Wuthering Heights (2011)

OT: Wuthering Heights - 129 Minuten - Drama / Romanze
Wuthering Heights (2011)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 14.02.2013 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Wuthering Heights

„Mir hat die Idee hinter Adaptionen nie gefallen. Bücher verwenden eine andere Sprache und sind oft schon vollkommen wie sie sind, so dass ich mich wirklich selbst überraschte, als ich mich an eine Adaption heran wagte. Und dann auch noch mit diesem Buch. Es ist düster, feministisch, sozialistisch, sadomasochistisch, freudianisch, brutal und instinktiv. Dies alles in einem Film zu verschmelzen ist eine tollkühne Aufgabe. Kein Versuch wird dem Buch je gerecht werden. Aber ich hatte keine andere Wahl. Ich wurde die Idee nicht mehr los.“, meinte die Filmemacherin Andrea Arnold (Fish Tank, 2009) über die Vorlage ihres Films Wuthering Heigts. Es handelt sich um einen Klassiker der englischen Literatur. Genauso wie Charlotte Brontës Jane Eyre wurde Wuthering Heigts (dt. Sturmhöhe) bereits vielfach verfilmt. Doch der Regisseur Cary Fukunaga bewies im vergangenen Jahr, dass eine weitere  Neuinterpretation die vorherigen Verfilmungen übertreffen kann. Andrea Arnold wagte sich somit trotz Bedenken an Wuthering Heights, den einzigen Roman von Emily Brontë, heran und adaptierte das Buch zusammen mit Olivia Hetreed. Entstanden ist eine durchschnittliche Literaturverfilmung, die nur für Anhänger der gefährlichen Liebesgeschichte zwischen Heathcliffe und Cathy interessant sein könnte.

Der Bauernhof der Familie Earnshaw befindet sich im Hochmoor von Yorkshire, Großbritannien. Dort bringt der Vater (Paul Hilton) der Familie das sechsjährige Kind Heathcliff (Solomon Glave) hin, nachdem er es in den Straßen Liverpools gefunden hat. Das afroamerikanische Kind wird nicht von allen Familienmitgliedern gut aufgenommen. Die Hausangestellte Nelly (Simone Jackson) lehnt den Jungen zu Beginn ab, wird danach jedoch zu seinem Mutterersatz. Catherine (Shannon Beer), die Tochter, baut von Anfang an eine zärtliche Beziehung zu dem Jungen auf, nur Hindley (Lee Shaw), der Sohn der Familie, verurteilt Heathcliff stets und scheut nicht davor zurück das Kind aufgrund seiner Hautfarbe zu verprügeln und zu beleidigen. Jahre später, nachdem der Vater des Hauses gestorben ist, übernimmt Hidley das Sagen, sodass für Heathcliff eine Höllenfahrt beginnt…

Das Thema Rassismus gegenüber Afroamerikanern wurde bereits vielfach verfilmt, sodass Filmliebhaber nicht gerade erfreut über diese Verfilmung sein werden. Zudem ist die Thematik nicht mehr aktuell. Demzufolge kann fast ausschließlich nur noch in den USA das Publikum damit angelockt werden. Doch trotzdem gelingt es manchen Filmemachern dieses Thema immer noch zeitgemäß und frisch zu präsentieren. Ein Beispiel dafür ist Tate Taylors Verfilmung von The Help. Möchte man also als Regisseur erneut dieses veraltete Thema auf die Leinwände bringen, so muss eine neue Herangehensweise parat stehen, die das Interesse des Zuschauers weckt. Genau dies ist Andrea Arnold nicht gelungen, sodass die erste Hälfte ihrer Literaturverfilmung, die den Fokus auf die Diskriminierung Heathcliffs legt, schlicht und einfach mühselig und langweilig ist. Arnold lässt den Hauptcharakter in einem langsamen Erzähltempo die rassistischen Klischees auf einer brutalen Art und Weise durchleben, sodass der Zuseher zwar angesprochen wird, allerdings im Sumpf der nebenbei gezeigten Natur- und Tieraufnahmen mit den immer wieder kehrenden Rückblenden kämpfen muss, um nicht unter zu gehen und demnach einzuschlafen.

Die Bildaufnahmen sind zwar schön anzusehen und versetzen das Publikum in die damalige Zeit, der Kameramann Robbie Ryan gewann 2011 beim Filmfest in Venedig die Goldene Osella für seine Arbeit, trotzdem werden sie übertrieben oft und an jeder fast erdachten Stelle angewendet. Nicht hilfreich für die Unterhaltung des Zuschauers ist auch das völlige Fehlen der Hintergrundsmusik. Daraufhin muss man mit den Hintergrundgeräuschen auskommen. Umso mehr fallen dann zwei Gesangseinlagen der Charaktere ins Auge bzw. Ohr des Betrachters. Letztendlich weckt die gefühlvoll erzählte Liebesgeschichte die Neugier des Zuschauers. Mit viel Feingefühl führt uns die Filmemacherin die beiden Charaktere Cathy und Heathcliff vor und deutet im ersten Teil der Literaturverfilmung eine unschuldige und zärtliche Liebe zwischen zwei Kindern an, die in der zweiten Hälfte des Films ihren dramatischen Höhepunkt findet. Erwähnenswert ist zudem die schauspielerische Leistung von Solomon Glave und James Howson, spielen den jungen bzw. älteren Heathcliff, als auch die Performance von Shannon Beer und Kaya Scodelario, stellen die jüngere beziehungsweise ältere Cathy dar.

Im zweiten Teil des Films sind einige Jahre vergangen und die Figuren demnach erwachsen geworden. Die Verhältnisse haben sich verändert und der Rassismus steht nun nicht mehr im Mittelpunkt. Mit einer interessanten Liebesgeschichte werden nun alle belohnt, die den mühevollen Weg gegangen sind. Nichtsdestotrotz warten weiterhin Rückblenden und Naturaufnahmen auf den Betrachter, die den Genuss der zweiten Filmhälfte erneut erschweren. Hilfreich sind dafür die neuen Charaktere, die eingeführt werden und zum Fortgang der Handlung beitragen. Schließlich hat man als Zuseher das Gefühl, dass sich die Regisseurin Andrea Arnold einfach zu viel vorgenommen hat. Anstatt das Hauptaugenmerk auf die Lovestory zu legen, versucht sie der kompletten Buchvorlage gerecht zu werden und verirrt sich somit in einem Labyrinth, das für das Publikum mühsam zu durchqueren ist.

Fazit:
Andrea Arnold gelingt es nicht ihre Buchvorlage Wuthering Heights zeitgemäß und frisch zu präsentieren. Stattdessen wartet ein obsoletes Thema auf den Betrachter, das mithilfe von Klischees, Naturaufnahmen und Rückblenden ein mühseliges und langatmiges Gefühl erzeugt. Die tragische Liebesgeschichte kann im Endeffekt doch noch überzeugen, sodass dieser Film ins Durchschnitts-Regal neben den zahlreichen anderen mittelmäßigen Literaturverfilmungen angereiht werden kann. Einen Blick können Anhänger des Buchs trotzdem riskieren. Neulinge sollten stattdessen einen großen Bogen um diese Neuinterpretation machen.  

Wertung:
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