Beim ersten Mal

OT: -  129 Minuten - Komödie
Beim ersten Mal
Kinostart: 24.08.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
1390
Bewerten:

Filmkritik zu Beim ersten Mal

Von am

Da schleppt man sich Jahr für Jahr ins Kino, sieht romantische Komödien oder Teeniekomödien und glaubt eigentlich schon gar nicht mehr daran, dass sich eines dieser Genres jemals wieder verändern könnte. Doch dann kommt Judd Apatow mit seiner grandiosen Feel-Good-Comedy Beim ersten Mal, und als Zuseher kann man nicht anders, als den ganzen Film über zu grinsen. Alleine wie Apatow das Risiko eingeht, einen klassischen Nerd als Hauptrolle für seine Romanze zu wählen, imponiert schon, aber dass er es dabei auch noch schafft, die Gagdichte so unbeschreiblich hoch zu halten und trotz des derben Humors immer den richtigen Ton zu treffen, ist wirklich bemerkenswert.

Man kennt es ja zur Genüge, das Klischee der romantischen Komödie. Der erste Schritt, den Beim ersten Mal geht, um die verstaubte Kruste des Genres aufzubrechen, ist, dass er als Hauptdarsteller einen Geek einsetzt, der eigentlich in jeder anderen RomCom höchstens als Sidekick herhalten würde und vielleicht  den besten Freund des strahlenden romantischen Helden spielen könnte. Das Konzept funktioniert dabei so außergewöhlich gut, dass man schon den nächsten Film des Teams herbeisehnt. Denn wenn der Anstieg zum bald kommenden Superbad noch einmal so ist wie der zwischen dem schon wirklich überzeugenden, Jungfrau (40), männlich, sucht..., zu Beim ersten Mal, dann erwartet uns ein Knaller sondergleichen. Aber eigentlich würde es schon reichen, wenn Superbad zumindest auf Augenhöhe mit diesem Film hier operieren würde. Denn Beim ersten Mal ist schlicht DIE Feel-Good-Comedy des Jahres.

Alison Scott (Katherine Heigl) ist auf der Überholspur. Sie arbeitet beim Fernsehsender E!, und wurde nun zu einem Posten vor der Kamera befördert. Um dies zu feiern, geht sie mit ihrer Schwester Debbie (Leslie Mann) auf Tour. In einem Club lernt sie schließlich den sympathischen, aber nicht unbedingt ihren Traumvorstellungen entsprechenden Ben (Seth Rogen) kennen, und nach einer lustigen gemeinsamen Nacht landen sie schließlich bei Alison zuhause. Am nächsten Morgen folgt dann die Ernüchterung und Alison zeigt sich nicht mehr so begeistert von ihrem One-Night-Stand.

Eigentlich hätte sie geplant, die Geschichte abzuhaken, aber nach mehreren Übelkeitsanfällen und der anschließenden Bestätigung durch einen Schwangerschaftstest muss Alison doch Bescheid geben, dass sie von ihm schwanger ist und das Kind auch behalten will. Alison versucht nun, eine Beziehung zu Ben aufzubauen, doch sein Leben in der WG mit seinen Freunden Jonah (Jonah Hill), Jason (Jason Segel), Jay (Jay Baruchel) und Martin (Martin Starr) und sein wildes jugendliches Leben kombiniert mit seinem beruflichen Ziel eine Webseite aufzubauen, auf der man nachschlagen kann, in welchem Film die verschiedensten Schauspielerinnen nackt zu sehen waren, sind nicht gerade ihre Traumvorstellungen von einem Ehemann und Vater. Doch die beiden geben sich Mühe, um sich kennen zu lernen und versuchen alles. um dem kommenden Kind ein schönes Zuhause zu bieten...

Die Beförderung von Seth Rogen vom Nebendarsteller in Jungfrau (40), männlich, sucht... zum Hauptdarsteller in Beim ersten Mal ist wohl der größte Clou des Films. Ben ist zwar ein fauler Looser, dessen Lebensinhalt darin besteht zu kiffen und mit seinen Freunden abzuhängen, aber dabei wird er für den Zuseher nie unsympathisch. Ben bleibt den ganzen Film über charismatisch und bietet dem Zuseher einen wunderbar gezeichneten "Helden", fernab von jedem Reißbrettentwurf, der sich soweit vom klassischen Hauptdarsteller einer romantischen Komödie abhebt, wie es nur irgendwie möglich ist.

An seiner Seite schafft es Katherine Heigl zu einem gelungenen Kinocomeback, nach dem sie nach einem frühen Kinoauftritt in My father, the Hero an der Seite von Gerard Depardieu und vielleicht noch ihrem Auftritt in Chucky´s Braut von der Leinwand verschwunden ist und im Fernsehen spielte. Durch ihre große Rolle in der Erfolgsserie Grey´s Anatomy kam sie wieder auf den aufsteigenden Ast, und nun ist sie mit Beim ersten Mal wieder dort, wo sie hingehört: Im Kino. Denn Katherine Heigl dominiert in jeder Szene die Leinwand und kann nicht nur durch ihr gutes Aussehen, sondern vor allem durch viel Charme das Publikum für sich gewinnen.

