The Help (2011)

OT: The Help - 146 Minuten - Drama
The Help (2011)
Kinostart: 08.12.2011
DVD-Start: 12.04.2012 - Blu-ray-Start: 12.04.2012
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Filmkritik zu The Help

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Nach einem Bestseller-Roman von Kathryn Stockett avancierte die Adaption von The Help in den Vereinigten Staaten mit einem vergleichsweise geringen Budget zum Überraschungshit an den Filmstätten. The Help ist aber nicht unbedingt ein konventionelles Rassendrama. Die ausschließlich weiblichen Protagonistinnen und eine fehlende verbissene Ernsthaftigkeit ermöglichen dem Film einen großen Unterhaltungsfaktor, der in dem Genre eher selten anzutreffen ist. Dem ausgeglichenen Balanceakt zwischen Drama und Komödie sei Dank, schafft der Regisseur Tate Taylor ein aufwühlendes wie erfrischendes Portrait verschiedener weiblicher Persönlichkeiten, im Hintergrund menschenverachtender Gesellschaftsverhältnisse Anfang der 60er in Amerika, zu zeichnen.

Jackson, Mississippi Anfang der 60er Jahre: Als die junge Skeeter (Emma Stone) nach dem College in ihre Heimatstadt zurückkehrt, träumt sie davon Schriftstellerin zu werden. So fasst sie – angetrieben von ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und entgegen aller Konventionen – den Entschluss, afro-amerikanische Frauen zu interviewen, die ihr Leben damit verbracht haben, sich als Hausmädchen um die Kinder der weißen Oberschicht zu kümmern. Doch damit verstößt Skeeter nicht nur gegen den guten Ton, sondern auch gegen das Gesetz, womit sie sich und alle, die ihr geheimes Projekt unterstützen, in Gefahr bringt. Allen voran die gutherzige Aibileen (Viola Davis), die Skeeter als erste für ihr Projekt gewinnen kann, und die resolute Minnie (Octavia Spencer), die mit ihrem vorwitzigen Mundwerk und einzigartigem Schokoladenkuchen für Furore sorgt. Dabei werden Skeeters Freundschaften aus Kindheitstagen auf eine harte Probe gestellt und auch die schwarze Gemeinde steht dem Projekt zunächst mehr als skeptisch gegenüber. Doch nach einem folgenschweren Vorfall sind immer mehr Hausmädchen bereit, Skeeter ihre großartigen, tragischen bis witzigen Lebensgeschichten zu berichten. Jede Veränderung beginnt zunächst mit einem Flüstern, doch die Stimmen werden lauter - und es gibt eine Menge zu erzählen…

Did you know as a girl growing up that one day you’d be a maid? Yes, mam I did. Die Eröffnungsszene von The Help lässt keinen Zweifel an der determinierten Zukunft des afroamerikanischen Teils der Bevölkerung Anfang der 60er. Die Szene bildet ebenso den Rahmen für die Erzählung, denn die aufstrebende und selbstständige Journalistin Eugenia Phelan interviewt die ausschließlich afroamerikanischen Haushälterinnen über ihren mit Rassismus getränkten Alltag. Was folgt ist die filmische Auseinandersetzung mit dem geschriebenen Wort inklusive einer Erzählinstanz, die sich größtenteils angenehm zurückhält und lediglich ergänzt. Die Unabhängigkeit Skeeters (Eugenias Spitzname) ist nicht nur durch die vermögende Familie gesichert, sondern auch durch den Bleistift mit dem sie die Interviews aufzeichnet. Und nicht nur sie, sondern auch die Haushälterin Abigail hat schriftstellerische Ambitionen wie sich im Laufe des Film herausstellt. In Anbetracht der Instrumentalisierung des Schreibwerkzeugs als stärkste Kraft der Emanzipation aus den rassistischen und sexistischen Verhältnissen scheint die Eröffnungsszene wie ein Versprechen, dass am Ende doch alles gut wird.

Schauplatz der Geschehnisse ist die Hauptstadt von Mississippi, Jackson. Neben den sozialen Verhältnissen ist auch das Klima aufgeheizt. Beim Anblick der feucht, grün gesättigten Landschaft, der pastelligen Kleidung und der allgemeinen Farbenfroheit und Vielfalt wird man sofort in die 60er zurückkatapultiert. Überhaupt ist die Inszenierung in sich sehr stimmig, teilweise bewegt man sich als Rezipient durch die offensichtliche Detailverliebtheit am Rande der Reizüberflutung. Der Dreh an Originalschauplätzen macht sich bei The Help außerordentlich bemerkbar. Um dem Authentizitätsanspruch gerecht zu werden, werden historische Ereignisse wie der Tod von John F. Kennedy kontextualisiert und der Fernseher für die Vermittlung funktionalisiert. Der Südstaatenakzent tut (in der englischen Fassung) sein Übriges.

Bei einer dermaßen opulenten Ausstattung läuft man stets Gefahr, dass die Charaktere zum Dekor der eigentlichen Dekoration verkommen. Doch der ausgezeichnete Cast von The Help lässt dies nicht zu. Emma Stone spielt die burschikose, nicht auf den Mund gefallene Skeeter mit einer ansprechenden Natürlichkeit. Aber sie bleibt nicht der einzige Sympathieträger, in The Help gibt es eine Menge davon. Ob die naive und hilflos ausgestoßene Celia Foote (Jessica Chastain), die an Krebs erkrankte und dennoch fürsorgliche Mutter von Skeeter, Charlotte (Allison Janney), die frech-beherzte Haushälterin Minny (Octavia Spencer) oder ihre Freundin Aibileen (Viola Davis), die aus dem exzellenten Cast heraussticht. Mit einer feinfühligen Darstellung zwischen ängstlichen Gehorsam über gewissenhafter Entschlossenheit und schließlich blühender, innerer Stärke ist die Entwicklung ihres Charakters wohl am interessantesten. Als Gegenstück dazu spielt Bryce Dallas Howard ihren Charakter Hilly mit einer schneidenden Antipathie. Mit ihrer perfiden und verbissenen Art infiziert sie den Großteil der Wohngegend und bleibt somit die einzig wahre Antagonistin. Howards Darstellung ist gegenüber den anderen wesentlich expressiver und wirkt dadurch stellenweise etwas arg karikaturiert. Eine klare Zeichnung der Charaktere impliziert leider auch Stereotypen und so macht es oftmals den Eindruck als habe man die Geschichte in anderer (oder derselben) Form schon mal gesehen.

Fazit:
The Help schafft es über seine gesamte Dauer von knapp zweieinhalb Stunden mit einem ernsthaften Thema zu unterhalten. Ob die mit Charme behafteten Orginalschauplätze, die liebevoll-detailverliebte Ausstattung oder die weit ausgelegte emotionale Bandbreite des Films runden ihn als Gesamtwerk durchaus ab. Tate Tylor inszeniert The Help nicht als reine Moralpredigt sondern ist sich mit Hollywood im Hintergrund seiner Verpflichtung zur Unterhaltung durchaus bewusst. So scheint die quietschbunte Inszenierung mit einem allzu versöhnlichen Ende doch nur an der Oberfläche dieses hässlichen Zeitgeists kratzen zu wollen. Darüber tröstet letztlich die ausgezeichnete Darstelleriege, stets zwischen komödiantisch und dramatisch oszillierend, hinweg und schafft es mit ihren Charakteren die Aufmerksamkeit des Zuschauers einzunehmen.  

Wertung:
8/10 Punkte
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Ø Wertung: 7.7/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 29
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