Killer Joe (2011)

OT: Killer Joe - 103 Minuten - Komödie / Drama
Killer Joe (2011)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 02.11.2012 - Blu-ray-Start: 02.11.2012
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Filmkritik zu Killer Joe

Gewalt im Kino ist ein kontroverses Thema, sorgt jedoch häufig für Unterhaltung, egal ob in übertriebener Form (The Midnight Meat Train, 2008; Braindead, 1992), in ästhetischer Gestalt (Drive, 2011 von Nicolas Winding Refn) oder mit schwarzem Humor wie im Film Killer Joe, der im Filmfest Venedig 2011 uraufgeführt wurde und bald im Filmfest München seine Deutschlandpremiere feiern wird. William Friedkin, der Regisseur von Killer Joe, erlebte in den 70er Jahren seine Blütezeit mit den Filmen Brennpunkt Brooklyn (1971) und Der Exorzist (1973). Der 76 Jährige zählt heute zusammen mit Roman Polanski zum alten Eisen seines Fachs. Doch im Gegensatz zu Polanski wird er seit Jahren von den Kritikern immer häufiger in die Durchschnittsschublade gesteckt. Zuletzt landete sein Film Bug (2006), der genauso wie Killer Joe auf ein Theaterstück basiert, in dieses Fach. Bereits damals konnte sich der Filmemacher nicht von einer Theaterinszenierung lösen und wurde deshalb grob kritisiert. Zwar fallen in seinem neuesten Werk die Ablösung von einer Theaterinszenierung und die Hinwendung zum Film auf, jedoch bringt Friedkin weiterhin einige Probleme in den Film.

 

Chris (Emile Hirsch) steht mitten in der Nacht vor der Tür seines Vaters Ansel (Thomas Haden Church). Nach einem Konflikt mit seiner Stiefmutter Sharla (Gina Gershon) begibt sich Chris mit Ansel wieder vor die Tür, um mit ihm etwas unter vier Augen zu besprechen. Er möchte seine alkoholsüchtige Mutter ermorden lassen, um an ihre Lebensversicherung heranzukommen. Chris hat Schulden bei einem Drogendealer und hofft mit dem Geld auch seinen Vater und seiner Schwester Dottie (Juno Temple) aus dem Elend zu helfen. Einen Killer hat er bereits ins Visier genommen. Es handelt sich um den Cop Joe Cooper (Matthew McConaughey), der auch als Killer Joe tätig ist. Doch es besteht ein Problem. Killer Joe soll seine Bezahlung erst nach dem Mord erhalten und dies verstößt gegen seine Regeln. Deshalb verlangt er vom Vater und Sohn, sich mit der verstörten Tochter/Schwester Dottie vergnügen zu dürfen. Chris und Ansel haben keine andere Wahl und erlauben ihm den Spaß…

 

Ein Cop als kaltblütiger Killer? Ein Sohn, der seine Mutter töten lassen möchte, um seine Drogenschulden auszugleichen? Ein Vater, der seine Tochter an einen Killer verkauft? Zählen hier keine menschlichen Werte? Kann es noch ekelhafter werden? Sind sie denn alle korrupt? Diese Fragen wirft das Drama auf und beantwortet sie mit viel schwarzem Humor. Denn William Friedkin erkennt die Schwächen des Drehbuchs und verwendet eine bissige Komik, um sein Themenfeld leichter an das Publikum zu bringen. Die zynischen Kommentare, sowie die Gefühle und Ängste der Charaktere machen sie sympathisch. Ansel bleibt trotz seines kalten und ignoranten Benehmens und dank seiner Dämlichkeit stets beliebt beim Zuschauer. Chris, gespielt von Emile Hirsch, der in Sean Penns Into the Wild die Massen überzeugte und hier eine gute Performance hinlegt, wird von seinem Gewissen heimgesucht und gewinnt dadurch Pluspunkte beim Rezipienten. Ähnlich funktioniert dies bei der verstörten Dottie, sowie bei der Stiefmutter Sharla. Der undurchsichtigste Charakter bleibt bis zum Ende Killer Joe.

