Amores Perros (2000)

OT: Amores Perros - 148 Minuten - Episoden / Drama
Amores Perros (2000)
Kinostart: 01.11.2001
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Amores Perros

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Die meisten Liebesfilme haben einiges gemeinsam: Sie sind kitschig, klischeehaft und laufen alle nach dem gleichen Muster ab, wobei am Ende alles gut ausgeht. Nicht so Amores Perros, das grandiose Erstlingswerk von 21 Gramm Regisseur Alejandro González Iñárritu. Er setzt in seinem Film vor allem auf eine düstere Atmosphäre, die auf bedrohliche Weise Grenzsituationen der Liebe aufzeigt. Der Film ist dabei in drei Episoden unterteilt, die ähnlich wie bei 21 Gramm zeitlich durcheinander gemischt sind und durch einen verhängnisvollen Autounfall in Verbindung stehen. Dabei wird das Hauptaugenmerk des Films nicht wie in 21 Gramm auf Rache ausgelegt, sonder auf die verzweifelten Liebschaften der Hauptcharaktere. Zu beginn sehen wir den alles verbindenden Unfall. Erst nachher werden wir in die einzelnen Episoden eingeführt und erfahren wie der Unfall zustande kommt.

Octavio (Gael García Bernal) lebt mit seiner Mutter, seinem Bruder Ramiro (Marco Pérez) und dessen Frau Susana (Vanessa Bauche) zusammen. Ramiro arbeitet tagsüber in einem Supermarkt, und versucht abends durch Einbrüche zusätzlich etwas Geld zu verdienen. Er behandelt Susans sehr schlecht, und regt damit Octavio zusehend auf. Dieser hat sich nämlich in die Frau seines Bruders verliebt, und will mit ihr weggehen. Durch einen Zufall entdeckt er dass sein Hund, sich sehr gut gegen andere Hunde zu wehr setzen kann. Octavio beschließt etwas Geld bei illegalen Hundekämpfen zu machen und schlägt den ehemaligen Champion immer wieder. Doch dieser will sich das nicht mehr bieten lassen...

Daniel (Álvaro Guerrero) verlässt seine Frau, um mit dem Supermodel Valeria (Goya Toledo) zu leben. Er kauft eine Wohnung, in der sich jedoch ein großen Loch im Fußboden befindet. Bei einem Autounfall wird Valeria schwer verletzt und ihre Modelkarriere hängt am seidenen Faden. Als dann auch noch der Schoßhund von Valeria in das Lock kriecht, und nicht mehr herauskommt, droht die junge Liebe der beiden entgültig an der nervlichen Anspannung von Valeria zu zerbersten...

El Chivo (Emilio Echevarría) hat vor langer Zeit seine Tochter und seine Frau verlassen um Guerillakämpfer zu werden. Er wurde gefasst und ging für 20 Jahre ins Gefängnis. Gemeinsam beschlossen er und seine Frau dass sie ihre Tochter im Glauben lassen sollten ihr Vater wäre tot. Nun arbeitet El Chivo als Auftragsmörder und lebt auf der Straße. Doch er will aussteigen. Bei seinem letzten Auftrag sollte er den Halbbruder seines Klienten umbringen. Doch stattdessen nimmt er beide gefangen, legt eine Waffe zwischen sie und lässt sie entscheiden was sie tun wollen...

Amores Perros kann man mit einem Wort beschreiben: Grandios! Der Film wurde überall als Wachablösung für Pulp Fiction als bester Episodenfilm angekündigt. So weit würde ich zwar nicht gehen, aber in Punkto Aussagekraft und Brutalität schlägt er das Vorbild um Längen. Die emotional tiefgreifende Geschichte wirkt wie eine soziale Studie von verliebten Menschen in Extremsituationen. Die Kameratechnik und der Schnitt greifen dabei wie Zahnräder ineinander und unterstützen den fast Dokumentarfilmartigen Hauch des Filmes. Dabei sind alle drei Episoden geschickt miteinander verwebt worden. Trotz der komplexen Handlung, und der komplizierten Erzählstruktur ist der Film nicht so schwer anzusehen wie 21 Gramm.

