Ein fliehendes Pferd

OT: -  92 Minuten -  Komödie
Ein fliehendes Pferd
Kinostart: 21.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Ein fliehendes Pferd

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Ein fliehendes Pferd, die Adaption des gleichnamigen Romans von Martin Walser, stellte alle Beteiligten sicher vor eine große Herausforderung: Für Regisseur Rainer Kaufmann und seine Drehbuchautoren war es sicher spannend, den viel gerühmten Roman in ein filmisches Werk umzusetzen, und auch die Darsteller hatten ihr Päckchen zu tragen und müssen im Film an vielen Stellen ohne große Worte verständlich machen, wie sich ihr Leben durch die gegenseitige Wechselwirkung der Figuren, zu verändern beginnt. Und obwohl sich die Darsteller redlich bemühen, kann Ein fliehendes Pferd nicht so recht begeistern. Der Grund ist die Geschichte selbst, die auf der einen Seite versucht, eine Komödie zu sein, aber gleichzeitig auch sehr viele melancholische Momente einbaut. So stürzt der Film zwischen zwei Stühle, ohne auf irgendeinem Gebiet wirklich zu überzeugen.

Lehrer Helmut Halm (Ulrich Noethen) und seine Frau Sabine (Katja Riemann) verbringen die Ferien, wie jedes Jahr, am Bodensee. Dort "genießen" sie den alltäglichen Trott, lesen und Helmut steht früh morgens auf, um Vögel zu beobachten. Doch die Ruhe neigt sich dem Ende zu, als man während eines Besuchs im Strandbad den Jugendfreund von Helmut Klaus Buch (Ulrich Tukur) trifft, der gemeinsam mit seiner jungen, bildhübschen Freundin Helene (Petra Schmidt-Schaller) ebenfalls Urlaub macht. Nun hängen sich die beiden an die Fersen von Helmut und Sabine.

Doch während Sabine sichtlich Gefallen an dem aufgeschlossenen Paar findet, wirkt Helmut von Tag zu Tag genervter. Klaus ist nämlich ein Aufschneider wie er im Buche steht und nutzt jede sich bietende Gelegenheit, um seinen alten Schulkollegen bloß zu stellen. Im Kontrast zu den eher spießigen Ehepaar Halm sind Klaus und Helene sehr aufgeschlossen, und so kommt es zu peinlichen Aufeinandertreffen, als man zum Beispiel den gemeinsamen Bootsausflug zum Nacktbaden nutzt. Es wirkt auch so, als würde sich Helene etwas an Helmut ranmachen und auch Klaus scheint ein Auge auf die Frau seines Freundes geworfen zu haben...

Ein fliehendes Pferd lebt voll und ganz durch die völlig gegensätzlichen Charakterzüge seiner Protagonisten. Auf der einen Seite steht das Ehepaar Halm. Sie sind in ihrer Beziehung eingefahren, alles plätschert vor sich hin und vor allem hat sich große Langeweile in ihrem Leben ausgebreitet. Besonders Helmut ist ein nicht zu verbessernder Melancholiker und zieht seine Frau damit runter. Ihnen gegenüber steht das dynamische, verliebte Paar, welches sein Leben hingebungsvoll genießt und auch nicht vor sexuellen Andeutungen zurückscheut, was die spießigen Halms sehr durcheinander bringt.

Nun beginnen diese Charaktere, eine Wechselwirkung aufeinander auszuüben. Klaus und Helene bringen frischen Wind in das angestaubte Leben des Ehepaars Halm, doch Helmut gefällt das ganz und gar nicht. Er will weitermachen wie bisher und wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die beiden Eindringlinge, doch das Problem ist, dass es seiner Frau gar nicht so schlecht gefällt, dass einmal was los ist. Auch beginnen sich langsam die ersten sexuellen Spannungen aufzubauen, die förmlich danach rufen sich zu entladen.

So nützt die junge Helene ihre Reize voll und ganz aus um Helmut den Kopf zu verdrehen. Doch auch Sabine wird verführt und fühlt sich durch die jugendliche Art von Klaus sichtlich angezogen. Dieses Kreuzverhältnis kann natürlich nicht lange gut gehen, und so bauen sich auch schnell die ersten Konflikte im Film auf. Helmut fühlt sich durch das forsche Auftreten von Klaus sichtlich provoziert, aber Sabine schlägt sich immer wieder auf die Seite von Klaus und Helene, wenn ihr Mann versucht, die beiden loszuwerden. In dieser Patt-Situation verharrend schaukeln sich die Emotionen immer weiter hoch.