 

Die schwierige Aufgabe den Bad Boy zu porträtieren hat Sunnyboy Matthew McConaughey erhalten, der bisher als Frauenheld und Charmeur in unter anderem Der Womanizer – Die Nacht der Ex-Freundinnen (2009) und Das schnelle Geld (2005) zu sehen war. Einerseits funktioniert seine Charakter-Darstellung in den Szenen mit Juno Temple, sodass ihre Chemie sogar in der hinführenden Erotikszene einwandfrei wirkt. Andererseits gelingt es ihm nicht die Kaltblütigkeit des Killers zu veranschaulichen. Dottie meint zwei Mal in seiner Anwesenheit: „Your eyes hurt. “, doch eine Gefahr sucht man in seinem Blick vergeblich. Demzufolge verlieren manche Szenen etwas an Atmosphäre. Diesen Mangel an Bedrohung gleicht William Friedkin mit dem Einsatz von Körperlichkeit aus. Schlagende Fäuste, blutige Gesichter, gebrochene Nasen, viel nackte Haut und sexuelle Andeutungen in Verbindung mit dem bereits erwähnten schwarzen Humor führen zu prächtiger Unterhaltung. Der Regisseur treibt diese Mischung vor allem in der Endszene in die Höhe.

 

Neben der kurzweiligen Unterhaltung und einem zwiespältigen McConaughey macht sich die Theatervorlage bemerkbar, die von Tracy Letts adaptiert wurde. Friedkin hat zwar seine Darsteller im Griff und wechselt öfter zwischen den Handlungsorten, allerdings ist es bis zum Ende unklar wer denn nun der Protagonist ist. Dies ist vor allem störend, da bis zum Abspann nicht klar ist auf welchen Charakter man sich konzentrieren soll. Die Charaktere Ansel, Sharla, Dottie, Chris und Killer Joe werden mehr oder weniger facettenreich dargestellt. Anstatt eines Protagonisten steht in Killer Joe ein Ensemble im Mittelpunkt, wie es im Theater üblich ist. Leider funktioniert dies nicht voll und ganz im Film. Im Theater ist es möglich alle Darsteller im kompletten Verlauf des Stücks auf der Bühne zu beschäftigen ohne Störfälle zu erzeugen. Im Film ist dies kaum möglich. Als erfolgreiche Theateradaption kann zum Beispiel Roman Polanskis Der Gott des Gemetzels angesehen werden. Dem Altmeister Polanski ist es dort gelungen ein vierköpfiges Ensemble in einem Schauplatz fast 90 Minuten lang bestens unterzubringen. Friedkins Lösungsvorschlag nach bestimmten Abständen zwischen den Charakteren zu wechseln geht jedoch nach hinten los, denn kaum hat man sich in den Charakter eingefühlt wechselt der Filmemacher zu einer anderen Figur.

 

Des Weiteren ist in Killer Joe nicht alles schlüssig. Die Frage woher Chris das Geld hat, um bei einem Rennen zu wetten oder um sich eine Waffe zu kaufen, bleibt ungeklärt. Zudem treten der Drogenboss und seine Schläger viel zu kurz im Film auf. Diese Szene wirkt am Ende überflüssig, da sie einen flachen Charakter präsentiert, der in der Filmwelt auch durch die Erzählungen von Chris hätte existieren können. Diese Mängel dürfen aber im Endeffekt nicht so eng gesehen werden, denn Killer Joe ist spannend, nicht vorhersehbar und macht Spaß. Das Publikum wird zumal mit scharfzüngigen Dialogen und interessanten Charakteren durchgängig unterhalten.  

 

Fazit:
Killer Joe, der neue Film von William Friedkin, kann trotz der absurden Ausgangssituation und dem merkwürdigen Familienverhältnis sein Publikum mit dem bissigen Humor, den überzeugenden Charakteren und der bewusst eingesetzten Körperlichkeit unterhalten. Somit kann auch der zwiespältige Einsatz von Matthew McConaughey verschleiert werden. Ferner sollte sich der Regisseur in Zukunft mehr auf den Film als Medium konzentrieren und das Theater auf der Bühne lassen.  

 

Wertung:
7/10 Punkte    

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