Blutmond (Manhunter)

OT: -  108 Minuten - Thriller
Blutmond (Manhunter)
Kinostart: 29.01.1987
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Blutmond (Manhunter)

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Die noch zu Michael Manns („Heat“, „Collateral“, „The Insider“) „Miami Vice“ – Zeiten entstandene Roman-Adaption des Thomas-Harris-Roman „Red Dragon“ floppte, trotz oder gerade wegen eines relativ geringen Budgets an den Kinokassen und wurde erst später im Zug von „The Silence of the lambs“ als dessen Vorläufer beachtet. Der sich seinerzeit nicht einstellende Erfolg ist am ehesten mit Manns mal wieder sehr eigenen Inszenierung, die dem Publikum den Einstieg in diese kalte Welt zunehmend erschwert, zu erklären.

Anstatt plakativ die brutale Morden und deren Resultate zu Schockzwecken zu instrumentalisieren, überlässt „Manhunter“ das sichtbare Grauen ganz der Phantasie des Publikums. Deutlich weniger als seine Nachfolger auf die Dämonisierung von Serienkiller Hannibal Lecktor (Brian Cox, „X2“, „The Bourne-Identity“) ausgelegt, erweist sich dieser Streifen als wesentlich tiefsinnigere und anspruchsvollere Auseinandersetzung mit den beiden rivalisierenden Charakteren, als „ Silence of the lambs“, „Hannibal“ oder die zweite Verfilmung „Red Dragon“ es jemals vermochten.

So tritt der Serienkiller (Tom Noonan, „Last Action Hero“, „Robocop 2“) auch erst nach einer Stunde zum ersten Mal in Erscheinung, obwohl bis dato sein Wesen ausführlich analysiert wird. Bis dahin ist es an William L. Petersen („CSI: Crime Scene Investigation“, „Young Guns II“), der in Folge nie wieder zu so einer Leistung fähig war, den Film zu tragen. Als ausgebrannter FBI-Profiler Will Graham, der einst Hannibal Lecktor zur Strecke brachte, sich während der Ermittlungen aber so sehr auf ihn fixierte, dass seine Innerstes tiefe Wunden davon trug, bietet, ob gewollt oder ungewollt, Petersen genau die Portion spröde Unnahbarkeit, um seine Figur glaubwürdig zu machen. Es mangelt ihn, trotz Ausstieg und aller Bemühungen die schmutzigen Gedanken loszuwerden, an einer heilen Beziehung zu seiner Familie - obwohl die Wunden langsam zu vernarbt scheinen. Mit Sicherheit keine Figur, die offenkundig sympathisch erscheint und als Identifikationsfigur dienen kann.

Als dann sein alter Freund und Kollege Jack Crawford (Dennis Farina, „Snatch“) ihn um seine Mithilfe an einer erneuten Mordserie bittet, willigt Graham unter Vorbehalt ein. Einzig und allein wenn er als Berater fungierend im Hintergrund agieren darf, ist er zu einer Zusammenarbeit bereit. Doch zu schnell flammt die alte Obsession wieder auf. In seine selbstzerstörerische Arbeit verfallend, bittet er Lecktor um Rat und wird trotz aller Bemühungen schnell zur Schlagzeile eines Paparazzi. Lecktor, soviel sei erwähnt, hat hier eine wesentlich kleinere Rolle als in den folgenden Filmen, stellt sich jedoch als eine Schlüsselfigur heraus.

Zusammen mit Ausnahmekameramann Dante Spinotti („Heat“, „The Insider“) erschafft Michael Mann einen, bisweilen psychedelischen, Thriller, der sich in seiner Optik kalt, unnahbar und unfreundlich gibt. Mit Farbfiltern und abstraktem, völlig gegen den Strich gebürstetem Zusammenspiel von Ton und Bild ist „Manhunter“ ein nihilistisches, ruhiges Erlebnis, dass hier noch ganz durch sein ungewöhnlichen Inszenierungsstil lebt. Mann lässt hier, im Gegensatz zu seinen späteren Werken, die Reife seiner Dialoge vermissen, punktet aber mit Grahams inneren Monologen, die vor allem in der Anfangsviertelstunde schon viel über das analytische Denken des angeschlagenen Profilers aussagen.

Dieses düstere, surreale Atlanta hat keine Freude zu bieten und zeigt sich als schwer verdaulicher Schauplatz. Ohne auf Actioneinlagen setzen oder mit banalen Schockeffekten den Zuschauer bei der Stange halten zu müssen, zieht Mann die Spannung wie eine Schlinge um den Hals des Zuschauers langsam zu und offenbart dann den hünenhaften, grotesken Tom Noonan als personifizierten Albtraum. Es ist eine kranke, sich nach weiblicher Nähe verzehrende Gestalt, die für die Liebe von einer Frau alles tun würde – eben auch töten. Doch das ist nicht alles. Hinter ihm steckt noch mehr. Er möchte zu einem Gotteswesen werden. Zwar bleibt diese Komponente, verglichen mit dem Roman, mager ausgearbeitet, zusätzliche Komplexität hätte dem Film jedoch mehr geschadet denn gut getan. Alle Aspekte einer Romanvorlage aufzunehmen gestalten sich für filmische Adaptionen immer als sehr schwierig.

Kontinuierlich, mit einer Finte, und ohne zu hetzen, steuert der Plot in der letzten halben Stunde auf die Konfrontation dieser beiden exzentrischen Figuren hinaus. Das erste und letzte Aufeinandertreffen ist in seiner harten, eigenwilligen Inszenierung nah an einem Albtraum. Hier wirft Michael Mann sein ganzes Talent in die Wagschale, lässt einen unkonventionellen Score einwirken und bringt das Grauen schließlich zur Strecke. Wenn sich „Manhunter“ einen Vorwurf gefallen lassen muss, dann dem hin und wieder etwas zu schnell einzelne Kapitel abzuharken. Insbesondere die Verbindung zwischen Lecktor und Dollarhyde (Meister und Schüler?) hätte mehr Platz eingeräumt werden können. Gleiches gilt, zur Vertiefung des Charakters Graham bezüglich der Beziehung zu seiner Frau und besonders zu seinem Sohn. Der Dialog beim Einkaufen war schon ein prima Ansatz.

Fazit:
Atmosphärischer, in seiner kalten, tristen Neooptik schwer zugänglicher, nicht für den Mainstream geeigneter Thriller, der sich an das anspruchsvollere Publikum richtet und konventionelle Schockmomente wie bluttriefende Morde außen vor lässt. Auch wenn Mann in der ein oder anderen Szene seinen Charakteren etwas mehr Zeit hätte gönnen können, bleibt „Manhunter“ eine exzellente Arbeit, die, neben der eigenwilligen Inszenierung, mit guten schauspielerischen Leistungen aufwartet. Für Michael-Mann-Fans allein deswegen schon interessant, weil in diesem noch recht frühen Werk schon einige seiner späteren Markenzeichen zu erkennen sind.

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 5
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