Der Gott des Gemetzels (2011)

OT: Carnage - 79 Minuten - Komödie / Drama
Der Gott des Gemetzels (2011)
Kinostart: 25.11.2011
DVD-Start: 10.05.2012 - Blu-ray-Start: 17.05.2012
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Filmkritik zu Der Gott des Gemetzels

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Roman Polanski hat bereits einige grandiose Thriller zu verantworten. Erst im letzten Jahr zeigte er mit seinem (bei der Berlinale 2010 mit dem Regiepreis ausgezeichneten) atmosphärisch grandiosen Spannungslehrstück Der Ghostwriter, dass er nach wie vor noch einer der besten Regisseure seines Fachs ist. Doch nun überrascht Polanski mit der humorvollen, satirischen Interpretation von Yasmina Rezas Theatererfolg Der Gott des Gemetzels - ein zum Brüllen komischer Showdown zwischen vier Schauspielschwergewichte, die mit viel Genuss die Mauern der bürgerlichen Gesellschaft einreissen und dort den blanken Irrwitz des Seins bloslegen.

New York: Zwei Kinder streiten in einem Park und schließlich schlägt das eine Kind dem anderen mit einem Stock ins Gesicht. Da das Kind dabei zwei Zähne verliert treffen sich die Eltern Opfers, Michael (John C. Reilly) und Penelope Longstreet (Jodie Foster) und die Eltern des Täters, Alan (Christoph Waltz) und Nancy Cowen (Kate Winslet). Sie versuchen die Sache wie Erwachsene zu klären, dabei vielleicht einen Kaffee zu trinken und sich näher kennen zu lernen. Doch aus dem unschuldigen Treffen erwächst bald schon ein handfester Streit und zwischen nervigem Dauer-Handyalarm und verschiedenen Lebensansichten geraten die Erwachsenen immer weiter aneinander...

Roman Polanski hat das Drehbuch zu Der Gott des Gemetzels gemeinsam mit der Autorin des Theaterstücks Yasmina Reza verfasst und auch ansonsten merkt man, dass der Meisterregisseur sehr großen Wert auf die Werktreue gelegt hat. Filmisch gesehen ist Der Gott des Gemetzels sehr zurückhaltend: Der Film spielt abgesehen von Prolog und Epilog ausschließlich in einer Wohnung (und am Gang vor dieser Wohnung), der Fokus liegt klar auf den Darstellern und den Dialogen und man kann eigentlich zu keinem Zeitpunkt vergessen, dass hier ein erfolgreiches Theaterstück als Grundlage diente. Aber obwohl man die Handschrift von Polanski auf Grund der zurückhaltenden Inszenierung kaum wahrnehmen kann, ist Der Gott des Gemetzels ein großartiger Film geworden, den man nicht verpassen sollte.

Dies liegt zu großen Teilen an den grandiosen Darstellern, die sich durch die Bank von ihrer besten Seite zeigen. Besonders Christoph Waltz brilliert mit seinem feinsinnigen Gespür für Komik und zeigt die beste Leistung seit seiner oscarprämierten Galavorstellung in Inglourious Basterds. Er bringt die Situationskomik mit schelmischen Humor auf den Punkt und genießt es sichtlich seine Rolle zwischen besserwisserischem Yuppie, gleichgültigem Ehemann und ständig beschäftigtem Geschäftsmann auszupendeln. Jodie Foster hingegen verzweifelt mit großer Leidenschaft am Versuch ihre liberalen Ansichten zu verkaufen, während Kate Winslet still in sich hineinleidet, bis sie schließlich wie ein Vulkan hochgeht. Um all dieses Chaos herum kreist noch John C. Reilly, der sich in allen Kategorien zuhause fühlt und dabei ebenfalls für prächtige Unterhaltung sorgt.

Aber man muss auch sagen, dass die köstliche Vorlage den Schauspielern immer wieder perfekte Steilvorlagen liefert. Man sollte sich aber bewusst sein, dass Roman Polanski weder dem Mainstream verfällt, noch in pseudointellektueller Satire versinkt - stattdessen schafft er es sehr gut einen unglaublich komischen Film zu kreieren, der einen gesunden Mittelweg findet und zur perfekten Unterhaltung für denkende Kinogänger wird. Es hat schon etwas höchst eindrucksvolles wenn man die Spielfreude der Darsteller erkennt während sie gerade mit Genuss das Kind im Erwachsenen ans Tageslicht zerren und uns vor Augen führen, dass die Welt in Wirklichkeit auch nur von trotzigen Egomanen regiert wird, die sich eigentlich gar nicht so sehr von Kindern unterscheiden - nur eben andere Möglichkeiten zum Abreagieren und Anfeinden haben.

Dabei hat Der Gott des Gemetzels kein Gramm Fett. Der Film wirft uns ins kalte Wasser, endet abrupt und in seiner kurzen Laufzeit von 79 Minuten erlaubt sich Roman Polanski keinerlei Durchhänger. Der Unterhaltungswert bleibt über die gesamte Laufzeit hoch, der Humor bissig und so gut wie alle Gags zünden. Der Gott des Gemetzels kann sich zwar nicht mit den ganz großen Filmen Polanskis messen - dazu ist der Film einfach viel zu sehr bloß köstliche Fingerübung - aber wer auf der Suche nach gehobener Unterhaltungs ist, die sich nicht selbstverliebt im Kreist dreht, der sollte Der Gott des Gemetzels nicht verpassen. Denn unterhaltsamer werden sich vier Topdarsteller dieses Jahr wohl nicht mehr vor der Kamera zur Sau machen.

Fazit:
Der Gott des Gemetzels ist eine temporeiche, höchst unterhaltsame Fingerübung, getragen von köstlichen Wortgefechten und brillanten Darstellern die sich in bester Spiellaune zeigen. Zwar hält sich Roman Polanski vornehm zurück und rückt stattdessen seine Schauspieler und das Ausgangsmaterial ins Rampenlicht, aber dem Filmgenuss tut dies keinen Abbruch. Denn Der Gott des Gemetzels besitzt kein Gramm Fett, sorgt durchgehend für großartige Unterhaltung und versteht es dabei auch noch ausgezeichnet die geordneten Mauern des Bürgertums einzureissen und vorzuzeigen, dass respektable Erwachsene in Wirklichkeit auch nur kindische Egomanen sind. Der Film ist somit absolut empfehlenswert und man sollte sich den Spaß auf keinen Fall entgehen lassen.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.8/10 | Kritiken: 5 | Wertungen: 71
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