Die Haut, in der ich wohne (2011)

OT: La piel que habito, The Skin I Live In - 117 Minuten - Drama
Die Haut, in der ich wohne (2011)
Kinostart: 14.10.2011
DVD-Start: 30.03.2012 - Blu-ray-Start: 30.03.2012
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Filmkritik zu Die Haut, in der ich wohne

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Regisseur Pedro Almodóvar ist ein äußerst interessanter Filmemacher, der es immer wieder schafft für Überraschungen zu sorgen. Zwar durchziehen sein gesamtes Werk einige vertraute thematische Fäden, aber letzen Endes gelingt es immer wieder diese geschickt zu verflechten, sodass am Ende doch etwas Neues und Spannendes dabei herauskommt. Auch Die Haut, in der ich wohne passt da gut rein: Der Film wirft den Zuseher in die zu Beginn etwas wirre Erzählung, aber im Laufe des Films fügen sich die Puzzleteile immer besser zusammen, bis schließlich am Ende eine schockierende und sehr gelungene Geschichte erkennbar ist.

Dr. Robert Legard (Antonio Banderas) ist ein engagierter und besessener Arzt, der sich nicht besonders um moralische Grenzen kümmert. Seitdem seine Frau bei einem Autounfall verbrannte hat er sein Leben ganz der Forschung gewidmet: Er ist drauf und dran eine perfekte künstliche Haut zu entwickeln - doch er geht dabei zu weit: Er testet seine Fortschritte an einer geheimnisvollen Frau namens Vera (Elena Anaya), die sein Versuchskaninchen ist und die er rund um die Uhr über diverse Kameras beobachtet. Doch wer ist Vera? Woher kommt sie und warum wird sie von Robert gefangen gehalten?

Die Art wie Pedro Almodóvar seine Geschichte erzählt hat schon etwas sehr beeindruckendes an sich. Er lässt sein Publikum über weite Strecken völlig im Dunkeln tappen und spielt äußerst geschickt mit immer wieder aufflammenden Ereignissen aus der Vergangenheit der Charaktere. Dabei fällt es sehr schwer die Figuren und den Film selbst richtig einzuordnen. Pedro Almodóvar scheint sich nicht wirklich auf ein Genre festlegen zu wollen: Er pendelt äußerst geschickt zwischen Thriller, Drama und Melodram und Die Haut, in der ich wohne funktioniert auf all diesen Ebenen überraschend gut.

Das wirklich großartige am Film ist jedoch wie er es schafft den Zuseher immer wieder vor den Kopf zu stoßen und zu überraschen. Zu Beginn wirkt Pedro Almodóvars Spiel mit den verschiedenen Zeitebenen noch recht verwirrend und der Film erinnert eher an einen etwas unbeholfenen Blinden, der scheinbar ziellos durch die Geschichte irrt. Aber je mehr man schließlich erfährt umso klarer wird, dass die Umwege, die man zuvor für Irrwege gehalten hat, äußerst zielführend waren und der Film sehr wohl genau weiß wohin er schlussendlich möchte. Dies führt zu einer durchaus komplexen Erzählung, die einen aufmerksamen Zuseher erfordert, die aber letzten Endes auch äußerst befriedigend ist.

Ein Gewinn sind auch die beiden Hauptdarsteller Antonio Banderas und Elena Anaya, die beide vor allem die Aufgabe haben ihre Mysterien geschickt in ihrem Inneren zu bewahren, aber dennoch die emotionale Integrität der Figuren aufrecht zu halten, die man im Laufe des Films besser kennen und teilweise auch zu verstehen lernt. Diese geheimnisvolle Aura wird verstärkt durch die Inszenierung von Pedro Almodóvar, der seine Figuren bewusst seltsame, bis unverständliche Dinge tun lässt (die sich aber im späteren Verlauf der Handlung durchaus erklären) und auch nicht davor zurückschreckt Dinge im Unklaren zu lassen.

So gibt es zwar immer wieder kleinere Erklärungen, aber vieles wird auch nur angedeutet, sodass sich der Zuseher auch eigene Gedanken machen kann. Wirklich schön ist aber, dass sich durch die zerfranste Erzählung, die sich selbst kaleidoskopartig in viele verschiedene Häppchen zerteilt, ein zwar fragmentiert-gestreuter aber letztendlich äußerst beeindruckender Blick auf eine schockierende Geschichte ergibt. Pedro Almodóvar ist es also auf Grund seiner sehr mutigen Inszenierung gelungen dem Film einen ganz besonderen Touch zu verleihen. Die Haut, in der ich wohne ist auf Grund der sehr speziellen, eigenwilligen und teilweise verwirrenden Herangehensweise und sehr extravaganten Geschichte sicher kein Film für jeden. Aber da sich rückblickend alle Teile sehr gut zusammenfügen und der Film auch recht lange in Erinnerung bleibt, sollte man ihm unbedingt eine Chance geben.

Fazit:
Die Haut, in der ich wohne ist ein wilder Genremix, ein radikales Spiel mit den Erzählebenen und ein kleines Regielehrstück von Pedro Almodóvar, der hier eindrucksvoll vorführt, dass er immer noch großes Interesse hat auf mutige Art und Weise seine Geschichten zu erzählen. Die eigenwillige Herangehensweise, die extravagante Geschichte und auch die teilweise vewirrende Erzählstruktur sind sicher nicht für jeden geeignet. Aber letzten Endes fügt sich alles ausgezeichnet ineinander und es gelingt dem Film einen sehr starken Eindruck zu hinterlassen. Die Haut, in der ich wohne ist somit sicherlich ein hochinteressanter und vor allem mutiger Film, den man gesehen haben sollte - denn die Faszination des Films lässt sich durch Worte nur sehr schwer erläutern.

Wertung:
7/10 Punkte
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Ø Wertung: 8.1/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 17
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