Kan door huid heen (2009)

OT: Kan door huid heen - 94 Minuten - Drama
Kan door huid heen (2009)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Kan door huid heen

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Kan Door Huid Heen (Can go through skin) ist das Spielfimdebüt der niederländischen Regisseurin Esther Rots und ist ein Beispiel für die oft vergessene, nie gesehene europäische Filmszene. Großes Kino ohne Stars, mit kleinem Team und außerhalb von Festivals nie zu sehen. Österreichpremiere feierte der Film am Crossing Europe Filmfestival 2009.

Marieke (Rifka Lodeizen) ist um die 30, wurde von ihrem Freund verlassen, und findet sich in der Mitte ihres Lebens völlig alleingelassen. Verzweifelt versucht sie mittels Party und Alkohol ihre momentanen Lebensumstände zu übermalen, bis sie plötzlich Opfer eines Vergewaltigungsversuches wird. Um ihre schreckliche Erfahrung schneller vergessen zu könne, zieht sie sich in die Einsamkeit zurück. Sie kauft sich ein altes, zerfallenes Haus am Land das ihr als Zufluchtsort und Versteck gegen die ihr verhasste (Männer-)Welt dienen soll. Doch auch die scheinbar ruhige Idylle des Landlebens, bewahrt Marieke nicht von den ihr verhassten sozialen Kontakten. Geplagt von Rachegedanken und Paranoia, verbarrikadiert sie sich vollständig in ihrer selbst geschaffenen Festung und sucht Hilfe in einem Selbsthilfechat im Internet. Der Sommer beginnt und Marieke findet endlich wieder Anschluss am sozialen Leben. Sie verliebt sich, wird schwanger, und scheint wieder fest im Leben zu stehen. Doch der erste Anschein trügt. Innerlich wird Marieke noch immer von Rachegedanken geplagt und entgegen ihrem äußerlichen Anschein, verliert sie immer mehr die Kontrolle über sich selbst.

Das vorherrschende Gestaltungsprinzip des Filmes sind Groß- und Nahaufnahmen. Gemäß dem deleuz'schen Dogma "Ein Affektbild ist eine Großaufnahme, und eine Großaufnahme ist ein Gesicht" versucht die Regisseurin mit Hilfe der Einstellungsgrößen bewusste Stimmungen zu erzeugen. Umso eindringlicher und intimer die Bilder wirken sollen, umso näher rückt das Kameraauge an den Körper der Figuren. Kulminationspunkt stellt eine Selbstbefriedigungsszene dar, bei der die Kamera sprichwörtlich mit der Hand in der Hose verschwindet.

Aber nicht nur auf der Bildebene, sondern auch auf der Ebene des Tons geht die Regisseurin aggressiv vor. Der Sound fungiert gleichsam als ein Geschmacksverstärker, genauer gesagt ein Affektverstärker, um den deleuz'schen Kreis zu schließen. Rhythmen treiben die narrative Handlung voran und unterstützen gewisse Emotionen und Gefühle. Ebenso gibt uns Rots Einblicke in die Gedanken der Protagonistin, wobei die Grenzen zwischen Real und Fiktiv, Physisch und Psychisch, sowohl auf Ton-, wie auch auf Bildebene dekonstruiert werden. Das Publikum sieht Mariekes Phantasien und hört Mariekes Gedanken. Die Grenzen sind fließend und lassen sich oft nicht mehr unterscheiden. Bild und Ton überlappen sich, gehen einen asynchronen Vertrag miteinander ein und der Zuseher/die Zuseherin ist sich nicht mehr sicher, was in der filmischen Realität wirklich geschehen ist und was sich nur im Kopf der Protagonistin abgespielt hat.

Genau hier liegt aber das Problem dieses sehr ambitionierten Projekts. Funktioniert diese, von der Regisseurin eingeschlagene filmische Herangehensweise am Anfang des Filmes noch sehr gut, so verliert sie im laufe der Zeit an Reiz. Wird auf der einen Seite den Zusehenden oft eine kritische Reflexion der Situation, durch die seh- und hörbaren Phantasien und Gedanken der Protagonistin vorweggenommen, so erscheinen sie auf der anderen Seite oft verwirrend und narrativ nicht ausreichend eingeflochten. Auch der Drang der Geschichte hin zu einem Höhepunkt, trübt die Grundidee des Films: Den innerlichen Konflikt einer Frau, die (fast) Opfer einer Vergewaltigung geworden ist, auf intellektuelle Weise auf Celluloid zu bannen.

Fazit:
Niederländisches Arthousekino das etwas zu verbissen versucht an seinem Image fest zu halten, jedoch wunderschöne Bilder zaubert. Für Cineasten und alle die es sein wollen.

Wertung:
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