Wie man leben soll (2011)

OT: Wie man leben soll - 100 Minuten - Komödie / Drama
Wie man leben soll (2011)
Kinostart: 07.10.2011
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Wie man leben soll

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David Schalko und Kabarettist Thomas Maurer bringen nun mit Wie man leben soll eine Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von Thomas Glavinic in die österreichischen Kinos. Und mit diesem Film zeigen sie uns, dass der österreichische Film noch lebendig ist und  viel Neues zu bieten hat. Die kreative Herangehensweise an den Stoff ist eine Augenweide und macht zwar eine durchaus annehmbare Komödie, doch leider wurde hier nicht das ganze Potential konsequent umgesetzt.

Charlie Kolostrum (Axel Ranisch) ist übergewichtig, liebenswert und hat es schwer mit dem Erwachsen werden. Finanziell unterstützt ihn seine Familie wo es nur geht und vor allem seine Großtante Ernestine (Bibiana Zeller) verwöhnt ihren Charlie wann immer sie ihn zu Gesicht bekommt. Kunstgeschichte soll er studieren, so sein Studienberater (Michael Ostrowski). Also stürzt sich Charlie, gekleidet in schwarzen Mantel und Hut, ins Studentenleben.

Er weiß noch immer nicht wie genau er denn leben soll und auch Ratgeberbücher und tiefgründige Gespräche mit seinem besten Freund Mirko (Robert Stadlober) helfen ihm nicht wirklich weiter. Kaum hat er sich ans Lernen und Feiern gewöhnt, besteht ein Freund darauf, dass er ihn nach Deutschland begleite, um dort als Spendeneintreiber zu arbeiten. Kurz nach seiner Rückkehr nach Österreich lernt Charlie ein aufgeschlossenes Swinger Ehepaar (Josef Hader, Maria Hofstätter) kennen und ehe er sich versieht sitzt er hinter dem Lenkrad eines Taxis und arbeitet für Hans Peter (Robert Palfrader), einem eingefleischten Wiener Taxiunternehmer. Das alles ist ja eigentlich nichts für Charlie, denn der wäre ja viel lieber ein populärer Rockstar...

Produzent, Autor und Regisseur David Schalko, bekannt durch diverse satirische TV-Formate (Sendung ohne Namen, Die 4 da, Willkommen Österreich, Der Aufschneider) ist mit Sicherheit einer der kreativsten Köpfe der österreichischen Filmlandschaft. Und auch in seiner neusten Regiearbeit wird dies bemerkbar. Wie man leben soll strotzt nur so von kreativen Ideen und optischen Finessen. Ein wichtiger Aspekt für die Verfilmung des Romans war vor allem die Idee sich unterschiedlichsten Animationen und visuellen Effekten zu bedienen. So präsentiert sich Charlie Kolostrums Geschichte schmackhaft und kreativ aufbereitet und wir erfreuen uns immer wieder an grandiosen Ideen.

Aber was einerseits auf visueller Ebene makellos funktioniert, ist gleichzeitig auch ein kleiner Fehlgriff. Denn durch die Überladung an optischen Spielereien schafft es die Geschichte nicht sich vollständig zu entfalten und oft wird man aus dieser herausgerissen, um nur wenig später dem Protagonisten wieder dicht auf den Fersen zu sein. Dementsprechend bekommt Charlie auch nicht die durchwachsene Charakterzeichnung die er eigentlich verdient hätte und es bleibt der Eindruck, dass hier einfach etwas fehlt.

Mal abgesehen davon kann Wie man leben soll aber mit einem wunderbaren Ensemble auftrumpfen. Axel Ranisch kann leider nicht ganz überzeugen, dafür bekommt man aber unzählige tolle Nebendarsteller serviert. Michael Ostrowski, Josef Hader, Lukas Resetarits, Robert Palfrader, Armin Wolf, Oliver Baier, Roberto Blanco, Thomas Maurer und sogar David Schalko selbst spielen sich hier förmlich und mit merkbaren Spaß an der Sache die Seele aus dem Leib. Der schnelle und dynamische Schnitt des Films passt ausgezeichnet zu den Animationen und dem Plot. Und auch sonst kann man hier auch wirklich nichts mehr bemängeln. Wie man leben soll ist definitiv nicht Schalkos beste Arbeit. Aber immerhin ist der Film ein gutes Beispiel dafür, dass auch der junge österreichische Film durchaus noch Neues zu bieten hat. Und ein bisschen Abwechslung kann hierzulande ja auch niemandem schaden.

Fazit:
Wie man leben soll hätte zweifellos weitaus mehr aus der Grundidee machen können. Die Story über Charlie Kolostrum, dem das Erwachsenwerden schwer fällt, ist aber vor allem ein optischer Leckerbissen. Etliche Animationen und visuelle Finessen machen Schalkos neueste Regiearbeit zu einem kreativen Coming-Of-Age Streifen made in Austria. Ärgerlicherweise ist eben diese Reizüberflutung auch der Grund dafür, dass die Geschichte nicht ganz funktioniert. Axel Ranisch bietet leider nur eine durchschnittliche Darbietung, dafür können aber insbesondere die Nebendarsteller überzeugen. Der etwas eigenwillige Stil ist sicher nicht jedermanns Sache, aber wer sich davon überzeugen will, dass der österreichische Film noch Einiges zu bieten hat, der wird mit Wie man leben soll sicher bekehrt werden.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013