Contagion (2011)

OT: Contagion - xx Minuten - Action / SciFi / Thriller
Contagion (2011)
Kinostart: 21.10.2011
DVD-Start: 24.02.2012 - Blu-ray-Start: 24.02.2012
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Filmkritik zu Contagion

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Steven Soderbergh (oscarprämiert für Traffic) ist sicherlich einer der wandlungsfähigsten Regisseure Hollywoods. Kaum einer pendelt so geschickt zwischen Massenmarkt und Nische und auch wenn seine Filme in der Regel nicht für jeden geeignet sind, und es am fertigen Werk oftmals einiges gibt was nicht so recht passt, so kann man ihm dennoch nie vorwerfen, dass er sich keine Mühe geben würde. Für alle seine Filme überlegt er sich ein eigenständiges Konzept und versucht neue Wege zu beschreiten. Das geht auch schon mal so weit, dass er für den eigentlichen "Kommerzfilm" Oceans Twelve einen radikalen Stilwechsel gegenüber dem Vorgänger veranschlagt, welcher die Fans naturgemäß vor den Kopf stößt. Obwohl Soderberghs letzte Filme, trotz erneut überlegter Herangehensweise, weniger überzeugten, sollte man den kreativen Filmemacher nicht aus den Augen verlieren. Denn mit dem fiebrigen Viren-Thriller-Drama Contagion ist Soderbergh sein bester Film seit einiger Zeit gelungen.

Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) kehrt von einer Geschäftsreise aus Hong-Kong zurück. Mitgebracht hat sie davon vor allem eine Krankheit, die sich noch als folgenreich für die gesamte Menschheit herausstellen soll: Denn in Windeseile steckt sie auch ihren Sohn an und wenig später sind beide gestorben. Von der Familie bleibt lediglich der Vater Mitch (Matt Damon) übrig, der zunächst in Quarantäne gesteckt wird um sicher zu gehen, dass er nicht ebenfalls vom Virus befallen ist, dass bereits die ganze Welt in Atem hält und zahlreiche Tote verursacht hat. Der beliebte Blogger Alan Krumwiede (Jude Law) war einer der ersten, der die Dimensionen des Virus erkannte und er ist es auch, der den staatlichen Autoritäten wie Dr. Ellis Carver (Laurence Fishburne) in Interviews auf den Zahn fühlt. Dieser hingegen versucht gemeinsam mit Dr. Erin Mears (Kate Winslet) alles mögliche zu unternehmen um die Bedrohung abzuwehren...

Steven Soderbergh hat mit Contagion gleich auf verschiedenen Ebenen direkt ins Schwarze getroffen. Thematisch orientiert er sich an aktuellen Gefahren, die auf verschiedenste Weise immer Wiederkehren und stilistisch findet er äußerst beeindruckende Möglichkeiten um unsere global vernetzte Welt zu portraitieren - dieses Verschmelzen, die digitale und analoge Globalisierung unseres Zusammenlebens, ist auch folgerichtig der heimliche Schwerpunkt des Films. Egal ob durch die weltweite Bedrohung, den fließenden Datenaustausch und die reibungslose Kommunikation quer über den Globus oder die Tatsache, dass Contagion wie ein lokales Kammerspiel wirkt obwohl sich die Handlung über die gesamte Welt verstreut - der Film lässt die Welt zu einem Gesamtwerk zusammenschließen welches erstaunlich nahe an das Leben in unserer Zeit herankommt.

Dies erreicht der Film schon alleine dadurch, dass er sich einer statischen Erzählperspektive kategorisch verweigert. Contagion setzt sich fragmentarisch aus unzähligen Einzelgeschichten zusammen, die allesamt einen etwas anderen Blickwinkel auf die Ereignisse ermöglichen. Aus der Sicht des Staates, der einfachen Famile, der Medien, usw. bekommen wir tiefe Einblicke in die Auswirkungen einer Virenkatastrophe, die von Soderbergh mit ruhiger Hand und kühlem Kopf in Szene gesetzt wird. Charakteristisch ist außerdem, dass beinahe in jedem Handlungsstrang ein Hollywoodstar in Erscheinung tritt, der dem jeweils geschilderten Aspekt einen hohen Wiedererkennungswert verleiht. Sehr schön ist, dass sich die Stars dabei sehr zurückgenommen haben und teilweise in recht kleinen Rollen völlig in den Dienst der Geschichte treten.

Sei es Matt Damon als tragischer Familienvater, der Frau und Sohn verliert und nun wie ein Löwe um das Überleben seiner letzten Tochter kämpft - was in Folge des aufkommenden Versagens der staatlichen Ordnung und dem Ausbruch von Unruhen und Plünderungen immer schwieriger wird, oder Laurence Fishburne und Kate Winslet, die für den Staat gegen den Virus kämpfen und dabei den oftmals blackboxartigen Eintscheidungsprozessen ein Gesicht geben. Alle Darsteller leisten großartige Arbeit, die durch das fantastische Kollektiv, in dem sich keiner über den anderen stellt, noch multipliziert wird. Soderbergh hatte immer schon ein gutes Händchen für seine Schauspieler, aber mit welch besonnenen Kraft er dieses gigantische Ensemble führt ist schon höchst imponierend.

Verbunden werden all diese Fragmente durch einen perfekt getimten Bilderrythmus, der die Einzelschicksale erst zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Soderbergh lässt Menschen, Schicksale, ganze Kontinente ineinander übergleiten. In Kombination mit dem beeindruckenden Soundtrack entsteht so das Gefühl, dass wir direkt am Puls der Zeit sitzen und nach dem Ende des Films ein kleines bisschen besser verstehen wie die Welt eigentlich tickt. Beginnen tut Soderbergh übrigens mit dem zweiten Tag der Epedemie, was ihm die Möglichkeit gibt zunächst genau zu erläutern welchen Verlauf die Geschichte nimmt, bevor er am Ende noch den Auslöser nachreicht.

Wirklich schön ist auch, dass sich Soderbergh trotz der rasanten Bildstafetten und dem Rudel an Stars nicht dazu hinreissen lässt in die klassische Hollywoodfalle zu treten. Obwohl Contagion sehr spannend ist, wirkt er doch nie unglaubwürdig. Soderbergh verhakt seine Geschichte stets in der Realität und man hat ständig das Gefühl, dass all dies ohne Probleme wirklich geschehen könnte: Contagion gelingt es dabei die Balance zwischen realistischem Aufklärungskino und spannungsgeladenem Starkino mit Bravour zu meistern. Einmal mehr positioniert sich Soderbergh zwischen Kunst und Unterhaltung - und im Fall von Contagion geht das Konzept auch voll und ganz auf.

Fazit:
Contagion ist ein stimmiger, realistischer und spannender Virenfilm, der es ausgezeichnet versteht das Leben in unserer vernetzten Welt zu portraitieren. Steven Soderbergh inszeniert eine globale Katastrophe, die sich aber fast anfühlt wie ein Kammerspiel. Mit viel Geschick und angetrieben von einem treibenden Soundtrack verzahnt er die einzelnen Fragmente, die sich so zu einem umfassenden Blick auf die Katastrophe zusammenfügen. Unterstützt wird er dabei von einer beeindruckenden Starriege, die sich von ihrer besten Seite zeigt.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 43
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