Das Bourne Ultimatum

OT: -  111 Minuten - Action / Thriller
Das Bourne Ultimatum
Kinostart: 07.09.2007
DVD-Start: 05.02.2015 - Blu-ray-Start: 05.02.2015
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Filmkritik zu Das Bourne Ultimatum

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2007 ist sicher das Jahr in der jüngeren Filmgeschichte, das mit der höchsten Dichte an Fortsetzungen an den Start geht. Besonders die dritten Teile sind groß in Mode. Fluch der Karibik 3, Shrek 3 und Spider-Man 3 hatten alle eines gemeinsam: Obwohl sie die erhofften Spaßmacher der Saison hätten werden sollen, sorgten sie im Kino vor allem für das große Gähnen. Als Zuseher ist es deshalb durchaus verständlich, wenn man mit etwas Skepsis in den nächsten dritten Teil des Jahres 2007 geht: Das Bourne Ultimatum. Doch der skeptische Zuseher wird von diesem Film einfach überrollt werden.

Und dies im wahrsten Sinne des Wortes! Denn Das Bourne Ultimatum kennt so etwas wie eine Einführung der Charaktere nicht. Es ist dem interessierten Leser sehr anzuraten, sich die beiden Vorgänger Die Bourne Identität und Die Bourne Verschwörung anzusehen, bevor man mit dem dritten Teil weitermacht. Denn obwohl man sicher auch Spaß am Film hat, wenn man die Story ignoriert und nur der Action frönt, der vollständige Genuss ergibt sich nur, wenn man zusieht, wie sich die ausgelegten Storyfäden zum perfekten Ende der Trilogie zusammenfügen. Doch Das Bourne Ultimatum ist nicht nur der würdige Abschluss der Trilogie, es ist auch der beste ebendieser und der knackigste und beste Action-Thriller seit geraumer Zeit.

Jason Bourne (Matt Damon) wird seine Vergangenheit als Killer für die CIA Einheit „Treadstone“ einfach nicht los. Nachdem er beinahe gestorben ist und sein Gedächtnis verloren hat und schließlich dabei gescheitert ist unterzutauchen, was seine Freundin Marie (Franka Potente) das Leben gekostet hat, spielt ihm sein Verstand nun erneut einen Streich. In stetigen Flashbacks erinnert er sich an Fragmente seiner Vergangenheit und will endlich den letzten Geheimnissen seiner Identität auf die Spur kommen. Er muss herausfinden, wie alles angefangen hat und warum er für das Killerkommando rekrutiert wurde.

Zuerst trifft er sich mit dem Journalisten Simon Ross (Paddy Considine), der in Lebensgefahr schwebt, da er über das "Threadstone"-Projekt recherchiert. Doch die CIA hat es immer noch auf Bourne abgesehen. Für den CIA-Abteilungsleiter Noah Vosen (David Strathairn) ist Bourne immer noch eine Bedrohung, die es mit allen Möglichkeiten der Technik auszuschalten gilt. Der Grund dafür ist, dass man bereits den Nachfolger für "Threadstone", „Blackbriar“ vorbereitet, wobei ein Medienrummel hervorgerufen durch Bourne selbstverständlich hinderlich wäre. Dieser bekommt jedoch unerwartete Hilfe aus den Reihen der CIA. Seine alte Bekannte Nicky Parsons (Julia Stiles) schlägt sich auf seine Seite, doch überraschenderweise bekommt er auch Schützenhilfe von seiner ehemaligen Jägerin Pamela Landy (Joan Allen). Ein verwinkeltes Katz-und-Maus-Spiel durch ganz Europa beginnt...

Nachdem Regisseur Doug Liman nach Die Bourne Identität Platz gemacht hatte für den Ausnahmeregisseur Paul Greengrass, nutzt dieser nach seiner Oscarnominierung für Flug 93,die Gelegenheit erneut, um auch Das Bourne Ultimatum zu inszuenieren. Und was er hier von seinem Können preisgibt, ist schlicht atemberaubend. Er kann auf ein fertiges Exposé zurückgreifen, dem Zuseher sind die Figuren bekannt und so muss man auch keine Zeit mehr aufbringen, um diese einzuführen. Deshalb nutzt Greengrass diese Ausgangslage auch gekonnt aus, um von Anfang an mit unglaublichen Tempo loszulegen.

