In Time (2011)

In Time
In Time
OT: In Time

Filmstart: 02.12.2011 | Laufzeit: | Krimi-Sci-Fi-Thriller
InTime-Scene05Was wäre, wenn Geld keinen Wert mehr hat und die einzige Währung deine Zeit ist? Jeder Kaffee, jedes Busticket, jeden Kinobesuch bezahlst du mit deiner Lebenszeit. Gleichzeitig musst du zusehen, dass deine Zeit nicht abläuft.  Was würdest du tun? Wie würdest du deine Zeit verbringen? Diese simple Prämisse packt der visionäre Sci-Fi  Regisseur/Autor/Produzent Andrew Niccol (Gattaca, The Truman Show), dessen Werke sich stets durch soziale oder politische  Motive auszeichnen, in ein dystopisches Gesellschaftsszenario. Er engagiert den Popstar und Schauspieler Justin Timberlake (The Social Network, Friends With Benefits) als Zugpferd, setzt den 8-fach Oscar nominierten Kameramann Roger Deakins (True Grit, No Country for Old Men) hinter die Linse und hüllt die Ausstattung in ein futuristisch-puristisches Gewand. Das Ergebnis ist ein Action-Thriller mit Road-Movie Charakter welcher vor allem eines vermissen lässt: Eine Seele.

Der Action-Thriller In Time versetzt den Zuschauer in eine Welt, in der die offizielle Währung Geld durch Zeit ersetzt wird. Mit 25 hören die Menschen auf zu altern. Sie sind genetisch so ausgestattet, dass sie nur noch ein Jahr lang überleben können, es sei denn sie schaffen es, sich einen Ausweg zu erkaufen. Die Reichen können sich Tausende von Jahren und somit ewige Jugend und Unsterblichkeit erkaufen, während die Armen betteln, leihen und Minute für Minute stehlen, nur um den Tag zu überstehen. In dieser Welt ist Will Salas (Justin Timberlake) einer der weniger Glücklichen. Jeden Tag erwacht er mit nicht mehr als 23 Stunden auf seiner tickenden Lebensuhr und seine Zeit läuft ab. Jeden Tag muss er genug Zeit verdienen, um den nächsten Morgen zu erleben. Als jedoch ein reicher Fremder in sein Leben tritt und kurz darauf stirbt, wird Will fälschlicherweise des Mordes bezichtigt. Plötzlich ist er auf der Flucht – zusammen mit der attraktiven Geisel Sylvia (Amanda Seyfried). Von jetzt an leben die beiden von Minute zu Minute, im Kampf gegen das korrupte System...

InTime-Scene04Will Sanders läuft und läuft und läuft. Im Hintergrund einer dramatisch-orchestralischen Musikuntermalung flieht er vor der Ungerechtigkeit, die ihm angetan wurde. Während seiner Flucht entwickelt sich der Fabrikarbeiter immer mehr zu einem selbstlosen Marxisten. Der Spannungsbogen wird trotz des recht flotten Tempos aufgrund des kaum ausgearbeiteten Backgrounds seines Charakters aber nie zur Gänze ausgereizt. Ein Symptom, an dem leider alle Charaktere leiden. Seine Handlungsmotive mögen ihre Berechtigung haben, allerdings macht seine Entwicklung einen dramaturgisch eher unausgereiften Eindruck.

Um das Ghetto Dayton darzustellen wurden ausschließlich junge Menschen aus verschiedenen ethnischen Gruppen gecastet. Als Schauplatz fiel die Wahl auf den Stadtteil Skid Row am Rande von Los Angeles. Diese Entscheidung kommt in Anbetracht der Tatsache, dass Skid Row die höchste Population von Obdachlosen in den Vereinigten Staaten aufweist, wohl nicht von ungefähr. Die stimmig trostlose Verwahrlosung ist den, von Rolltoren begleiteten, leeren Straßen und der kubischen, spartanischen Struktur der vergitterten Gebäude förmlich ablesbar.

InTime-Scene07Justin Timberlake als Hauptdarsteller zu engagieren scheint bei seiner darstellerischen Leistung in In Time einem ökonomischen Faktor gerecht werden zu wollen. Während seiner glänzend charismatischen Interpretation des Napster Gründers Sean Parker in The Social Network, bleibt seine Darstellung des Will Salas lediglich solide. Aufrichtige Empathie kommt bei seinem Mienenspiel nicht auf, was zum einen den oberflächigen Charakteren und zum anderen dem unausgereiften Drehbuch zu verschulden ist. Amanda Seyfried spielt Sylvia, die junge Tochter des beinah unsterblich reichen Geschäftsmanns Phillipe Weis (hervorragend für die Rolle jeglichen schmierigen Bösewichts, Vincent Kartheiser). Ihren puppenhaften Gesichtszügen und den bezaubernd großen, grünen Augen nimmt man die Rolle der leidenden Tochter in einem goldenen Käfig gerne ab. Einer der interessanteren Charaktere ist der, des Raymond Leon, ein sogenannter Timekeeper, die Exekutive in dem Zukunftsszenario. Cilian Murphys (Sunshine, Inception) stoisches, undurchsichtiges Spiel und elegischer Gesichtsausdruck machen seinen Charakter und dessen Motive, in einer ansonst merklich konstruierten diegetischen Welt, unberechenbar.