Amores Perros ist brutal und unbarmherzig. Ein Happy End wird keinem vergönnt. Alle Protagonisten erfahren aus nächster Nähe wie viel Leid die Liebe, bzw. der Verlust dieser mit sich bringen kann. Dabei setzt Alejandro González Iñárritu auf gut ausgearbeitete, vielschichtige Charaktere, die glaubhaft erscheinen und von sehr guten Darstellern verkörpert werden. Das Highlight des Films ist zweifellos der skurrile El Chivo, der zwar ohne zu Zögern einen Menschen töten kann, aber nicht im Stande ist einen Hund umzubringen. El Chivo wird grandios von Emilio Echevarría verkörpert, der uns die Rolle des komplexen Hundeliebhabers, der eigentlich nur seine Familie zurück will sehr gut ins Herz spielt. Generell sind Hunde eine wichtige Komponente des Films. Sie stehen den Protagonisten treu zu Seite und dienen ihnen als Freunde in einer Notlage. Octavio muss seinen Hund bei Hundkämpfen einsetzen, um seiner Liebe eine Zukunft zu ermöglichen. El Chivos einzige Freunde sind Hunde, die er auf der Straße aufsammelt und gesund pflegt. Valeria dreht fast durch als ihr treuer Schoßhund nicht mehr auftaucht. Diese ganzen Szenen weißen den Hunden eine beinahe so große Bedeutung wie den Menschen zu. Auf diese Weise wollte uns Alejandro González Iñárritu vielleicht zu denken geben, dass wir die Natur als mehr als nur den Menschen sehen sollten, sondern auch anderen Lebewesen mehr Zuwendung schenken sollten.

Amores Perros ist technisch brilliant gedreht und besitzt künstlerischen Wert. Die Aussage des Films gibt wirklich zu denken und die fantastischen Charaktere tun ihr übriges um den Film zu perfektionieren. Der Film hält einen Spiegel vor unsere Gesellschaft und zwingt uns in unsere tiefsten Abgründe zu sehen. Ein Meisterwerk! Der ganze Film ist eine Ballade aus Liebe, Hass und Verzweiflung die des öfteren näher zusammenliegen als man es zu erst vermuten würde. Alejandro González Iñárritu legte hier den Grundstein den er für 21 Gramm weiter ausgebaut hat: Er setzt auf absolut realistische Charaktere, verzichtet gänzlich auf Pathos und Zeigefingermoral und verleiht seinen Charakteren Tiefe, ohne jemals in eine Art von Schwarz-Weis Kontrast zu geraten. Es folgen alle Figuren einem aus ihrer Sicht vernünftigen Muster und besitzen keinesfalls nur gute, oder nur böse Eigenschaften. Dies verleiht dem Film zusätzlich Realismus und verdichtet die ohnehin schon enorme Atmosphäre noch zusätzlich.

Der Dreh und Angelpunkt der Geschichte ist ähnlich wie in 21 Gramm ein Autounfall, der das Leben aller Beteiligten für immer verändert und die drei Storyfäden miteinander verknüpft. Dabei ist es sicher nicht zufällig das Alejandro González Iñárritu ein katastrophales Ereignis wählt um die Handlungen zu verbinden. Wie uns die Geschichte gelehrt hat bedarf es zuerst einer Katastrophe um die Menschen zueinander zu bringen . Dabei bleibt die Geschichte über die volle Spielzeit außerordentlich spannend  und lässt nicht ein einziges Logikloch aufreißen. Die Story wird ausschließlich aus den Augen der Hauptprotagonisten erzählt. Auf Nebenfiguren wird so gut wie gar nicht eingegangen. Dies bewirkt eine große Verbundenheit des Zusehers mit den Hauptfiguren, und gleichzeitig lässt es eine unglaublich Charaktertiefe zu. Es wird sich sehr viel Zeit für die Entwicklung der Charaktere genommen und somit die soziale Aussage durch konkrete Analysen untermauert. Alejandro González Iñárritu zeigt nichts was den Hauptfiguren egal wäre. So verzichtet er zum Beispiel darauf das Schicksal der beiden Brüder zu zeigen die El Chivo gegeneinander antreten lässt. Da es ihm egal ist was mit ihnen passiert und er sich nur um seine Tochter kümmert, wird die Geschichte auch in diese Richtung weitergelenkt.

Fazit:
Amores Perros ist Alejandro González Iñárritus Meisterwerk und stellt sich noch über 21 Gramm ein. Die Geschichte wirkt realistisch, und fesselnd zugleich. Der Zuseher wird förmlich aufgesogen von der enorm komplexen Handlung und den fabelhaften Charakteren. Unbedingt Ansehen!

Wertung:
10/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 26
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