Eine dunkle Begierde (2011)

Eine dunkle Begierde
Eine dunkle Begierde
OT: A Dangerous Method

Filmstart: 11.11.2011 | Laufzeit: | Drama-Thriller
DM022_07Es ist schon ein bisschen paradox: David Cronenberg, der Großmeister des Bodyhorrors, der Vorreiter des Körperkinos, dreht einen Film über CG Jung und Siegmund Freud, die beiden Größen der Psychoanalyse. Doch Cronenberg verlässt nicht nur inhaltlich seine gewohnten Pfade, sondern beschreitet auch stilistisch neue Wege. Wer mit den bisherigen Werken des Regisseurs vertraut ist kann gar etwas geschockt sein auf Grund der fast schon konventionellen Herangehensweise mit der Cronenberg hier sein geradliniges Biopic angeht. Doch trotz dieser Stiländerung gibt es genügend interessante Aspekte im Film, wenngleich er in keiner Sekunde an die Klasse von Cronenbergs letzten Filmen A History of Violence und Tödliche Versprechen heranreicht.

Sabrina Spielrein (Keira Knightley) wird Anfang des 20. Jahrhunderts in eine Privatklinik eingeliefert. Sie gilt als verrückt, doch der ambitionierte Dr. Carl Jung (Michael Fassbender) nimmt sich ihrer an. Er wittert die Chance die neue Methode von Sigmund Freud (Viggo Mortensen) an ihr ausprobieren zu können: Durch sprechen über ihr Leben und ihre Probleme soll ihr geholfen werden. Doch Jung hat etwas andere Ansichten als Freud. Während Freud die Psychoanalyse nur einsetzen will um den Patienten dabei zu helfen ihr Wesen zu erkennen, zu verstehen und zu akzeptieren will ihnen Jung dabei helfen der Mensch zu werden der sie sein wollen. Es ist eine haarscharfe Grenze zur Beeinflussung und verführt von den Reizen seiner attraktiven Patientin muss sich Jung auch den dunklen Seiten in sich selbst stellen...

ADangerousMethod-Scene03Wie bereits Eingangs erwähnt entfernt sich David Cronenberg mit Eine dunkle Begierde deutlich von seinen bisherigen Werken. Anstatt des Körpers interessiert sich der Film fast ausschließlich für die Psyche und die verborgenen Begierden der Menschen. Auch stilistisch hat sich Cronenberg spürbar eingeschränkt. Es dominieren optisch prunkvolle, eben klassische, historische Bilder und die sonstigen visuellen Merkmale des ausstattungslastigen Historienfilms. Dass Eine dunkle Begierde kein völlig glattes Stück Historienkinos geworden ist verdankt der Film vor allem seinen durchaus spannenden Dialogen und den sehr guten Darstellern.

Getragen wird Eine dunkle Begierde von Michael Fassbender, der sich in den letzten Jahren konstant auf höchstem darstellerischen Niveau bewegt hat und einer der talentiertesten neuen Gesichter der Traumfabrik ist. Seine bewusst steife und unnahbare Interpretation von CG Jung ist tragisch-kraftvoll und verstärkt den eher trockenen, wissenschaftlichen Charakter des Films noch. Das schauspielerische Highlight liefert aber die spannende Siegmund Freud Interpretation von Viggo Mortensen, der die Szenen in denen er vorkommt durchgehend an sich reißt. Auch Vincent Cassel überzeugt in einer kleinen Nebenrolle als sexsüchtiger Therapeut. Etwas strittiger ist da schon die grenzwertige Darbietung von Keira Knightley, die zu Beginn weit über das Ziel hinausschießt und ihre Rolle völlig überzogen anlegt. Sie treibt ihre Figur mit unkontrollierten Gesten und einer völlig entglittenen Mimik an den Rand der Karrikatur, wenngleich sich dies im Läufe des Films deutlich bessert.

ADangerousMethod-Scene01Es bleibt aber nicht aus zu erwähnen, dass sich die Vorurteile gegenüber Cronenbergs Themenwahl letzten Endes als nicht ganz unbegründet erweisen. Man hat das Gefühl der Regisseur kommt immer nur mit gewissen Aspekten von Jungs Biographie wirklich zurecht - immer dann wenn sich dieser seinen inneren Dämonen stellen muss. Ansonsten ist es einfach nicht wirklich ein Stoff für diesen Regisseur und das merkt man auch. Eine dunkle Begierde ist auf der einen Seite ein großes, episches Biopic, aber auf der anderen Seite macht Cronenberg in der Regel eher kleinere, detaillierte Filme (gerne auch mit rauen Ecken und Kanten) und man erkennt in Eine dunkle Begierde oft, dass diese Konzepte im Widerspruch stehen, was eine etwas eigenartige Mischung ergibt.

