Apocalypse Now: Redux

OT: -  194 Minuten -  Antikriegsfilm
Apocalypse Now: Redux
Kinostart: 04.10.1979
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 05.01.2012
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Filmkritik zu Apocalypse Now: Redux

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Captain Benjamin L. Willard (Martin Sheen) bekommt den Auftrag auf dem Fluss durch Vietnam zu reisen um nach Kambodscha zu gelangen. Dort soll er den angeblich wahnsinnig gewordenen, hoch dekorierten Colonel Walter E. Kurtz (Marlon Brando) finden und töten. Der Auftrag ist Top Secret und zu Beginn weiß nicht einmal die Besatzung des Bootes was eigentlich ihr Ziel ist. Nun beginnt für alle eine psychologische Reise in ihr Unterbewusstsein in der sie das Grauen des Krieges kennen lernen werden...

 

Francis Ford Coppola widmete sich nach den ersten beiden Der Pate Teilen, die sowohl von der Kritik, als auch vom Publikum begeistert aufgenommen wurden, diesen hoch brisanten Stoff rund um den Vietnamkrieg. Der Film wurde zum Produktionstechnischen Fiasko. Francis Ford Coppola mietete eine eigene Insel um sein Traumprojekt zu verwirklichen, schmiss das Geld nur so zu Fenster hinaus und landete mit Apocalypse Now ein finanzielles Debakel.

 

Dem künstlerischen Wert des Filmes tut dies allerdings keinen Abbruch. Apocalypse Now ist der wahrscheinlich beste Antikriegsfilm aller Zeiten. Dabei ist er nicht einmal ein reiner Antikriegsfilm. Viel mehr stellt er die komplexe psychologische Analyse einer kleinen Truppe in Vietnam dar. Als Zuseher erlebt man nur die Reise von Chief (Albert Hall), Lance (Sam Bottoms), Chef (Frederic Forrest), Clean (Laurence Fishburne) und Captain Benjamin L. Willard. Es wird vom Krieg um sie herum nur so viel gezeigt wie auch diese Gruppe wahrnehmen kann. Dabei treffen sie zum Beispiel auf den Surfsüchtigen Lieutenant Colonel Bill Kilgore (Robert Duvall), der eine vietnamesische Stadt nur angreift weil es dort gute Wellen zum Surfen gibt.

 

Auf der Reise beschäftige sich Captain Miller mit der Akte von Colonel Kurtz und beginnt ihn mehr zu bewundern. Dabei gleicht es auch schon einer Farce jemanden in einem Krieg wegen Mordes zu verurteilen.

 

Doch Apocalypse Now ist trotz vieler Kriegsszenen nicht als Actionfilm zu bezeichnen. Der Film bleibt die psychologische Analyse der Truppe rund um Captain Miller. Man sieht in das Böse der menschlichen Seele und entdeckt die dunklen Abgründe die in jedem von uns lauern. Dabei wirkt die Reise zu Kurtz beinahe wie eine Zeitreise in unsere eigene Vergangenheit. Je näher die Gruppe sich der Festung von Kurtz nähert umso animalischer wird die Situation. Die Regeln der Zivilisation werden vergessen und das Tier im Manne wird hervorgeholt. Beim erreichen von Kurtz Lager ist die Reise abgeschlossen. Nun ist man entgültig wieder in die Steinzeit versetzt. Die Heerscharen sind nur mit Lendenschurz bekleidet und verteidigen sich mit Pfeil und Bogen. Unter diesen Wilden hat der scheinbar wahnsinnige Kurtz seinen Thron errichtet und herrscht nun über sie. Dabei übt dieser auf alle rund um ihn eine solche Faszination aus das sogar der Mann der vor Captain Willard geschickt wurde um ihn zu töten, nun auf der Seite von Kurtz steht.

 

Apocalypse Now baut gekonnt die Spannung und das Mysterium eines Feindes auf der in Wirklichkeit gar kein Feind ist. Während der ganzen Zeit auf dem Boot werden nur Bilder von Kurtz im halbdunkeln gezeigt, die von Martin Sheens Stimme aus dem Off kommentiert werden. Somit wird Schritt für Schritt ein Mythos um diesen Mann geschaffen, der seinen Höhepunkt findet als Marlon Brando nach über 2,5 Stunden das erste Mal auf der Leinwand erscheint. Colonel Kurtz ist schließlich die Vollendung der Reise durch die Hölle. Das Grauen hat ein Gesicht.