Dabei ist es dem Film jedoch nicht gelungen, diese Ausgangslage vernünftig zu nutzen. Zwar trifft man an manchen Stellen den richtigen Ton, wenn es darum geht, zu portraitieren, wie das alte Ehepaar aus seiner Lethargie gerissen werden soll, jedoch stellt sich leider auch über weite Strecken ein gewisser Leerlauf ein. Besonders als Komödie ist Ein fliehendes Pferd als misslungen zu betrachten. Fast schon zwanghaft versucht man die melancholische Geschichte aufzulockern, in dem man immer wieder einige sehr flache Witze einbaut, die aber im Endeffekt den Film nur runterziehen.

Diese Witze beschränken sich meist auf höchst simple sexuelle Wortspielereien á la "Will jemand eine Latte?", oder "Du kennst dich gut mit Vögeln aus!". Über solche Witze können wohl nur mehr Volksschüler lachen, denn erstens sind Sprüche dieser Gangart schon sehr abgenutzt und zweitens waren sie schon nicht gut, als sie noch neu waren. Hätte man sich diese aufgesetzten Späßchen gespart, wäre auf jeden Fall ein besserer Film rausgekommen. Ein weiterer katastrophaler Negativpunkt ist Ulrich Tukur, der dem Zuseher in seiner Rolle als Klaus leider fürchterlich auf die Nerven geht.

Es ist schon klar, dass es nicht am Schauspieler selbst, sondern an seiner Rolle liegt, aber diese Figur ist wirklich hassenswert und auf der Leinwand kaum zu ertragen. Schade nur, dass er dafür ausreichend Screen-Time bekommt. Die restlichen Darsteller erfüllen ihre Aufgaben soweit zufriedenstellend. Newcomer Petra Schmidt-Schaller als kleine Femme Fatale muss hauptsächlich gut aussehen und ihre erotische Ausstrahlung präsentieren und erfüllt diesen Zweck auch zufriedenstellend. Die wirklich guten Leistungen finden sich allerdings beim Ehepaar Halm.

Katja Riemann spielt mit viel Feingefühle die Ehefrau, die sich aus ihrer Leichenstarre zu lösen beginnt und wieder ein Leben einfordert. Sie beherrscht ihre Figur in allen Lagen und hinterlässt einen positiven Gesamteindruck. Übertroffen wird sie allerdings von Ulrich Noethen, der in seiner Darbietung etwas an Paul Giamatti in Sideways erinnert. Er hat deutlich die schwierigste Figur und muss versuchen, seinen spießbürgerlichen Helmut verständnisvoll und mit viel innerem Ballast zu spielen. Dieses Unterfangen ist auch geglückt, und an vielen Stellen ist es sehr berührend, wie Helmut in einer Welt steht, die um ihn zusammenbricht.

Doch was nützt das alles, wenn dem Film der Drive fehlt? So richtig Schwung nimmt Ein fliehendes Pferd nie auf und er schafft es auch nicht, sich jemals über das Prädikat "durchschnittlich" hinaus zu bewegen. Der Humor wirkt aufgesetzt, seicht und zerstörerisch für die berührenden Momente des Films. Schade eigentlich, denn die Story hätte durchaus Potential. Denn obwohl es keine einzige Figur gibt, die man als so richtig sympathisch bezeichnen könnte und mit der man als Zuseher mitfiebern würde, schafft es Ein fliehendes Pferd doch, an vielen Stellen zu berühren.

Fazit:
Ein fliehendes Pferd ist ein Film der verschenkten Möglichkeiten. Zwar blitzt an einigen Stellen viel Charme hindurch, doch als Zuseher wird man durch die unsagbar nervtötende Performance von Ulrich Tukur, welche hauptsächlich an seiner Rolle liegt, und durch seichte Witze geblendet. Der Gesamteindruck kann sich somit nicht wirklich über den Durchschnitt heben, auch wenn es einige durchaus gelungene Momente im Film gibt.

Wertung:
5/10 Punkte

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