Fazit:
Zeit ist Geld. Das hat sich wohl auch der Regisseur gedacht als er die Prämisse, Zeit als Werteinheit, umzusetzen versucht hat. In Time wirkt stellenweise unausgereift, nicht zuletzt durch einige Plotlöcher, zudem bleibt Andrew Niccol mit seiner stilvollen Inszenierung stets an der Oberfläche hängen. Er schafft es kaum den gesellschaftspolitischen Tiefgang zu erreichen, der mit diesem Thema aufgrund seiner Aktualität, gerade im Hintergrund weltweiten Finanzproteste und der Occupy-Bewegung durchaus möglich gewesen wäre. Für Kapitalismuskritik hat In Time zu wenig Biss, für ein Bonnie & Clyde Remake zu wenig Charme und für eine Robin Hood Allegorie versprüht Timberlake zu wenig Charisma. Der Regisseur versucht all diese Aspekte innerhalb von 115 Minuten zu vereinen. Für alle Ebenen und den damit verbundenen Umfang sind 115 Minuten allerdings zu wenig Zeit. Letztlich ist es der ansehnlichen Ausstattung und der originellen Hypothese „Zeit als Währungseinheit“ zu verdanken, dass In Time dennoch kurzweilig unterhalten kann.

Wertung:

6/10 Punkte
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Große Enttäuschung!

In Time war für mich eine riesige Enttäuschung. Das Konzept Zeit als Währung ist interessant, wird aber im Detail völlig uninspiriert umgesetzt. Man kann ja schon bei der Voice Over Einführung skeptisch werden: "Blabla, die Zeit ist jetzt die Währung - ist halt so, bitte keine Details fragen..." - und diese uninspirierte Herangehensweise zieht sich durch den ganzen Film: Das System wird absolut nicht näher beleuchtet. Dabei wäre doch gerade dieses das eigentlich interessante am Fim. Die Zeitzonen werden gar nicht erklärt und auch ansonsten scheint sich der Film vor allem dafür zu interessieren langweilige Verfolgungen zu zeigen.

Hinzu kommen zahlreiche unfreiwillig komische Momente, schwach inszenierte Szenen (das Armdrehduell - lächerlicher wird es dieses Jahr wohl nicht mehr) und auch visuell fehlt dem Film jegliches Konzept: In Time spielt offensichtlich weit in der Zukunft, die Welt sieht aber genauso aus wie jetzt (sieht man von kleinen, peinlichen Modifikationen an den Autos ab). Insgesamt doch trashig unterhaltsam, aber wenn man sich die bisherigen Filmen von Andrew Niccol ansieht ist In Time eine riesige Enttäuschung.

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6/10

Zu wenig Zeit für Charaktere und Logik

Justin Timberlake und Amanda Seyfried, die zusammen auf der Leinwand ein schönes Paar ergeben, laufen und laufen und laufen. Doch wieso laufen sie? Sie laufen um Leben und Tod, denn ihre verbleibende Zeit ist knapp. Andrew Nicools Filmidee Zeit als Währung zu verwenden ist sehr erfrischend. Zuschauer sollten sich bereits vor dem Kinobesuch mit diesem Schema abfinden, denn gleich zu Beginn wird sehr viel gezahlt, geliehen und genommen und zwar nicht (mit) Geld sondern (mit) Zeit. Für die Ghettobewohner ist die Zeit somit knapp. Die Zeit ist sogar so knapp, dass Nicool es für wichtiger hielt mehr Action und Charaktere zu zeigen und die Handlung leichtsinnig voranzubringen, als seine Charaktere Tiefgang zu geben und die Story mit logischen Zusammenhängen zu erzählen. Somit enthält das Drehbuch viele Lücken, viele Zeitsprünge. Dies wäre nicht schlimm, wenn die neuen Situationen, in der sich die Charaktere auf einmal befinden, nicht auch mangelnde logische Zusammenhänge mit sich bringen würden. Ansonsten sind die Charaktere alle ziemlich flach gehalten. Doch In Time schaft es mit zahlreichen Andeutungen, teilweise etwas versteckt, den Sozialdarwinismus, Jugendwahn, die Bankenkrise usw anzusprechen. Darüber hinaus schaffen es Nicool und der Kameramann Roger Deakins beeindruckende Bilder auf die Leinwand zu zaubern. Der Zuschauer wird somit nicht durch die Dramaturgie der Charaktere, sondern mithilfe der Bilder, die teilweise auch metaphorisch einiges erzählen, mitgerissen. Die jungen attraktiven Schauspieler passen hier perfekt in die Umgebung.

In Time gibt nicht viel Wert auf logische Zusammenhänge und tiefgründige Charaktere, sondern beleuchtet deren Hintergund nur befriedigend. Stattdessen legt Nicool viel Wert auf Action und visuellen Genuss. Timberlake beweist, dass er auch in Actionfilme mithalten kann und Seyfried schafft es auch hier mit ihrer verführerischen und zugleich unschuldigen Art die Blicke, vor allem die männlichen, auf sich zu ziehen. Die Idee Time is Money und die gerade erwähnten positiven Aspekte des Films überzeugen völlig, zudem bleibt der Film durchgehend kurzweilig, sodass ich mir den Film trotz dramaturgischer Mängel gerne erneut (auf Blu-ray) anschauen würde.

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