zu Wort, die sich aufgrund ihres Fachwissens gegen das Glühlampenverbot und die zwanghafte Einführung der Kompaktleuchtstofflampe aussprechen und im Angesicht der großen Parteien Wirtschaft und Politik unterzugehen drohen. So wird gegen Ende des Films die Aktion der sogenannten „Heatballs“ vorgestellt, die die Glühlampe unter dem Aspekt ihrer Wärmeproduktion in Umlauf halten will, worauf man von politischer Seite jedoch mit Ordnungsverfügungen und Beschlagnahmungen reagiert.

Bulb Fiction nimmt den Zuseher mit auf eine Reise, die ihn rund um den Globus führt und zeigt damit deutlich, welche Wichtigkeit die Frage um effiziente Lichtquellen und den damit zu erreichenden Umweltschutz international aufweist, vor allem in Bezug auf politische und ökonomische Verstrickungen. So wird beispielsweise der radikale Tausch von Glühbirnen gegen „bessere“ Energiesparlampen in Kuba gezeigt, hier wurde bereits gänzlich auf die neue Lampe umgestellt.

Möchte man zunächst noch, wie auch Regisseur Mayr selbst zu Beginn seiner Recherchen, an eine mögliche Verschwörungstheorie glauben, so leuchten die Informationen im Laufe der Dokumentation immer mehr ein, sodass man sich am Ende von Industrie und Politik regelrecht hinters Licht geführt fühlt. Natürlich besteht auch hier ein gewisser Charakter einer Inszenierung, immer wieder sind Szenen mit dramatischer Musik unterlegt, daneben wird auch mit emotionalen Bildern gearbeitet, die beispielsweise die heftigen Auswirkungen von Quecksilberbelastung auf den Körper zeigen, aber genau solche Bilder sind es, die im Gedächtnis bleiben und letztendlich sprechen die Fakten einfach für sich.   

Bulb Fiction lässt keine Fragen offen, bis auf jene, wie man denn nun gegen das beschlossene Gesetz vorgehen könne. Er entlässt mit der Botschaft, dass ein großer Schritt in die richtige Richtung schon allein damit getan ist, das Gesetz nicht einfach als gegeben anzunehmen sondern zu hinterfragen. Und genau das ist das Ziel dieser Dokumentation, die Bevölkerung zu informieren und ihr somit eine faire Chance zu geben, sich angesichts aller zu beachtenden Gesichtspunkte eine eigene Meinung bilden und dem politischen Geschehen kritisch gegenüberstehen zu können – denn schließlich leuchtet nicht alles, was Licht gibt.

Fazit:
Mit seinem Dokumentarfilm liefert Mayr Ergebnisse seiner Recherchen über wirtschaftliche und politische Motivationen zur zwanghaften Einführung von Energiesparlampen und gibt dem Zuschauer damit die Möglichkeit eines kritischen Standpunkts. Bulb Fiction zeigt der Bevölkerung damit eine bisher in den Hintergrund gedrängte Position zum Thema „Glühlampenverbot“ auf und wird auf seiner Filmhomepage zu Recht mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ beschrieben.  

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Liste von donbenni
Erstellt: 09.12.2012