Home (2008)

OT: Home - 98 Minuten - Drama
Home (2008)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Home

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Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit Ihrem Auto auf der Autobahn und lassen sich, getrieben von der Musik Ihres Autoradios, durch eine weite, steppenähnliche Landschaft treiben. Dann stellen Sie sich vor, Sie bemerken in der Ferne ein scheinbar einsames, verlassenes Haus. Immer schneller rückt dieser unlebenswerte Ort in ihr Blickfeld und in den wenigen Sekunden, in denen Sie das Haus im vollen Blick haben erkennen Sie plötzlich, dass dieses Haus bewohnt ist. Sie sehen eine Familie, die es, entgegen jeglichem Vorstellungsvermögen, geschafft hat, sich hier, an diesem denkbar unpassendsten Ort, eine Existenz aufgebaut hat. Den ganzen Rest Ihrer Reise beschäftigt Sie diese obskure Begegnung und der Gedanke, wie es jemand schaffen kann hier zu leben, geht ihnen lange nicht mehr aus dem Kopf. Was braucht ein Mensch, um an einem Ort glücklich zu sein? Ruhe und Entspannung? Einen Ort zum Wohlfühlen und zum Zurückziehen? Dies sind wahrscheinlich die häufigsten und naheliegendsten Kriterien, die einem im ersten Moment einfallen. Genau diesen, eben beschriebenen, Gedanken hat sich auch die welsche Regisseurin Ursula Meier gewidmet. Home ist ihr Spielfilmdebüt und besticht neben der hochkarätigen Besetzung (Isabelle Huppert als Mutter von drei Kindern und Olivier Gourmet als dazugehöriger Vater) vor allem durch einen grotesken Humor, der angesichts der Thematik, einen unterhaltsamen Mehrwert für die erzählte Geschichte bringt.

Die Regisseurin erzählt eine tragisch, komische Geschichte über eine Familie, die seit 10 Jahren glücklich und zufrieden neben einer nie fertig gebauten Autobahn lebt. Sie scheint in ihrer Einsamkeit Zufriedenheit gefunden zu haben. Doch eines Tages kommt, was kommen muss. Ein Bautrupp rückt an und zieht durch das Familienglück eine, sprichwörtlich, neu asphaltierte Straße. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Der ständige Lärm und die ständige Anwesenheit der Blicke der AutofahrerInnen stellt die heile Familienidylle auf die Zerreißprobe. Die Mutter wird von Schlaflosigkeit geplagt, die älteste Tochter ignoriert rebellisch die neue Situation, die jüngste Tochter wird von Paranoia gegen mögliche gesundheitsschädliche Gefahren geplagt, der jüngste Sohn kämpft spielerisch gegen die Autokolonnen an und der Vater stößt durch das Gesamtpaket an seine Grenzen. Die zu Beginn glücklich wirkende Familie scheint an der physischen und psychischen Belastung zu zerbrechen.

Wie schon aus früheren Filmen der Regisseurin gewohnt, zeigt uns Meier den menschlichen Körper an der Grenze seiner Belastbarkeit. Die motorisierte Umwelt ist in den Körper der ProtagonistInnen eingedrungen und zermürbt ihn. Diese zerstörerische Kraft, die von der technisierten Umwelt ausgeht, macht aber nicht auf der Leinwand halt, sondern breitet sich auch im Kinosaal aus. Selbst für das Publikum ist der ständig präsente Autolärm eine Erfahrung an der Schwelle zum Unerträglichen. Der Lärm rückt den Zusehenden physisch zu Leibe und dringt bis in die Knochen vor. Kurze Momente der Ruhe erscheinen wohltuend und nach guten 90 Minuten Spielfilm ist man froh, wenn man nur mehr noch vom Gemurmel der hinausströmenden KinobesucherInnen beschallt wird. Diesmal aber nicht aufgrund eines nichtgefallenen Films, sondern auf Grund seines eigenen Wohlbefindens.

Fazit:
Mit Home schafft Ursula Meier ein Road-Movie der etwas anderen Art. Sie erzählt nicht die Geschichte eines/einer Reisenden, sondern die Geschichte des vorbei flitzenden Hauses und seiner BewohnerInnen. Das Resultat ist schräges Familienporträt - voll von skurrilem Humor und sozialkritischer Tragik. - das für ein Spielfilmdebüt als interessant und gelungen angesehen werden kann. Kein Popcornkino, aber für alle FilmliebhaberInnen zu empfehlen.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
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