Ohne große Umschweife wird das Publikum in eine Verfolgungsjagd in Moskau geworfen. Jason Bourne flieht vor der Polizei und der Zuseher ist mittendrin. Doch dieses kleine Scharmützel soll nur die Vorbereitung auf den ersten großen Höhepunkt des Films werden, der bereits nach knappen 10 Minuten beginnt und ungefähr 15 Minuten andauert. In der Londoner Waterloo Station sollen sich Bourne und der gefährdete Journalist Simon Ross treffen. Doch da sie von der CIA verfolgt werden, muss Bourne äußerst kreativ vorgehen, um sein Ziel zu erreichen.

Das besondere hierbei, wie auch beim gesamten restlichen Film (vielleicht mit kleinen Ausnahmen), ist sein hoher Realismusgrad. Die CIA setzt erschreckend ihre Beobachtungsmöglichkeiten ein, in dem sie jedes Handy und jede Kamera dazu nutzt, um zu spionieren, und Jason Bourne muss dies durch versteckte Ausschaltungen der CIA-Agenten und durch Kreativität und Instinkt kompensieren. Die hier gezeigten Spionageszenen sind nicht etwa weltfremd, sondern erschreckend realistisch. Dies überträgt sich auch nahtlos auf den dreckigen und harten Kampfstil von Bourne, der nichts mit Martial-Arts Effektharscherei zu tun hat, sondern nur zur zweckmäßigen Eliminierung diehnt.

Doch all diese Komponenten werden erst richtig herausragend durch die Art, wie sie von Paul Greengrass gemischt werden. Seine Inszenierung ist ein Garant für Herzklopfen und einen Adrenalinrausch der besonderen Art. Er bleibt seinem Stil mit der wackligen Handkamera treu, was zwar manche sicher nicht mögen werden, denn Geschmäcker sind nun mal verschieden, aber was vor allem dafür sorgt, dass Das Bourne Ultimatum noch zusätzlich an Rasanz gewinnt. Als Zuseher ist man immer voll im Geschehen und kommt durch die unruhige Inszenierung nie zur Ruhe. Hinzu kommt ein Score, der den Film förmlich voranpeitscht, und so senkt sich der Adrenalinspiegel in den knapp 110 Minuten Laufzeit nie wirklich maßgeblich.

Und gerade das ist auch das Beste und Herausragendste an Das Bourne Ultimatum. Durch die sehr hektische Inszenierung (im positiven Sinn) und das unglaublich angezogene Tempo kehrt in keiner Sekunde wirklich Ruhe ein. Ich habe zwar schon sehr viel gesehen, aber ein Thriller, der von der ersten Minuten weg bis zum Abspann eine so angezogene Spannungsschraube mit dieser pulsierenden Geschwindigkeit vorlegt, ist mir noch nicht untergekommen. Selbst die an sich ruhigeren Stellen, von denen es sehr wenige gibt, bremsen die Geschwindigkeit nicht. Obwohl man sich als Zuseher doch dabei ertappt, dass man die nächste Verfolgungsjagd herbeisehnt.

Im übrigen sind die meisten Actionsequenzen diverse Jagden, gespickt mit kurzen, aber heftigen Kampfeinlagen. Dabei zieht man beinahe das ganze Register, das man bei solchen Sequenzen zur Verfügung hat. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Die Hetzjagd in der Waterloo Station ist eher taktischer Natur und findet nur zu Fuß statt, während in anderen Szenen eher hektischere Jagden eingebaut werden und Bourne auch mal auf Fahrzeuge ausweichen muss. Diese Actioneinlagen haben allerdings alle eines gemeinsam: Sie alle sind unverschämt gut inszeniert und sorgen für einen beängstigend hohen Adrenalinpegel.

