Der Gott des Gemetzels (2011)

Der Gott des Gemetzels
Der Gott des Gemetzels
OT: Carnage

Filmstart: 25.11.2011 | Laufzeit: | Komödie-Drama
GottdesGemetzels-Scene01Roman Polanski hat bereits einige grandiose Thriller zu verantworten. Erst im letzten Jahr zeigte er mit seinem (bei der Berlinale 2010 mit dem Regiepreis ausgezeichneten) atmosphärisch grandiosen Spannungslehrstück Der Ghostwriter, dass er nach wie vor noch einer der besten Regisseure seines Fachs ist. Doch nun überrascht Polanski mit der humorvollen, satirischen Interpretation von Yasmina Rezas Theatererfolg Der Gott des Gemetzels - ein zum Brüllen komischer Showdown zwischen vier Schauspielschwergewichte, die mit viel Genuss die Mauern der bürgerlichen Gesellschaft einreissen und dort den blanken Irrwitz des Seins bloslegen.

New York: Zwei Kinder streiten in einem Park und schließlich schlägt das eine Kind dem anderen mit einem Stock ins Gesicht. Da das Kind dabei zwei Zähne verliert treffen sich die Eltern Opfers, Michael (John C. Reilly) und Penelope Longstreet (Jodie Foster) und die Eltern des Täters, Alan (Christoph Waltz) und Nancy Cowen (Kate Winslet). Sie versuchen die Sache wie Erwachsene zu klären, dabei vielleicht einen Kaffee zu trinken und sich näher kennen zu lernen. Doch aus dem unschuldigen Treffen erwächst bald schon ein handfester Streit und zwischen nervigem Dauer-Handyalarm und verschiedenen Lebensansichten geraten die Erwachsenen immer weiter aneinander...

GottdesGemetzels-Scene02Roman Polanski hat das Drehbuch zu Der Gott des Gemetzels gemeinsam mit der Autorin des Theaterstücks Yasmina Reza verfasst und auch ansonsten merkt man, dass der Meisterregisseur sehr großen Wert auf die Werktreue gelegt hat. Filmisch gesehen ist Der Gott des Gemetzels sehr zurückhaltend: Der Film spielt abgesehen von Prolog und Epilog ausschließlich in einer Wohnung (und am Gang vor dieser Wohnung), der Fokus liegt klar auf den Darstellern und den Dialogen und man kann eigentlich zu keinem Zeitpunkt vergessen, dass hier ein erfolgreiches Theaterstück als Grundlage diente. Aber obwohl man die Handschrift von Polanski auf Grund der zurückhaltenden Inszenierung kaum wahrnehmen kann, ist Der Gott des Gemetzels ein großartiger Film geworden, den man nicht verpassen sollte.

Dies liegt zu großen Teilen an den grandiosen Darstellern, die sich durch die Bank von ihrer besten Seite zeigen. Besonders Christoph Waltz brilliert mit seinem feinsinnigen Gespür für Komik und zeigt die beste Leistung seit seiner oscarprämierten Galavorstellung in Inglourious Basterds. Er bringt die Situationskomik mit schelmischen Humor auf den Punkt und genießt es sichtlich seine Rolle zwischen besserwisserischem Yuppie, gleichgültigem Ehemann und ständig beschäftigtem Geschäftsmann auszupendeln. Jodie Foster hingegen verzweifelt mit großer Leidenschaft am Versuch ihre liberalen Ansichten zu verkaufen, während Kate Winslet still in sich hineinleidet, bis sie schließlich wie ein Vulkan hochgeht. Um all dieses Chaos herum kreist noch John C. Reilly, der sich in allen Kategorien zuhause fühlt und dabei ebenfalls für prächtige Unterhaltung sorgt.

GottdesGemetzels-Scene03Aber man muss auch sagen, dass die köstliche Vorlage den Schauspielern immer wieder perfekte Steilvorlagen liefert. Man sollte sich aber bewusst sein, dass Roman Polanski weder dem Mainstream verfällt, noch in pseudointellektueller Satire versinkt - stattdessen schafft er es sehr gut einen unglaublich komischen Film zu kreieren, der einen gesunden Mittelweg findet und zur perfekten Unterhaltung für denkende Kinogänger wird. Es hat schon etwas höchst eindrucksvolles wenn man die Spielfreude der Darsteller erkennt während sie gerade mit Genuss das Kind im Erwachsenen ans Tageslicht zerren und uns vor Augen führen, dass die Welt in Wirklichkeit auch nur von trotzigen Egomanen regiert wird, die sich eigentlich gar nicht so sehr von Kindern unterscheiden - nur eben andere Möglichkeiten zum Abreagieren und Anfeinden haben.

