Die Verurteilten

OT: -  142 Minuten - Gefängnis / Drama
Die Verurteilten
Kinostart: 09.03.1995
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Verurteilten

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Wenn man an die Adaption eines Stephen-King-Romans denkt, erwartet man in erster Linie Horror. „The Shawshank Redemption“ ist eine Ausnahme des “Master of Horror”. Einmal nicht von höllischen Grausamkeiten schreibend, fühlte er sich auf fremden Terrain derartig wohl, dass Regisseur und Drehbuchautor Frank Darabont („Black Cat Run“, „The Green Mile“) aus dem Stoff das Besondere extrahieren und auf Zelluloid bannen kann.

In seiner zutiefst altmodischen, gemächlichen Erzählweise, passt der Film gar nicht in das flotte Kino der Neunziger. Es ist großes Schauspielerkino, dass, von einem hervorragenden Drehbuch angetrieben, alles gibt, wofür sich die Zuschauer erkenntlich zeigten. Dabei bietet das im Amerika der Dreißiger Jahre spielende Drama gar keine neue Ideen, sondern konzentriert sich ganz auf das Schicksal Andy Dufresnes (Tim Robbins, „Mystic River“, „Arlington Road“). Urplötzlich wird er aus seinem geregelten Leben gerissen, als er des Mordes an seiner Frau angeklagt, verurteilt und lebenslang weggeschlossen wird. Ehe ihm bewusst wird, dass er sein Leben hinter Gittern verbringen muss, sitzt er im Knast und fristet ein zunächst jämmerliches Dasein.

Wie in kaum einem anderen Gefängnisfilm sollen die Charaktere (bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt) ans Herz wachsen. Obwohl sie alle mächtig etwas auf dem Kerbholz haben, sind sie Menschen geblieben, die ihren Fehler bereuen und sich so gut wie möglich arrangieren. Deutlich wird Kritik am Justizsystem laut, dass seinen Direktoren und den Wärtern (u. a. ein harter, aber nicht unsympathischer, Clancy Brown (Zim („Pack’ die Hand an die Wand“) aus „Starship Troopers“), zumindest zur damaligen Zeit, totalitäre Kontrolle über die Häftlinge gewährte. Neben Ausbeutung und ewigen Diskriminierungen standen Vergewaltigung (etwas klischeehaft, aber leider wahrheitsgemäß) und Prügel auf dem Programm. Die Aufseher schauten stets weg, wenn die Hackordnung neu ausgefochten wird.

In dieser Welt hat Dufresnes zunächst Mühe sich zurecht zu finden, freundet sich aber mit dem längst resignierten Ellis Boyd „Red“ Redding (Morgan Freeman, „Se7en“, „Unforgiven“) an. Der kann alles besorgen und hilft auch Andy. Durch ihn lernt er, wie er sich verhalten muss, um mit möglichst heiler Haut dieses Leben zu überstehen. Seine Intelligenz hilft ihm dabei. Aus kleinen Gefallen für die Wärter wird schließlich ein Job für den Direktor (Bob Gunton, „Demolition Man“). Der erniedrigt ihn zu seinem Diener, doch Andy macht für ihn die gesamte Buchhaltung und wäscht nebenher auch noch Schwarz- und Bestechungsgeld.

Neben hart erkämpften Privilegien wird immer wieder die Unverdaubarkeit eines so langen Gefängnisaufenthalts thematisiert. Entlassene Häftlinge finden sich nach all den Jahren nicht mehr in der sich gewandelten Gesellschaft zurecht. Wie auch, wenn man nur noch für niedere Jobs in Frage kommt und die selbst gesteckten Ziele im Gefängnis, gegen ein sinnloses Leben in der Freiheit ausgetauscht werden. Den Hauptteil des Films machen aber die Protagonisten und ihre Gespräche aus. Irgendwie schweißt das gemeinsame Schicksal diese zum Teil völlig unterschiedlichen Männer zusammen. Sie gehen dem Zuschauer zu Herzen, obwohl es alles Schwerverbrecher sind. Jedem wird der Raum zugestanden, den er benötigt, um sich als Individuum und nicht als klischeebehafteten Insassen zu etablieren.

Begierig nimmt man den Film auf, hofft trotz Überlänge auf weitere Stunden. „The Shawshank Redemption“ soll später seinen doppelt überraschenden Abschluss finden und ist damit in sich perfekt abgeschlossen, doch bis dahin ist es ein langer und steiniger Weg, auf dem die Hoffnung für die einen stirbt und für andere weiterlebt. Dabei lebt das Szenario vor allem von dem brillant aufspielenden Cast, der sich hier komplett für seinen Regisseur ins Zeug legt - und das spürt der Zuschauer. Selten wurde sich dem Leben im Gefängnis, der täglichen Routine und den sich während dessen entwickelnden Charakteren soviel Platz zugestanden.

Seinen Anspruch nicht nur ein unterhaltsamen, sondern auch tiefsinniges Drama zu drehen, lässt Darabont dabei nie außer Acht. Die Figuren hinterfragen sich und ihre Tat. Haben sie ihr Schicksal nicht verdient? Haben sie ihre Schuld bezahlt? Dürfen sie überhaupt wieder in die Freiheit entlassen werden oder haben sie ihr jetziges Leben nicht auch verdient?

Fazit:
Großartiger Crowd Pleaser, der mit sich einem intelligenten Skript und einem großartig aufspielendem Cast in die Herzen der Zuschauer katapultiert. Zurecht stets mir Lob überschüttet, ist „The Shawshank Redemption“ erstklassig erzähltes Kino, dass schon jetzt als Klassiker durchgehen kann. Zeitlos ist er gewiss und von Qualität sowieso. Anschauen, hinein versetzen und sich zweieinhalb Stunden in eine andere Welt begeben.

Wertung:
9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 9.2/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 84
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