![]() ![]() Shame OT: Shame Regie: Steve McQueen Drehbuch: Steve McQueen, Abi Morgan Darsteller: Michael Fassbender, Carey Mulligan, James Badge Dale, Nicole Beharie, Hannah Ware, Amy Hargreaves, Elizabeth Masucci, Lucy Walters, Anna Rose Hopkins, Jake Richard Siciliano Filmstart: 09.03.2012 | Laufzeit: | Drama |
Brandon Sullivan (Michael Fassbender) lebt ein auf den ersten Blick makelloses Leben: guter Job, tolle Wohnung, blendendes Aussehen und unzählige Angebote verschiedenster Frauen. Hinter der traumhaften Fassade, verbirgt sich jedoch eine kranke Psyche. Brandon ist süchtig nach Sex. Vor der Arbeit in der Dusche, in der Arbeit auf der Toilette, zuhause vor dem PC – wenn er nicht masturbiert, treibt er es mit Bar- Bekanntschaften in einer dunklen Gasse, oder mit einer Prostituierten in der eigenen Wohnung, oder gleichzeitig mit mehreren Prostituierten in einem Hotelzimmer. Die Sucht belastet ihn sichtlich, vor allem aber deren Geheimhaltung. Als seine psychisch vollkommen labile Schwester Sissy (Carey Mulligan) auftaucht und vorübergehend bei ihm einzieht, sieht sich Brandon in seiner heimlichen, perversen Welt gestört. Mit Sissy ist die Erinnerung an ein vergangenes Leben mit eingezogen, die er eigentlich für immer vergessen wollte...
McQueen und nicht zuletzt Fassbender schaffen mittels nahezu perfekter Inszenierung und mitreißendem Schauspiel, aus einem sexbesessenen Perversen einen nach Hilfe schreienden, armen Menschen zu machen, der sichtlich versucht etwas zu verdrängen, etwas zu kompensieren oder etwas zu ertragen. Als die kleine, hilfose, psychisch nicht weniger gestörte Schwester einzieht, scheint die Mauer aus purem Sex aufzubrechen. Spätestens als Mulligan eine wunderschöne Version von New York, New York vorträgt, erkennt der Zuschauer in Brandons Gesicht die Trauer und den Selbsthass, sowie den eindeutigen Beweis, dass auch er Emotionen zeigen kann.
Durch die immer wiederkehrenden Szenen, die sich nur durch unterschiedliche Settings unterscheiden, verliert Shame leider spätestens in der Mitte des Films an Spannung und somit auch an Eindringlichkeit, was auch nicht von Fassbender’s ausgezeichnetem Method Acting und Mulligans hinreißenden Versuchen ihrem Bruder (emotional) näher zu kommen, wieder gut gemacht werden kann. Wo kommen die beiden her? Warum sind beide psychisch dermaßen beschädigt? Was hat es zu bedeuten, wenn Sissy ihrem Bruder auf die Mailbox spricht „We’re not bad people, we just come from a bad place”? Genauso wie in Brandon immer wieder der Drang aufkommt Sex zu haben, will das Publikum tiefer in dessen Vorgeschichte eindringen, will verstehen und findet sich jedoch immer wieder nur vor einer riesigen Wand stehen aus vielen Vermutungen, noch mehr Fragen aber keinen Antworten. Leider ist gerade diese Entscheidung der Charakterdarstellung der Grund, warum der Film weniger bedeutend wirkt, als er es eigentlich sollte.
Fazit:
Shame ist in erster Linie herausragend, weil es sich einem Thema widmet, das bislang gänzlich totgeschwiegen wurde. McQueen gelingt mittels künstlerischer und sensibler Regiearbeit ein Tabubruch und eine Emotionsentwicklung beim Zuschauer, die beispiellos ist. Leider kann Shame dieses Niveau aufgrund eines sich immer wiederholenden Schemas nicht halten und wirkt somit frustrierend auf das mitfühlende Publikum, das beide Hauptdarsteller langsam aber sicher in den Abgrund laufen sieht, ohne dabei jemals zu erfahren, was diese zu so verzweifelten Existenzen gemacht hat. Nichts desto trotz absolut empfehlenswert, vor allem wegen der herausragenden Schauspielleistung der beiden Hauptdarsteller.
Wertung:
7/10 Punkte

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