Restoration - Zeit der Sinnlichkeit (1995)

OT: Restoration - 117 Minuten - Biographie / Drama / Geschichte / Romantik
Restoration - Zeit der Sinnlichkeit (1995)
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu Restoration - Zeit der Sinnlichkeit

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Auf den ersten Blick ist Restoration ein klassischer Fall für Fans von Kostümfilmen. Sieht man jedoch ein zweites Mal hin, entdeckt man ein recht charmantes Filmstück. Filme, bei denen Michael Hoffman am Regiestuhl sitzt, lösen bei Kritikern nicht unbedingt Begeisterungsstürme aus. Meistens bewegen sie sich im guten Mittelfeld. Dennoch muss man ihm eines lassen. Schon bei seinen Anfängen in den Achtzigern, schaffte es Hoffman immer wieder eine Schauspieltruppe vor seine Linse zu bringen, die sich sehen lassen kann.

Im London des 17. Jahrhunderts, wird der vielversprechende Arzt Robert Merivel (Robert Downey Jr.) von König Charles II. (Sam Neill) zu Hofe gerufen, um dessen Cocker Spaniel zu retten. Zum Dank genießt Merivel fortan die Gunst und Großzügigkeit des Königs. Außerdem soll Merivel die Mätresse des Königs heiraten, um Streitigkeiten mit einer anderen Mätresse zu verhindern. Einzige Bedingung: er darf sich nicht in sie verlieben. Die Lage verschlechtert sich, als Merivel seiner eigenen Frau verfällt und der König dies herausfindet. Daraufhin entzieht Charles II. Merivel dessen Position und Reichtum. Wieder dort angelangt, wo alles angefangen hat, macht er sich auf eine Reise und findet heraus, was es wirklich heißt Arzt zu sein.

Man muss schon sagen, dass der Film allein durch die Besetzungsliste besser geworden ist, als er es womöglich geworden wäre. Insbesondere ist es Robert Downey Jr. zu verdanken, dass Restoration sich von der Vielzahl an Kostümfilmen abhebt. Downeys Charisma und sein Talent seinen Rollen immer die richtige Portion an Humor und Ernsthaftigkeit angedeihen zu lassen, bringt die Zuseher dazu hinsehen zu wollen. Bei den Begegnungen mit seinen Gegenparts, gespielt von großen Namen wie Meg Ryan, Sam Neill, David Thewlis, Ian McKellen und Hugh Grant, entsteht ein reifes Schauspiel von außergewöhnlicher Qualität.

Die eigentliche Geschichte ist zwar nicht besonders komplex, aber auch nicht banal. Das Besondere an Restoration ist, dass man sich allein auf die Hauptfigur konzentriert hat. Es geht um einen Mann, der auf der Suche nach seiner Bestimmung ist, jedoch mehrere Umwege machen muss, um sie zu finden. Downeys Figur wirkt dabei in seinem Handeln sehr sympathisch und angenehm. Vor allem weil Merivel sich selbst seiner besonderen Ausstrahlung unbewusst ist. Es scheint, als mache ihn seine Bescheidenheit umso zugänglicher. Sowohl für die Antagonisten im Film, als auch für die Zuseher. Ein Arzt ohne Berührungsängste, der zudem sehr fortschrittlich denkt, ist im 17. Jahrhundert nicht nur vorbildlich, sondern geradezu triumphal, was ihn automatisch zu einer hervorstechenden Figur macht. Der starke Bezug zur Hauptfigur wird nicht zuletzt auch durch zahlreiche Großaufnahmen von Merivels Gesicht betont.

Schon der Titel (Zeit der Sinnlichkeit) fasst die erzählerische Tiefenwirkung wunderbar zusammen. Nicht nur in der Medizin nimmt sich Merivel Zeit für Sinnlichkeit in Form von Berührung. Ist er doch einer der wenigen, der sich traut, Kranke nicht nur menschlich, sondern auch physisch zu berühren. Auch geht es für ihn um das Finden ehrlicher Liebe und darum, das sinnhafte Wirken seines Lebens zu definieren. Der originale Titel Restoration bedeutet nicht nur übersetzt eine „Erneuerung“. Auch hier zeichnet sich bereits eine Restauration von festgefahrenen barocken Denk- und Lebensweisen ab.

Nebst allen Vorzüge der Hauptfigur und einem wunderbaren Handlungsbogen, bietet der Film auch unterhaltende Elemente und visuelle Vorzüge. Denn obwohl Set-Design und Kostüme ausnahmsweise nicht vordergründig sind, werden die Charaktere in ihren figurierten Lebensweisen und durch ihre lebendige Einbindung in den historischen Kontext, zum optischen und charakterlichen Spiegelbild der barocken Epoche.

Fazit:
Ein hingebungsvoller Robert Downey Jr. und ein wunderbar harmonisierender Cast bilden den Schimmer eines fast vergessenen Filmjuwels. Was Restoration auszeichnet, ist, dass diesmal nicht Kulissen oder historisches Faktenwissen im Vordergrund stehen. Stattdessen bietet der Film eine sympathische Hauptfigur, die erst in Interaktion mit den Menschen aus ihrem Umfeld zu wachsen beginnt. Dabei bleibt sie durchgehend authentisch und so einnehmend, dass sie es schafft den Zuseher für sich zu gewinnen.

Wertung:
7/10 Punkte
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