Alpen - Alpis (2011)

OT: Alps, Alpis, Alpeis - 93 Minuten - Drama
Alpen - Alpis (2011)
Kinostart: 27.04.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Alpen - Alpis

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Wenn von Giorgos Lanthimos die Rede ist, kommt man an dem Film Dogtooth nicht vorbei. Mit dem grotesken Familiendrama schuf der Grieche nicht nur einen Achtungserfolg, der in Hollywood für den Oscar nominiert und in Cannes ausgezeichnet wurde, sondern gab dem griechischen Film neue Hoffnung. Das krisengebeutelte Land scheint im Gegensatz zu seiner wirtschaftlichen Lage seinen künstlerischen Zustand durchaus zu verbessern. Nun legt der Regisseur mit Alpis einen Nachfolger vor, der in seiner befremdlichen Inszenierung seinem Vorgänger in Nichts nachsteht.

Eine Krankenschwester, ein Sanitäter, eine Turnerin und ihr Trainer haben ein ungewöhnliches wie makabres Geschäftsmodell entwickelt. Menschen, die vor kurzem einen geliebten Menschen verloren haben, können sich an die Gruppe mit ihrer außergewöhnlichen Dienstleistung wenden. Die Gruppe nennt sich "die Alpen", jeder von ihnen ist nach einem Berg der Alpen benannt. Die Gruppenmitglieder können von Kunden gebucht und als Ersatz für den Verstorbenen eingesetzt werden, um ihre Trauerarbeit zu erleichtern. Dabei gibt es ganz bestimmte Regeln, an die sich jeder von den Mitgliedern halten muss. Beispielsweise ist ihnen der Aufbau einer emotionalen Verbindung oder körperliche Intimität zu ihren Kunden strikt verboten. Doch nicht alle Mitglieder befolgen die Vorschriften...

Ganz unmaßgeblich erzählt der Regisseur die Geschichte der seltsamen Truppe. Wie diese entstanden ist oder woher sich die Charaktere kennen interessiert ihn dabei nicht. Vielmehr gilt sein Interesse den Figuren und ihrer unglücklichen Lage, wobei am Anfang nicht eindeutig ist wem nun das Hauptinteresse gelten soll. Alle scheinen mit ihrem mysteriösen Verhalten und den undurchsichtigen Hintergründen die volle Aufmerksamkeit verdient zu haben. Erst nach einiger Spielzeit wird klar, dass die apathisch wirkende Monte Rosa der Ankerpunkt der merkwürdigen Charaktere ist, fällt es ihr doch zunehmend schwerer, sich von ihren Rollen zu distanzieren. Und in genau diesem Spannungsfeld liegt das größte Konfliktpotential, das durch den psychopathischen Anführer der Gruppe, Mont Blanc (er nennt sich so, weil es der höchste Gipfel der Alpen ist), der die Gruppe um jeden Preis schützen will und die Solo-Ambitionen der Krankenschwester nicht duldet, verschärft wird und eine zusätzliche Dynamik bekommt.

Alle Darsteller wissen zu überzeugen, die abhängige Turnerin wie der patriarchalische Trainer ebenso wie die verzweifelte Krankenschwester. Eingebettet werden die hervorragenden Darsteller und die vielversprechende Geschichte in einer staubtrockenen, rigiden Inszenierung. Gesichter werden vom Bildausschnitt abgeschnitten, Dialoge aus einem ungewöhnlich spitzen Winkel und oftmals mit nur einer Gesichtshälfte des Gesprächspartners gedreht. Zu erwähnen wäre auch noch eine Slow-Motion Szene, deren vermeintlich fehlende Sinnhaftigkeit einen störenden Einschnitt in die Wahrnehmung des Zusehers markiert. Dabei wird man zu einem permanenten Hinterfragen der inszenatorischen Mittel gezwungen, die eine Anteilnahme am Film und der Geschichte erschweren. Der beinharte formale Stil wird immer wieder von kurzen Gewaltausbrüchen und komischen Momenten dekoriert, die das Geschehen auflockern, aber nicht wirklich von Dauer sind.

Fazit:
Das Psychodrama Alpis zeichnet sich vor allem durch eine originelle Prämisse, eine überaus interessante Figurenkonstellation und durch die herrlich verschrobenen Dialoge aus. Schade, dass die unkonventionelle und sperrige Inszenierung einem erfrischenden Filmerlebnis den Garaus macht. Dem Zuschauer wird aufgrund von fragwürdigen Handlungsmotiven eine emotionale Partizipation schwer gemacht. Das macht den Film nicht unbedingt angenehm oder bequem, die Wahrnehmung für inszenatorische Konventionen und den griechischen Film wird durch das verstörende Drama auf jeden Fall geschärft.

Wertung:
6/10 Punkte
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Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
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