Dabei hat Der Gott des Gemetzels kein Gramm Fett. Der Film wirft uns ins kalte Wasser, endet abrupt und in seiner kurzen Laufzeit von 79 Minuten erlaubt sich Roman Polanski keinerlei Durchhänger. Der Unterhaltungswert bleibt über die gesamte Laufzeit hoch, der Humor bissig und so gut wie alle Gags zünden. Der Gott des Gemetzels kann sich zwar nicht mit den ganz großen Filmen Polanskis messen - dazu ist der Film einfach viel zu sehr bloß köstliche Fingerübung - aber wer auf der Suche nach gehobener Unterhaltungs ist, die sich nicht selbstverliebt im Kreist dreht, der sollte Der Gott des Gemetzels nicht verpassen. Denn unterhaltsamer werden sich vier Topdarsteller dieses Jahr wohl nicht mehr vor der Kamera zur Sau machen.

Fazit:
Der Gott des Gemetzels ist eine temporeiche, höchst unterhaltsame Fingerübung, getragen von köstlichen Wortgefechten und brillanten Darstellern die sich in bester Spiellaune zeigen. Zwar hält sich Roman Polanski vornehm zurück und rückt stattdessen seine Schauspieler und das Ausgangsmaterial ins Rampenlicht, aber dem Filmgenuss tut dies keinen Abbruch. Denn Der Gott des Gemetzels besitzt kein Gramm Fett, sorgt durchgehend für großartige Unterhaltung und versteht es dabei auch noch ausgezeichnet die geordneten Mauern des Bürgertums einzureissen und vorzuzeigen, dass respektable Erwachsene in Wirklichkeit auch nur kindische Egomanen sind. Der Film ist somit absolut empfehlenswert und man sollte sich den Spaß auf keinen Fall entgehen lassen.

Wertung:
8/10 Punkte
Die Daten werden uns zur Verfügung gestellt von Flimmit.com
Gefällt Dir dieser Film? Zeige es deinen Freunden:

User-Kritiken

Durchschnittliche Bewertung von: 22 Benutzern

Bitte registrieren Sie sich oder loggen sich ein um einen Eintrag vorzunehmen
Wertung 
 
8.3  (22)
 
Wertung:
 
10/10

einfach nur genial!

Etwas triviales so in Szene zu setzten, und dann auch noch so lustig und sinnig ist schon "große Kunst". Der Film ist der Hammer!

War diese User-Kritik hilfreich für Sie? 
00
Beitrag melden
Wertung:
 
8/10

Doodle

Kein Blut, kein Mord und keine Gangster und trotz allem ein durchgehend spannender und nervenaufreibender Film.
Ich hatte im Laufe des Films das Gefühl mich mitten in der Wohnung des Geschehens zu befinden und so stark waren auch die Aggressivität, Ekel, und Gemeinheiten der Darsteller zu spüren. Und trotz allem bleibt genug Platz für Witz und Humor.
Mir haben speziell die Kameraaufnahmen gefallen, die gleichzeitig die Szene frontal zeigten, als auch durch diverse Spiegel.

War diese User-Kritik hilfreich für Sie? 
30
Beitrag melden
Wertung:
 
9/10

Gott des Gemetzels

Polanski eben - einfach großartig. Der Gott des Gemetzels ist eine fabelhafte Theateradaption die durchgehend Spaß macht. Besonders die Schauspieler sind super - aber auch das Drehbuch überzeugt auf ganzer Linie. Ganz toll!

War diese User-Kritik hilfreich für Sie? 
00
Beitrag melden
Wertung:
 
9/10

Grandios

Hier wird ganz großes Kino geboten, obwohl sich ca 99 % der Handlung in nur einer Wohnung abspielen.
Das geniale Drehbuch wird ergänzt durch grandiose Schauspieler, allen voran - soviel Nationalstolz muss schon sein - unser Christoph Waltz. Man hasst ihn von der ersten Minute an, wie schon damals, in Inglorious Basterds. Die perfekte Besetzung!
Eigentlich müsste man diesen Film nicht im Kino sehen, aber weil er soch so überragend ist, muss man halt trotzdem gehen!
Uneingeschränkt zu empfehlen!