Nun stehen diese beiden Figuren im Zentrum von Beim ersten Mal, und gerade ihre vielen Unterschieden machen sie für das Publikum so interessant. Alison ist ganz die Karrierefrau, die mit dem Leben seriös umgeht und versucht, alles im gewissen Rahmen zu kontrollieren. Ben ist nun eigentlich das genaue Gegenteil von ihr. Er ist noch mitten in seiner Jugend und verbringt die Zeit lieber mit seinen Kumpels. Zwar planen sie schon längere Zeit, sich mit ihrer Webseite selbstständig zu machen, aber irgendwie scheint ihnen das Kiffen und Feiern wichtiger zu sein.

Man kann sich nun vorstellen, dass es nicht so glatt über die Bühne geht,wenn diese beiden total verschiedenen Figuren versuchen, eine Beziehung aufzubauen. Ärger ist vorprogrammiert und bald schon bauen sich die ersten Konflikte rund um das Paar auf. Doch Beim ersten Mal beschränkt sich keineswegs nur auf die beiden Hauptfiguren, sondern entwirft einen detaillierten Mikrokosmos aus skurrilen Figuren, die allesamt auf ihre Weise schräg sind, aber für den Zuseher auch immer sympathisch bleiben. Dabei erreicht der Film die für eine Komödie sehr lange Laufzeit von 129 Minuten, um sich auch genügend Zeit für alle Charaktere zu nehmen. Und genau dies ist auch ein Umstand, der wesentlich zum Erfolg des Films beiträgt.

Da alle Figuren im Film genügend Zeit bekommen um sich zu entfalten, hat man als Zuseher stets das Gefühl, dazuzugehören. Man ist mittendrin im Geschehen, und bald schon hat man das Gefühl, all diese Charaktere wirklich zu kennen. Die bis jetzt beschriebenen Faktoren legen den Grundstein zum Erfolg des Filmes, aber was das allerwichtigste für Beim ersten Mal ist, ist sein unbeschreiblich hoher Unterhaltungsfaktor, ohne den der Film ganz einfach nicht funktionieren könnte. Zwar ist es nicht so, dass jede Minute ein Gag mit Schenkelklopfergarantie rausgeworfen wird, aber zumindest das Grinsen vergeht dem Zuseher eigentlich nie. Und auch brutal komische Szenen gibt es zur Genüge.

Dabei ist es bemerkenswert, wie es Judd Apatow schafft, sowohl eine kleine Prise Fäkalhumor als auch unzählige derbe Sprüche einzubauen, und dennoch immer den richtigen Ton zu treffen. Genau das war nämlich das Problem von vielen Teeniekomödien. Sie setzten ihren derben Humor ohne jedes Gespür ein und bremsten so den Spaßfaktor. Judd Apatow und sein Team haben jedoch ein unglaublich feines Händchen und ihr Timing stimmt immer perfekt. Ähnlich wie ein Kevin Smith in Clerks 2 versteht er es sehr gut, derben Männerhumor mit liebenswerten Charakteren zu kombinieren und somit eine humoristische Atmosphäre zu kreieren, in der sich jeder wohl fühlt und kein Gag deplatziert wirkt.

Die Gagdichte ist dabei ziemlich hoch geraten. Aus dem Schmunzeln kommt man durch die vielen ausgezeichneten Einfälle eigentlich nie heraus, und auch für etliche Lachanfälle ist gesorgt. Judd Apatow hat sein Publikum die ganze Zeit über unter Kontrolle und schafft es, das Genre auf eine Weise auszureizen, wie man es eigentlich kaum mehr für möglich gehalten hat. Doch auch die zwischenmenschlichen Aspekte der Geschichte kommen nicht zu kurz, und die durchdachten Dialoge, gepaart mit den wunderbaren Figuren und mit viel Humor, ergeben einen ganz besonderen Film. Beim ersten Mal schafft es wunderbar, einen für alle versöhnlichen Weg zu gehen und wird sowohl Cineasten als auch reine Mainstreamkinogänger gleichsam begeistern.

Fazit:
Beim ersten Mal zeigt erneut mit welchem Talent Judd Apatow gesegnet ist. Er hat die Gabe die Menschen zum Lachen zu bringen und hier perfektioniert er seinen Stil bis ins Detail. Er hebt den typischen Nerd, prädestiniert als Sidekick, in die Rolle des Hauptdarstellers und schenkt ihm die Sympathien des Publikums. Gleichzeitig entwirft er einen unterhaltsamen Mikrokosmos an skurrilen Figuren und nimmt sich auch viel Zeit sie alle zu beleuchten. Man braucht hier nicht um den heissen Brei herumzureden: Beim ersten Mal hat eine sehr hohe Gagdichte, durchdachte Dialoge und wundervolle Figuren. Es ist DIE Feel-Good-Komödie des Sommers.

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 39
10 /10
0%
9 /10
8%
8 /10
23%
7 /10
23%
6 /10
18%
5 /10
10%
4 /10
8%
3 /10
8%
2 /10
0%
1 /10
3%
Vielleicht interessiert dich auch
Klick
Keinohrhasen
Shaun of the Dead
Voll auf die Nüsse
Nur 48 Stunden
Norbit
Und wieder 48 Stunden
Hände weg von Mississippi
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!