Eine ganz heiße Nummer (2011)

OT: Eine ganz heiße Nummer - 95 Minuten - Komödie
Eine ganz heiße Nummer (2011)
Kinostart: 28.10.2011
DVD-Start: 18.05.2012 - Blu-ray-Start: 18.05.2012
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Filmkritik zu Eine ganz heiße Nummer

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Aufruhr im bayerischen Kuhdorf: Waltrauds Tante Emma Laden steht vor dem Ruin, weil die Leute lieber bei Lidl und Co. einkaufen. Das verursacht bei Mitarbeiterin Maria Magenschmerzen, dieweil Lehrling Lena als Landei auf die Jungs aus der großen Stadt reinfällt. Und da Beichten und Beten allein nichts hilft, erwacht in den drei Grazien der Geschäftssinn: Mittels eigener Telefonsexhotline sollten die finanziellen Engpässe rasch beseitigt sein. Nur von den kreuzbraven Mitmenschen darf keiner was erfahren: Die zickige Bürgermeistergattin hat die drei ohnehin schon am Kieker und ein kirchlicher Großauftrag verspricht wirtschaftlichen Aufschwung für die ortsansässige Glaserei…

Reden bzw. schreiben wir nicht um den heißen Brei herum, sondern geradeheraus: „Eine ganz heiße Nummer“ entpuppt sich als ganz übler Film. Die Witze – wenn man sie überhaupt so nennen will, stinken nicht nur nach Jauchegrube, sie sind im schlimmsten Falle schon zu riechen, wenn man sie noch gar nicht sehen kann. Beispiel gefällig: Einer der Anrufer der „heißen Nummer“ bemächtigt sich immer wieder des Französischen. Als im späteren Filmverlauf einer der Pfaffen, die die Kirchenglasmalereien im Ort bestaunen, ebenfalls immer wieder französische Wörter ins Gespräch einstreut, braucht der geübte Zuschauer nur eins und eins zusammenzuzählen. Der „Gag“ selbst wird aber erst fünf Minuten später aufgelöst und zwar auf banale Art und Weise, damit es auch die Dümmsten kapieren.

Inhaltlich greift der Film Themen unserer Zeit auf: Wirtschaftskrise,  „Geiz ist Geil“ Mentalität und schneller Konsum - als kleine Geschäftsfrau muss man eben findig sein. So weit so gut. Weiter als über diese Erkenntnis geht’s aber nicht hinaus. Die Telefonsexnummer kommt der biederen Erzählweise des Films entgegen: Die Gespräche dienen der Belustigung des Zuschauers, die sich an der Unbeholfenheit – der Anrufer oder der Angerufenen – erfreuen können. Man muss sich nicht mit Gefühlen wie Tragik oder Einsamkeit, nicht mit den Schicksalen auseinandersetzen, denn der Humor blockt das alles ab. Man muss aber vor allem nicht explizit werden, sondern bleibt stets vage, familientauglich, freundlich.

Auf der anderen Seite bedient sich „Eine ganz heiße Nummer“ typischer Lustspielelemente, die einen oft ans Bauerntheater denken lassen. Die Lösungen des Films kann man sich ins Stammbuch schreiben: In der Stadt sind alle verdorben, am Land ist alles gut. Nicht alle, die jeden Sonntag brav in der Kirche beten, sind echte Christen. Geld allein macht nicht glücklich. Lebe deine Träume! – Es gibt dramaturgische Scheinkonflikte, die es im echten Leben nicht mal wert sind, diskutiert zu werden, am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf – auch wenn man uns das ultimativ-romantische Schlussbild verwehrt. Kaum zu glauben, dass so viel Banalität auf einem 300 Seiten starken Roman basieren soll – ich dachte eher an einen handgeschriebenen vierseitigen Schulaufsatz eines 15 Jährigen. Dass all das genau so einfalls- wie schnörkellos gefilmt ist, wie es sich anhört, muss man wohl nicht extra erwähnen.

Es sind drei Göttinnen (ergo drei Punkte in der Wertung), die in diesem Film mitspielen: Gisela Schneeberger – bekannt als Partnerin des kongenialen Gerhard Polt – gibt die resolute Waltraud, Monika Gruber – die derzeit wohl beste deutschsprachige Kabarettistin – ist die zickige Bürgermeistergattin (und JA, das kann sie richtig gut), und Cleo Kretschmer – eine Klaus Lemke Entdeckung (schaut euch seine Filme an, da steckt tausendmal mehr Witz drin) – ihr (ganz, ganz großer Fehler) stummes Anhängsel. Sie haben ihre Schutzzauber nicht gewirkt, den Film nicht gerettet, aber sie sind zumindest da. Genau so wie zahlreiche andere Kollegen, das who is who der bayerischen Film- und Kabarettszene. Sie alle kommen gegen den Schmonz, den sie spielen müssen, nicht an. Sie machen ihn lediglich erträglicher.

Wertung:
3/10 Punkte
Filmering.at
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