Der geköpfte Hahn

OT: -  90 Minuten - Drama
Der geköpfte Hahn
Kinostart: 31.08.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der geköpfte Hahn

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Ein Hahn ohne Kopf soll Unglück bringen. Umgekehrt ist es allerdings genauso. Was heißt umgekehrt? Natürlich, dass der Kopf des Hahns dafür Glück bringt. Mit diesem Zitat beginnt Der geköpfte Hahn, und es soll nicht die letzte wirre und konfuse Szene bleiben, die dem Zuseher vorgesetzt wird. Der ursprüngliche Plan war es, die Geschichte der Siebenbürgensachsen zu beleuchten und der erste Film zu werden, der sich mit dem Schicksal dieser Volksgruppe auseinandersetzt. Man muss allerdings auch zugeben, dass deren Geschichte durchaus einen Blick wert wäre:

Die Siebenbürgensachsen sind eine deutsche Minderheit am Fuße der südlichen Karpaten in Rumänien, die im Verlaufe des 12. und 13. Jahrhunderts dort angesiedelt wurden, um leere Gebiete zu füllen und die Wirtschaft zu beleben. Im Zweiten Weltkrieg waren sie zunächst auf deutscher Seite, doch als sich die Russen immer mehr näherten, wechselte das Königreich Rumänien die Front und kämpfte gegen Nazideutschland. Man kann sich denken, dass dies für die Siebenbürgensachsen kein schönes Gefühl war. Also eigentlich würde der Stoff auch genug für einen Film hergeben. Würde ist hier jedoch das entscheidende Wort, denn Der geköpfte Hahn legt weniger Wert auf eine kritische Betrachtung dieser Zeit, als vielmehr auf eine detaillierte Auseinandersetzung zwischen pubertierenden Jugendlichen, die in jede Klischeefalle steigt und so leider mehr einer Seifenoper gleicht als sonst irgendetwas.

Felix Goldschmidt (David Zimmerschied) verbringt seinen letzten Sommer als Jugendlicher gemeinsam mit seinem besten Freund Hans Adolf (Axel Moustache) und den beiden Freundinnen Gisela Glückselig (Alicja Bachleda-Curus) und Alfa Sigrid (Iona Teodora Iacob), bevor das kommende Exitus-Fest die Gruppe aus ihrer Kindheit entlässt und sie zu Erwachsenen werden lässt. Alfa Sigrid ist sich jedoch nie ganz sicher, welchen der beiden Burschen sie mehr mag. Es bleibt ihr jedoch keine Wahl, da sich Gisela bereits Felix geschnappt hat.

Die Zeiten in Siebenbürgen verändern sich, als Hitler zu immer größerer Macht kommt und sich Rumänien auf seine Seite schlägt. Gisela darf nicht mehr in der Schule unterrichtet werden, da sie Jüdin ist, und Felix und Hans Adolf, die mittlerweile Blutsbrüder sind, schließen sich der Hitlerjugend an. Felix scheint Gisela immer mehr zu vergessen und aus den Freunden Felix und Hans Adolf entwickelt sich eine Rivalität um den besten Anhänger des Führers. Diese kleine Flamme wird dadurch geschürt, dass sie beide Alfa Sigrid wollen und diese die Situation auch gekonnt ausnutzt. Die Lage schürt sich bis zum Exitus-Fest, wo sich schließlich die Gefühle entladen sollen...

Der geköpfte Hahn basiert auf dem autobiographisch angehauchten Roman des siebenbürgischen Autors Eginald Schlatter, der 1998 erschienen ist und durchaus seine Beachtung bekommen hat. Dies lässt darauf schließen, dass die Vorlage um einiges mehr Substanz als das filmische Pendant besitzt. Denn von den Problemen der multi-ethnischen Vielfalt im Rumänien der 40er Jahre ist im Film wenig zu finden. Auch der Nazionalsozialismus oder die zwiespältige Situation beim Überlauf Rumäniens findet kaum Beachtung. Stattdessen wird dies alles nur verwendet, um eine nette Rahmenhandlung für die Charaktere zu haben.

