Das Vermächtnis der Tempelritter

OT: - 130 Minuten - Abenteuer
Das Vermächtnis der Tempelritter
Kinostart: 25.11.2004
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das Vermächtnis der Tempelritter

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Die halbe Filmwelt lechzt „Indiana Jones 4“ entgegen. Das weiß auch Jerry Bruckheimer und weil Steven Spielberg, George Lucas und Harrison Ford terminlich einfach nicht zu Rande kommen, produziert er mal fix mit schnellem Geld einen Appetithappen für zwischendurch. Funktioniert hat es überraschend gut, nach „King Arthur“ musste aber auch wieder etwas passieren. Überraschende 170 Millionen Dollar an den Kinokassen und soweit zufrieden gestellte Kritiker (bei Bruckheimer ja eher selten der Fall) sprechen für sich.

In der Tat hat Regisseur Jon Turteltaub („Instinct“, „The Kid“) nun wahrlich kein Garant für potentielle Blockbuster, hier einen soweit flotten Klon abgeliefert, der genau in die Indiana Jones-Kerbe schlägt, aber natürlich nie dessen Charme erreicht. Das war hier aber auch nie das Ziel. Turteltaub hat sich die Filme von Bruckheimers abtrünnigen Ziehsohn Michael Bay (Geht diesen Sommer mit „The Island“ zum ersten Mal ohne Bruckheimer an den Start) gut angesehen und so gibt es Tempo, viel Tempo und noch mehr Tempo, eine geleckte Hochglanzoptik und dazu Trevor Rabins Score, der hier genauso auf die Tube drückt wie bei „Armageddon“ und „Bad Boys II“ (Genau, 2x Bay). Halt genau das, wofür der Name Bruckheimer garantiert.

Wie Christopher Plummer („The Insider“, „Dracula 2000“) auch gleich zu Beginn in einem erzählerischen Flashback durch die Menschheitsgeschichte mitteilt, geht es bei „National Tresure“ (Oh Wunder) um einen unschätzbar wertvollen Schatz, der im Verlauf der Jahrhunderte ordentlich Zuwachs bekam, bis heute aber unentdeckt blieb, weil er unter den Fittichen der Freimaurer weggemauert wurde. Der Ort bleibt bis heute verrätselt und weil die Hinweise niemand deuten kann, glaubt an die Existenz dieses Schatzes auch niemand mehr. Bis auf Ben Gates (Nicolas Cage, „The Rock“, „Face/Off“) und der hat es zu seiner Lebensaufgabe gemacht eben diesen Batzen Geschichte aufzuspüren.

Jon Turteltaub hält den Effektbombast flach und verlässt sich ganz auf die Prämisse, wechselt nach einem erst frostig, dann heißen Auftakt im ewigen Eis nach Washington, DC und lässt Gates gegen Widersacher Ian Howe (Sean Bean, „Patriot Games“, „Ronin“) antreten – im Gepäck seinen comedian Sidekick Riley Poole (Justin Bartha) und die zunächst renitente, dann selbst vom Fieber gepackte Geschichtlerin Abigail Chase (Diane Kruger, „Michel Vaillant“, „Troy“). Alsbald entbrennt eine Hetzjagd quer durch die Stadt. Immer wieder wechseln die Parteien sich an der Führungsposition ab. Es gilt Hinweise zu deuten, die nächsten Anhaltspunkte zu finden und immer wieder Ian und seinen Häschern (u.a. Hackfresse Oleg Taktarov, „15 Minutes“, „44 Minutes: The North Hollywood Shoot-Out“) zu entkommen, denn die gehen, um an ihr Ziel zu gelangen, sehr rabiat zur Sache. Angesichts des hohen Tempos fallen die paar Klischees zwar nicht so ins Gewicht, nur schade, dass zugunsten des Tempos der prominente Supportcast um Jon Voight („Deliverance“, „The Odessa File“) und Harvey Keitel („Reservoir Dogs“, „From Dusk Till Dawn“) regelrecht aufgerieben und verschenkt wird.

„National Treasure“ bleibt während seiner zwei Stunden oberflächlich, dafür aber unterhaltsam. Solche Bond-like Einbrüche gehen mitunter zwar etwas problemlos vonstatten, im Dienste der Unterhaltung stört das hier allerdings nicht ganz so. Immerhin zeigt man sich nicht zuletzt dank Helferlein Riley technisch erfindungsreich und selbstironisch. Nicht jeder seiner Kommentare sitzt, meistens passen seine Bemerkungen jedoch. Was man von Diane Kruger (leider wieder selbst synchronisiert) leider nicht sagen kann. Die Frau kann zwar gut aussehen, aber nicht gut schauspielern und ihre Romanze zum Schluss mit Nicolas Cage wirkt so was von mühsam hineingedrückt, das die Füllhalter quietschen. Schade auch um Sean Bean, der unter dem Disney-Konzern auch nicht richtig böse werden darf und damit hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt, während Nicolas Cage solche Rollen nun schon wie im Schlaf beherrscht.

Für eine Bruckheimer-Produktion bleibt „National Treasure“ überraschend einfach und fährt auch im Finale nicht irgendwelche CGI-Bastionen auf, um zu beeindrucken. Nein, Turteltaub bleibt am Boden und das tut dem Film auch gut. Die Faszination die sich hier aus uralten Hinweisen, entzifferten Schriftstücke und gelösten Rätseln entweicht, hat nämlich etwas ungemein Eigenes, Altes, Liebgewonnenes an sich. Der Streifen atmet nie die Luft der Klassiker, macht aber verdammt viel Hunger auf diverse Dschungelabenteuer der Achtziger. Wie die Einspielergebnisse bewiesen, lag man mit dem Konzept auch gar nicht mal so falsch. Vor allem der Schluss im morschen Niemandsland unter der Stadt (wunderbar knarzig mit Spinnweben verhangen) überzeugt Nostalgiker in dieser Hinsicht.

Sicher, man kann sich darüber aufregen, dass der neunmalkluge Ben hier jeden Hinweis ohne Umschweife entschlüsselst und das die gesamte Chose so aufgeköchelt wurde, dass sie es sich stets einfach machen kann. Ein bisschen stören tut das tatsächlich, den Filmspaß wirklich trüben hingegen nicht. Nur zu den Großen des Genres reicht es halt nicht hinauf. Ich glaube solche Ambitionen hegten Bruckheimer und Turteltaub auch nie.

Fazit:
Rundumsorglosabenteuer made by Bruckheimer, so lässt sich „National Treasure“ am ehesten beschreiben. Turteltaub kredenzt hier schnörkelloses Powerplay mit hohem Tempo. Inhaltlich erwartend mau, gestaltet sich das oberflächliche Abenteuer als akzeptables Fastfood um kurzfristig seinen Hunger auf „Indiana Jones 4“ zu stillen. Bleibt nur die Frage, ob man Indy wirklich noch mal erwecken oder ihn nicht für immer ruhen lassen sollte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wertung:
6/10 Punkte


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Ø Wertung: 6.8/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 28
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