Scarface

OT: -  170 Minuten - Gangster / Drama
Scarface
Kinostart: 09.03.1984
DVD-Start: 08.09.2011 - Blu-ray-Start: 08.09.2011
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Filmkritik zu Scarface

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In seiner Karriere hat Brian De Palma neben Bockmist wie „Mission to Mars“ einige höchst eindrucksvolle Werke gedreht. Neben „The Untouchables“ gehört „Scarface“ mit Sicherheit zu seinen Höhepunkten. Dank der hervorragenden Besetzung, des schwülen Miami-Flairs und unvergesslich inszenierten Momenten kommt man auch heute kaum noch an diesem überlangen Gangsterdrama vorbei. „Scarface“ gehört zu den Filmen, die ihren legendären Ruf vor allem ihrem Hauptdarsteller zu verdanken haben. Der junge Al Pacino („Heat“, „The Insider“) gibt den kubanischen Emigranten Tony Montana so energiegeladen, als hätte er sein ganzes Leben nichts anderes vorgehabt, als sich auf diese Rolle vorzubereiten. Dieser Montana gehört zu den „Auserwählten“, die Fidel Castro 1980 auswandern ließ, wobei er sich gleich einen Haufen Krimineller entledigte, die nun nach Amerika, genauer Florida übersetzten, um dort schnell die lokalen Behörden zu belasten. Montana entdeckt die Möglichkeiten dieses Landes und beginnt sie schnell zu begreifen und für sich zu nutzen.

Dabei ist Montana kein Denker, sondern ein heißblütiger Kubaner, der sich von seinen Emotionen führen lässt und aus dem Bauch heraus entscheidet. Pacino wankt hier als ein brodelnder, jähzorniger und cholerischer Vulkan, der ständig kurz vor dem Ausbruch steht und dann auch irgendwann ausbricht, durch den Film. Kaum jemand beherrscht diese Fähigkeit jede Szene mit seiner aufdringlichen Präsenz auszufüllen und damit alles andere zur Seite zu drängen. Sein Schauspiel tat nicht jedem seiner Filme gut, oft wäre Zurückhaltung angebracht gewesen, doch hier ist sie zwingend von Nöten, um diesen Charakter so lebendig werden zu lassen. Von Beginn an skrupellos vorgehend, schreckt er vor keiner Gewalttat zurück und kauft sich dank eines Mordes in die Organisation des Drogenhändlers Frank Lopez (Robert Loggia, „Zwei Missionare“, „Prizzi's Honor“). Dank seiner Kaltblütigkeit, seines Temperaments und seiner Ehrlichkeit wächst der respektlose Handlanger zu einer feste Größe.

„Scarface“ beschreibt den schnellen Aufstieg und schließlich den Fall dieses geldsüchtigen Individuums, das später rücksichtslos die Konkurrenz angreifen soll und korrupte Bullen lieber abknallt, anstatt sie zu bezahlen. Die weitere Geschichte selbst ist mit Sicherheit nicht übermäßig gewieft, aber Brian De Palma rettet es mit seiner harten Inszenierung, der dank der musikalischen Begleitung von Giorgio Moroder („Midnight Express“, „Top Gun“) Surrealität anhaftet. Angefangen beim erschreckend intensiv und grausam gefilmten Lehrgeld, das Montana zu Beginn zahlen muss, als er von Kolumbianern aufs Kreuz gelegt und sein Partner mit einer Kettensäge zerlegt wird, bis zum bleihaltigen Schlussshowdown, weicht De Palma nicht von seinem kompromisslosen Bilderstil ab – und das ist mitunter harter Tobak.

Während die Nebenfiguren wie seine naive Schwester Gina (erste Rolle: Mary Elizabeth Mastrantonio, „The Abyss“, „Robin Hood: Prince of Thieves“), seine spätere, drogensüchtige Hausnutte Elvira (Michelle Pfeiffer, „Tequila Sunrise“, „Dangerous Minds“) oder sein bester Freund Manny Ray (Steven Bauer, „The Beast of War“, „Terminal Voyage“) im Grunde nur auf die Wandlung Montanas reagieren, macht jener eine wirkliche Entwicklung durch. Vom jungen, zielstrebigen Drogendealer, der bald ein eigenes Imperium aus dem Boden stampft und den besten Anwalt Miamis in der Tasche hat, bleibt letztlich ein nicht nur paranoider, sondern auch einsamer Charakter übrig, dem sein letztes Fünkchen Menschlichkeit den Untergang bescheren soll.

Bis dahin ist es jedoch ein langer Weg, der ganze 160 Minuten dauern soll und die werden auch voll ausgenutzt. Man mag „Scarface“ sicher Konventionalität vorwerfen können, langweilig ist er dank De Palma und selbstverständlich Pacino jedoch nie. Oliver Stones Screenplay fehlen die Twists, weswegen man den Film auch sehr schnell vorhersehen kann, doch das macht er durch seinen unbeschönigende Darstellung wieder wett.

Montana hat mehr Geld als er ausgeben kann, doch seine Vergangenheit kann er nicht rückgängig machen, weswegen seine Mutter den verdorbenen Sohn auch nicht sehen und kein Geld von ihm annehmen will. Bei aller Macht gelingt es ihm in seiner kapitalistischen Obsessivität, seinem Verlangen nach Reichtum, nie eine Ehe zu führen und sich auf gesellschaftlicher Basis eine Existenz aufzubauen. Dafür fehlt ihm die Ruhe und vor allem die geistige Reife. Stets lässt der Mann sich von seinen Emotionen lenken, anstatt auch nur einmal nachzudenken. Hitzige Wortgefechte sind sein Ding und nicht ernsthafte Dialoge. Die überschäumende Egozentrik und seine Ellenbogen-Methoden mögen seinen Ruf gefördert haben, doch sind ihm hier nur noch im Wege.

Prägend hierbei ist das, später von „Miami Vice“ so stilsicher umgesetzte Miami-Flair, das seine ganz eigenen traumhaften Kulissen in diesem Albtraum unterbringt. Diese schwüle Hitze, der exklusive Luxus und das dort nie ruhende Leben üben eine ganz eigene Magie auf den Zuschauer aus. Insbesondere innerhalb der Luxusvilla zieht De Palma dabei ein paar wirklich extravagante Shots aus dem Ärmel.

Fazit:
Das Remake des Howard Hawks-Klassikers darf sich zu den besten Gangsterdramen zählen, die Hollywood jemals herausgebracht hat. Unter Brian De Palma läuft Al Pacino hier zu Topform auf, dank der attraktiven Inszenierung werden die 160 Minuten auch nie langweilig und die blutigen, wenn auch dosierten Actionszenen erledigen den Rest. Zu knabbern hat man hier nur an den zu kurz kommenden Nebencharakteren und der zu durchsichtigen Story. Nie episch oder wegweisend, doch dafür sehr unterhaltsam.

Wertung:
8/10 Punkte

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