 

Trotz dieser tiefpsychologischen Grundbetrachtungsweise bietet Apocalypse Now einige wirklich bombastisch inszenierte Szenen. Besonders hervorzuheben ist hier der Angriff mit den Helikoptern im Morgengrauen, musikalisch mit Wagners Ritt der Walküren unterlegt. Diese Szene ist nicht nur die denkwürdigste Szene des Filmes, sondern eine der besten Filmszenen aller Zeiten. Der Beginn des Filmes ist auch zu erwähnen als man Kampfhandlungen sieht die mit „This ist the End, my friend" von The Doors unterlegt ist.

 

Die gesamte Musikuntermalung des Films ist wirklich ausgezeichnet und passt sich perfekt in die gezeigten Szenen ein. Francis Ford Coppola ist es brillant gelungen durch die Musik eine Emotionsverstärkung der Bilder zu erzeugen. Dabei hat er darauf verzichtet Musik eigens für den Film komponieren zu lassen. Er setzt nur auf bereits vorhandene Songs und Musikstücke wie eben dem oben erwähnten „Ritt der Walküren", oder „Satisfaction" von den Rolling Stones.

 

Die Schauspieler lösen ihre Aufgabe wirklich hervorragend. Der Hauptdarsteller Martin Sheen mimt den gebrochenen Charakter seiner Figur wirklich ausgezeichnet und trägt souverän durch den Film. Die zwei bestgezeichneten und interessantesten Charaktere des Films bleiben aber mit Abstand Lieutenant Colonel Bill Kilgore der von Robert Duvall virtuos verkörpert wird, und einen wahren Höhepunkt des Films darstellt und natürlich Colonel Kurtz dessen Wahnsinn von Marlon Brando wirklich perfekt eingefangen wurde.

 

Apocalypse Now ist der bis dato beste Antikriegsfilm aller Zeiten und ist nicht nur durch seine opulente Inszenierung einen Blick wert. Vor allem die psychologische Analyse die das Grauen in den Soldaten hervorruft macht viel der Klasse des Films aus. Man erlebt die beeindruckende Charakterentwicklung aller Beteiligten die immer verrückter werden je näher sie sich dem brodelnden Herz des Dschungels nähern. Man darf einen tiefen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele werfen und wird obwohl man es eigentlich gar nicht möchte stetig näher zum Bösen, in Gestallt von Kurtz, gezogen. Der Fluss der die Hauptprotagonisten immer näher zum Abgrund zieht wirkt wie die stets pulsierende Ader die uns näher zum Herz des Verderbens führt.

 

Vor allem die Kritik an der US Army und dem gesamten Verhalten der Menschheit scheint es Francis Ford Coppola angetan zu haben. Mitten in einem Krieg schicken sie eine Truppe aus die einen ihrer eigenen Männer töten soll. Dabei lassen sie den ebenso verrückten Colonel Kilgore weiterarbeiten, der mit den Regeln der Army in gewisser weise noch konform geht. Auch die Vergnügungssucht der Amerikaner wird durch die Show mit den Playmates gekonnt portraitiert. Dieser Dummheit des US Militärs stellt Francis Ford Coppola den generellen Gewalttrieb der Menschen gegenüber der durch unsere Gesellschaft nur gezähmt, nicht aber getötet wurde. In Extremsituationen ist der Mensch noch immer das wilde Tier das er seit je her war.

 

Francis Ford Coppola hat es nach seinem gigantischen Mafia Epos erneut geschafft. Apocaypse Now ist ein episches Meisterwerk, das durch die Erzählstimme aus dem Off brillant übermittelt wird. Dieser Film vereint alles was ein guter Film haben muss: Tiefgreifende Gesellschaftskritik, psychologische Tiefe, interessanter Hintergrund und eine packende Geschichte.

 

Fazit:

Ein Meisterwerk der Filmgeschichte das jeder gesehen haben sollte. Eine anspruchsvolle psychologische Analyse des Vietnamkrieges das den Betrachter mit der Finsternis in ihm konfrontiert.

 

Wertung:

10/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 56
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