Die meiner Meinung nach deutlich beste dieser Actionszenen ist die Verfolgungsjagd in Tangier. Nachdem sich Bourne an einen Attentäter klemmt und diesen mit dem Moped verfolgt, sprengt dieser sein Ziel auf eine Art in die Luft, mit der auch Bourne nicht gerechnet hätte. Was Bourne nun auch nicht weiß, ist, dass der Attentäter auch auf Bourne und Niki angesetzt ist. Da er denkt, Bourne wäre bei der Explosion gestorben, klemmt er sich hinter Niki. Nun sieht die Ausgangslage folgendermaßen aus: Niki wird vom Attentäter verfolgt, welcher wiederum von Bourne verfolgt wird, welcher die Polizisten im Nacken hat.

Nun geht es auf atemberaubende Weise über die Dächer von Tangier. Bourne springt von Dach zu Dach, springt auf den Millimeter genau in Fenster und arbeitet sich unermüdlich zum Attentäter vor, der Niki bedrohlich näher kommt. Der Score peitscht uns nach vorne, die Handkamera bringt uns mitten ins Geschehen und wir sind mit Bourne auf der Jagd. Dann plötzlich treffen Jäger und Gejagte in einem Haus zusammen. Der Score setzt aus und auf brutale und kompromisslose Weise kämpfen Bourne und der Attentäter gegeneinander. Das einzige, was man zu hören bekommt, sind die dumpfen Schläge der Gegenspieler, die sich absolut nichts schenken.

Diese Szene ist maßgeblich für den ganzen Film. Das Bourne Ultimatum ist eine adrenalingetränkte Achterbahnfahrt der besonderen Art. Denn die Aufwährtsfahrt ist bereits mit den vorigen Filmen abgeschlossen. Nun stürzt die Achterbahn nur mehr mit tosender Geschwindigkeit bergab und der Zuseher wird von Das Bourne Ultimatum mitgerissen. Ein weiterer Grund, warum der Film gelungen ist, sind seine Darsteller, die wirklich Bemerkenswertes vollbringen. Zwar bin ich kein Fan von Matt Damon, aber als Jason Bourne vollbringt er eine psychische und physische Glanzleistung. Doch auch die vielen Nebendarsteller können mitreißen, und besonders David Strathairn (der diesmal das genaue Gegenteil seiner Rolle in Good Night, and Good Luck spielt) bleibt in Erinnerung. Bleibt abschließend nur zu hoffen, dass sich Matt Damon an seine Aussage hält, keinen weiteren Bourne mehr drehen zu wollen. Denn Das Bourne Ultimatum ist in jeder Hinsicht ein perfekter Abschluss. Nicht nur, dass es schwer fallen würde, dieses Werk zu toppen, vor allem ist das Ende unverschämt gut gelungen und liefert den Punkt, an dem man aufhören sollte.

Fazit:
Das Bourne Ultimatum hat alles was, ein Action-Thriller braucht. Von Anfang an ist das Tempo unglaublich hoch und die Spannungsschraube sehr stark angezogen. Durch die Handkamera ist der Zuseher immer mitten im Geschehen und durch den peitschenden Score wird der Adrenalinpegel zusätzlich in die Höhe katapultiert. Die Actionszenen sind über jeden Zweifel erhaben und Das Bourne Ultimatum wird so nicht nur zum besten Teil der Reihe, sondern zum besten Action-Thriller seit geraumer Zeit. Auch die Storyfäden werden zufriedenstellend zusammengeführt und nachdem Das Bourne Ultimatum in jeder Hinsicht die Reihe gelungen zu Ende führt bleibt zu hoffen, dass man keinen weiteren Teil mehr folgen lässt. Als einziger Negativpunkt bleiben einige kleine Logiklöcher, die jedoch vom unglaublichen Tempo des Films geschickt kaschiert werden.

Wertung:
9/10 Punkte

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