Eine dunkle Begierde (2011)

OT: A Dangerous Method - 99 Minuten - Drama / Thriller
Eine dunkle Begierde (2011)
Kinostart: 11.11.2011
DVD-Start: 14.06.2012 - Blu-ray-Start: 14.06.2012
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Filmkritik zu Eine dunkle Begierde

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Es ist schon ein bisschen paradox: David Cronenberg, der Großmeister des Bodyhorrors, der Vorreiter des Körperkinos, dreht einen Film über CG Jung und Siegmund Freud, die beiden Größen der Psychoanalyse. Doch Cronenberg verlässt nicht nur inhaltlich seine gewohnten Pfade, sondern beschreitet auch stilistisch neue Wege. Wer mit den bisherigen Werken des Regisseurs vertraut ist kann gar etwas geschockt sein auf Grund der fast schon konventionellen Herangehensweise mit der Cronenberg hier sein geradliniges Biopic angeht. Doch trotz dieser Stiländerung gibt es genügend interessante Aspekte im Film, wenngleich er in keiner Sekunde an die Klasse von Cronenbergs letzten Filmen A History of Violence und Tödliche Versprechen heranreicht.

Sabrina Spielrein (Keira Knightley) wird Anfang des 20. Jahrhunderts in eine Privatklinik eingeliefert. Sie gilt als verrückt, doch der ambitionierte Dr. Carl Jung (Michael Fassbender) nimmt sich ihrer an. Er wittert die Chance die neue Methode von Sigmund Freud (Viggo Mortensen) an ihr ausprobieren zu können: Durch sprechen über ihr Leben und ihre Probleme soll ihr geholfen werden. Doch Jung hat etwas andere Ansichten als Freud. Während Freud die Psychoanalyse nur einsetzen will um den Patienten dabei zu helfen ihr Wesen zu erkennen, zu verstehen und zu akzeptieren will ihnen Jung dabei helfen der Mensch zu werden der sie sein wollen. Es ist eine haarscharfe Grenze zur Beeinflussung und verführt von den Reizen seiner attraktiven Patientin muss sich Jung auch den dunklen Seiten in sich selbst stellen...

Wie bereits Eingangs erwähnt entfernt sich David Cronenberg mit Eine dunkle Begierde deutlich von seinen bisherigen Werken. Anstatt des Körpers interessiert sich der Film fast ausschließlich für die Psyche und die verborgenen Begierden der Menschen. Auch stilistisch hat sich Cronenberg spürbar eingeschränkt. Es dominieren optisch prunkvolle, eben klassische, historische Bilder und die sonstigen visuellen Merkmale des ausstattungslastigen Historienfilms. Dass Eine dunkle Begierde kein völlig glattes Stück Historienkinos geworden ist verdankt der Film vor allem seinen durchaus spannenden Dialogen und den sehr guten Darstellern.

Getragen wird Eine dunkle Begierde von Michael Fassbender, der sich in den letzten Jahren konstant auf höchstem darstellerischen Niveau bewegt hat und einer der talentiertesten neuen Gesichter der Traumfabrik ist. Seine bewusst steife und unnahbare Interpretation von CG Jung ist tragisch-kraftvoll und verstärkt den eher trockenen, wissenschaftlichen Charakter des Films noch. Das schauspielerische Highlight liefert aber die spannende Siegmund Freud Interpretation von Viggo Mortensen, der die Szenen in denen er vorkommt durchgehend an sich reißt. Auch Vincent Cassel überzeugt in einer kleinen Nebenrolle als sexsüchtiger Therapeut. Etwas strittiger ist da schon die grenzwertige Darbietung von Keira Knightley, die zu Beginn weit über das Ziel hinausschießt und ihre Rolle völlig überzogen anlegt. Sie treibt ihre Figur mit unkontrollierten Gesten und einer völlig entglittenen Mimik an den Rand der Karrikatur, wenngleich sich dies im Läufe des Films deutlich bessert.

Es bleibt aber nicht aus zu erwähnen, dass sich die Vorurteile gegenüber Cronenbergs Themenwahl letzten Endes als nicht ganz unbegründet erweisen. Man hat das Gefühl der Regisseur kommt immer nur mit gewissen Aspekten von Jungs Biographie wirklich zurecht - immer dann wenn sich dieser seinen inneren Dämonen stellen muss. Ansonsten ist es einfach nicht wirklich ein Stoff für diesen Regisseur und das merkt man auch. Eine dunkle Begierde ist auf der einen Seite ein großes, episches Biopic, aber auf der anderen Seite macht Cronenberg in der Regel eher kleinere, detaillierte Filme (gerne auch mit rauen Ecken und Kanten) und man erkennt in Eine dunkle Begierde oft, dass diese Konzepte im Widerspruch stehen, was eine etwas eigenartige Mischung ergibt.

Aber David Cronenberg ist und bleibt ein äußerst talentierter Filmemacher und auch Eine dunkle Begierde ist trotz seinen Schwächen ein durchaus gelungener Film - aber es ist eben kein Cronenberg Film im eigentlichen Sinn. Wer ein gut gespieltes, dialoglastiges Historiendrama sucht, der bekommt mit Eine dunkle Begierde einen guten Vertreter des Genres. Wer aber ein Fan von David Cronenberg ist, der solle tunlichst seine Erwartungshaltung anpassen. Denn Eine dunkle Begierde ist nicht nur schwächer als die letzten beiden Filme des Regisseurs - er ist auch stilistisch etwas völlig anderes und es lässt sich nur schwer einschätzen wie die Fans des Regisseurs auf diesen Stilbruch reagieren werden.

Fazit:
David Cronenberg goes Mainstream: Der radikale Filmemacher versucht sich an einem recht konventionellen Biopic und bleibt damit hinter seinen großartigen letzten beiden Filmen zurück. Der Stil des Films passt nicht so recht zu den Fähigkeiten des Regisseurs und alles in allem wirkt Eine dunkle Begierde schon fast zu glatt und bieder. Aber trotz seinen Schwächen ist der Film durchaus sehenswert. Das liegt vor allem an den guten Darstellern (lediglich Keira Knightley wird mit ihrem anfänglichen Overacting das Publikum spalten) und den großartigen Dialogen. Ein richtiger Cronenberg Film ist es zwar nicht, aber ein gutes Historien-Drama ist schlussendlich dennoch herausgekommen.

Wertung:
7/10 Punkte
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Ø Wertung: 6.4/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 25
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