Aber David Cronenberg ist und bleibt ein äußerst talentierter Filmemacher und auch Eine dunkle Begierde ist trotz seinen Schwächen ein durchaus gelungener Film - aber es ist eben kein Cronenberg Film im eigentlichen Sinn. Wer ein gut gespieltes, dialoglastiges Historiendrama sucht, der bekommt mit Eine dunkle Begierde einen guten Vertreter des Genres. Wer aber ein Fan von David Cronenberg ist, der solle tunlichst seine Erwartungshaltung anpassen. Denn Eine dunkle Begierde ist nicht nur schwächer als die letzten beiden Filme des Regisseurs - er ist auch stilistisch etwas völlig anderes und es lässt sich nur schwer einschätzen wie die Fans des Regisseurs auf diesen Stilbruch reagieren werden.

Fazit:
David Cronenberg goes Mainstream: Der radikale Filmemacher versucht sich an einem recht konventionellen Biopic und bleibt damit hinter seinen großartigen letzten beiden Filmen zurück. Der Stil des Films passt nicht so recht zu den Fähigkeiten des Regisseurs und alles in allem wirkt Eine dunkle Begierde schon fast zu glatt und bieder. Aber trotz seinen Schwächen ist der Film durchaus sehenswert. Das liegt vor allem an den guten Darstellern (lediglich Keira Knightley wird mit ihrem anfänglichen Overacting das Publikum spalten) und den großartigen Dialogen. Ein richtiger Cronenberg Film ist es zwar nicht, aber ein gutes Historien-Drama ist schlussendlich dennoch herausgekommen.

Wertung:
7/10 Punkte
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6.7  (13)
 
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6/10

Leider nur befriedigend

Der Film beginnt recht vielversprechend, Keira Knightleys Darstellung war extrem, konnte mich jedoch trotzdem berühren. Weiterhin erzählt Cronenberg die Beziehung zwischen Spielrein und Jung und gerrät somit, meiner Meinung nach, zu sehr auf die Bahn der Liebesgeschichte (Mainstream). Ansonsten wir die Freundschaft zwischen Freund und Jung dargestellt. Beide Beziehungen, die Freundschaft und die Liebesgeschichte, waren zu wenig beleuchtet, sodass sie mich kaum berührten. Die Entwicklung von Spielrein, von der psychisch gestörten, zur Psychoanalytikerin wurde auch nur befriedigend dargestellt. An manchen Stellen war der Film langatmig. Die Schauspielerische Leistung war sehr gut, auch wenn Knightleys Performance sehr die Meinungen spaltet. Ansonsten glänzte der Film mit seiner Atmosphäre, sodass sich der Zuschauer in die damalige Zeit hineinversetzen konnte. Der Titelsong Reflection von Howard Shore ist mir bis heute im Ohr geblieben und verfolt mich weiterhin. Ein sehr aussagekräftiges Lied.

Im Großen und Ganzen kann jeder Fan des Historienfilms / Liebesdramas einen Blick hineinwerfen.

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8/10

Solide, aber etwas langatmig

Meiner Meinung nach kein "must see" im Kino, was sich auch darin widerspiegelte, dass wir zu zehnt im Kino saßen.
Der Film an sich ist edel und mit Liebe zum Detail (Kostüme) gedreht, aber trotz der grandiosen Schauspieler (zwei meiner Lieblinge: Viggo Mortensen und Michael Fassbender) etwas langatmig und öde.
Achtung Spoiler!
Der angebliche Höhepunkt des Films hat mich schon eher enttäuscht, als es darum geht, dass die Freundschaft zwischen Freud und Jung zerbricht, weil Jung fortschrittlicher denkt als Freud und dessen Ansichten nicht unkritisch teilen will. Dies wird im Film zwar als Drama hochstilisiert, aber eigentlich passiert.....sehr wenig.

Fazit: der Film ist trotz allem nicht schlecht, aber eher was für Sonntag Nachmittag. Und auf DVD.

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