Dies wäre auch legitim und verschmerzlich, wenn man zumindest eine in Ansätzen interessante Geschichte erzählen würde. Doch Der geköpfte Hahn versinkt in einer nicht nur vorhersehbaren, sondern auch teilweise kindlich naiven Geschichte einer Gruppe von Freunden, die im letzten Sommer ihrer Jugend an der Grenze zum Erwachsenwerden stehen. Dabei hat der Film aber so einige Probleme: Obwohl er auf filmisch unreife und abgehackte Weise seine Figuren durch die Szenerie springen lässt und somit alles andere als schlüssig bleibt, kann man als Zuseher eigentlich jeden einzelnen Wendepunkt der Story vorhersagen.

Wer bei diesem dümmlich naiven Herumgegrinse der beiden männlichen Hauptdarsteller mit anschließender Blutsbruderschaft und den völlig deplatzierten homoerotischen Andeutungen nicht sofort ahnt, dass sie sich zerkriegen werden und sich schließlich verraten, der kann noch nicht viele Filme gesehen haben. Weiters ist es völlig durschaubar, dass Gisela schließlich abgeschoben wird und von Felix vorübergehend durch Alfa Sigrid ersetzt wird. Natürlich ist auch klar, dass dies zu einem Zwist der Freunde führt, was wiederum zu einer Charakterentwicklung von Felix und schließlich zurück zu Gisela führt. Das ist ein Plot, der höchstens bei einer zweitklassigen Seifenoper akzeptabel ist, aber im Kino für großes Gähnen sorgt.

Noch schlimmer als diese Story sind allerdings die Figuren, die ihr Leben einhauchen sollten. Besetzt mit Stereotypen der Extraklasse und unsympathischen Charakteren hatte es der Film schon von vorne herein schwer, aber das (und das soll nicht überheblich klingen, aber ich muss es sagen) wirklich dumme Spiel der männlichen Hauptdarsteller setzt dem ganzen die Krone auf. Diese hüpfen von einer Szene zur anderen, ohne auch nur in einer den richtigen Ton zu treffen. Hans Adolf ganz der Hitlerjunge, der seinem Idol mit viel Dummheit nacheifert und Felix, der sich schließlich besinnt, können den Film nun mal nicht über seine Laufzeit tragen. Übrig bleiben die weiblichen Hauptdarsteller, die zwar auch keine Koryphäen sind, aber zumindest Charisma haben.

Fast schon peinlich ist auch die filmische Umsetzung des Ganzen. Nicht nur dass man es nicht schafft, eine halbwegs gelungene Struktur in den Film zu bekommen, und die Charaktere oft sprunghaft ihre Meinung über andere ändern und quasi durch den Film stolpern. Es wird auch noch mit kitschigen, deplatzierten und einfach schwachen Mitteln gearbeitet, um die Geschichte zu visualisieren. Erwähnt sei hier das Beispiel, als man im Kontrast zur momentanen Situation das frühere Siebenbürgen zeigt, welches lieblich in überbeleuchtete weiße Farben getaucht ist und wie das Paradies wirken soll. Damit diese Anspielung auch sicher niemandem entgeht, wird in dieser Szene auch passend dazu über den Himmel gesprochen und erwähnt, dass er genau wie Siebenbürgen ist, nur dass alle nackt sind. Reizend, nicht wahr?

Fazit:
Der geköpfte Hahn ist definitiv kein guter Film. Qualitätsmängel findet man nicht nur bei der filmisch unreifen Umsetzung, sondern bereits bei der zugrunde liegenden Geschichte selbst. Die schwierige Zeit in der Geschichte der Siebenbürgensachsen wird ausgenutzt, um eine simple Geschichte rund um Freundschaft, Verrat und Liebe zu erzählen, die sich jedoch nie über Seifenoperniveau hinausbewegt. Hinzu kommen zwei männliche Hauptdarsteller, die in ihrer kindlich naiven Darbietung zeigen, dass sie vor der Kamera nichts verloren haben. Empfehlenswert für diejenigen, die auch denken, dass Gute Zeiten, Schlechte Zeiten eine Serie mit Qualität ist. Alle anderen können sich das Eintrittsgeld sparen.

Wertung:
3/10 Punkte

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Liste von craia
Erstellt: 04.06.2016