War diese User-Kritik hilfreich für Sie? 
20
Beitrag melden
Wertung:
 
10/10

Verbales Gemetzel

Eigentlich war Roman Polanski bisher nicht primär als Sozialkritiker unterwegs, doch was er hier abgeliefert hat, ist erste Sahne. Die Theatervorlage von Yasmina Reza hat er kongenial umgesetzt. Eine bissige Gesellschaftssatire mit vier ganz hervorragenden Akteuren (Winslet, Foster, Waltz und Reilly).
Ein eigentlich nichtiger Anlass führt zwei recht unterschiedliche Ehepaare zusammen, um eine Auseinandersetzung ihrer Buben zu bereinigen.
Es wird sehr subtil geschildert, wie jeder der vier hinter der Fassade von gespielter Höflichkeit, aller größtem Verständnis für die Gegenseite und Selbstbehauptung der eigenen Position langsam hervorkriecht. Dabei kommen sowohl familieninterne Leichen, die seit Jahren im eigenen Keller vergraben sind, wieder zum Vorschein, als auch ganz persönliche Knacks. Die Männer, die noch mit den Idealfiguren von Ivanhoe und John Wayne aufgewachsen waren, verbünden sich vorübergehend und die Mädels revoltieren erst dagegen und dann gegen einander. Dabei ändert sich zwischendurch ständig das Niveau der verletzenden Argumentationen, variiert zwischen banalem Kleinkariertem und genereller Weltsicht. Handy und Handtasche, wichtige Accessoires unserer Zeit werden als Waffen in diesem totalen Krieg eingesetzt, bevor uns der Schluss ein Schmunzeln abnötigt.

War diese User-Kritik hilfreich für Sie? 
40
Beitrag melden
 
Deine Wertung:
User Wertung:
Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 5 | Wertungen: 22
10 /10
3
14%
9 /10
4
18%
8 /10
12
55%
7 /10
2
9%
6 /10
1
5%
5 /10
0
0%
4 /10
0
0%
3 /10
0
0%
2 /10
0
0%
1 /10
0
0%

Fans

Fans sind auch Fans von

12 Monkeys (1995)
Filmering.at:
 
9/10
Community:
 
9/10
Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs (2003)
Filmering.at:
 
10/10
Community:
 
9/10
American Beauty (1999)
Filmering.at:
 
10/10
Community:
 
9/10
Brokeback Mountain (2005)
Filmering.at:
 
10/10
Community:
 
9/10
Black Swan (2010)
Filmering.at:
 
9/10
Community:
 
9/10
Batman Begins (2005)
Filmering.at:
 
9/10
Community:
 
8/10
2001 - Odyssee im Weltraum (1968)
Filmering.at:
 
10/10
Community:
 
10/10
Fight Club (1999)
Filmering.at:
 
10/10
Community:
 
9/10
The Ides of March - Tage des Verrats (2011)
Filmering.at:
 
8/10
Community:
 
8/10
Pans Labyrinth (2006)
Filmering.at:
 
9/10
Community:
 
9/10
Taxi Driver (1976)
Filmering.at:
 
10/10
Community:
 
10/10
Memento (2000)
Filmering.at:
 
10/10
Community:
 
9/10

Mehr von diesem Regisseur

Der Ghostwriter (2010)
Filmering.at:
 
8/10
Community:
 
8/10
Oliver Twist (2005)
Filmering.at:
 
0/10
Community:
 
0/10
Der Pianist (2002)
Filmering.at:
 
10/10
Community:
 
9/10
Die Neun Pforten
Filmering.at:
 
9/10
Community:
 
8/10
Der Tod und das Mädchen (1994)
Filmering.at:
 
0/10
Community:
 
7/10
Bitter Moon (1992)
Filmering.at:
 
0/10
Community:
 
8/10
Frantic (1988)
Filmering.at:
 
0/10
Community:
 
9/10
Piraten (1986)
Filmering.at:
 
0/10
Community:
 
5/10
Tess (1979)
Filmering.at:
 
0/10
Community:
 
0/10
Der Mieter (1976)
Filmering.at:
 
10/10
Community:
 
10/10
Chinatown (1974)
Filmering.at:
 
10/10
Community:
 
10/10
Was? (1972)
Filmering.at:
 
0/10
Community:
 
0/10