Eine offene Rechnung (2010)

OT: The Debt - 114 Minuten - Drama / Thriller
Eine offene Rechnung (2010)
Kinostart: 23.09.2011
DVD-Start: 26.01.2012 - Blu-ray-Start: 26.01.2012
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Filmkritik zu Eine offene Rechnung

Von am
Regisseur John Madden ist vor allem bekannt für seinen Überraschungshit Shakespeare in Love, der nicht nur sieben Oscars einheimste, sondern auch beim Publikum ein großer Erfolg wurde. Außerdem ist er noch bekannt für... ja, für was denn eigentlich? Denn abgesehen von seinem oscarprämierten Ausrutscher dürften ihn die meisten Filmfans kaum auf dem Plakat eines ihrer Lieblingsfilme entdecken. Wenig aufregendes durchzieht seine Filmographie und deshalb ist es auch nicht allzu verwunderlich, dass auch sein neuester Film Eine offene Rechnung wohl bei kaum jemandem Jubelstürme auslösen dürfte. Eine durchaus interessante Grundidee wird leider viel zu langatmig und letztendlich uninteressant heruntergespult, sodass man sich als Zuseher schon bald fragt warum man sich den müden Film eigentlich ansieht.

Im Jahr 1997 veröffentlicht die engagierte Journalistin Sarah Gold (Romi Aboulafia) ein Buch, das sie über jene Ereignisse geschrieben hat, die ihrer eigenen Mutter Rachel Singer (jung: Jessica Chastain, alt: Helen Mirren) in den 60er Jahren wiederfahren sind: Gemeinsam mit David (jung: Sam Worthington, alt: Ciarán Hinds) und Stephan (jung: Marton Csokas, alt: Tom Wilkinson) arbeitete sie damals für den israelischen Geheimdienst Mossad und sollte in Berlin einen ehemaligen Nazi-Arzt, den „Chirurgen von Birkenau" Dieter Vogel (Jesper Christensen) aufspüren und entführen, damit man ihm in Israel den Prozess machen kann. Die Entführung glückt zwar, doch da der Plan zur Flucht misslingt müssen sich die drei mit ihrer Geisel in Berlin verstecken - und während eines Fluchtversuchs muss Rachel schließlich Dieter Vogel erschiessen. Doch im Jahr 1997 holt sie ihre Vergangenheit wieder ein...

Eine offene Rechnung ist über weite Strecken ein Agentenfilm der alten Schule. Der Film versucht es auf bodenständige Art und Weise für Spannung zu sorgen und gleichzeitig seinen zeitlichen Rahmen zu erörtern. Dabei gibt es aber ein großes Problem: Bereits zu Beginn des Films bekommt man als Zuseher eine Version der Vergangenheit präsentiert - anschließend wird die selbe Geschichte noch einmal wesentlich länger und ausführlicher breitgetreten, aber da man als Zuseher ständig das Gefühl hat zu wissen wo das ganze hinsteuert fühlt man sich vom Film etwas unterfordert und Eine offene Rechnung wird zum reichlich zähen Geduldsspiel.

Erst nach einer gewissen Zeit schafft es Regisseur John Madden die Rechtfertigung für diese doppelte Erzählung zu liefern, aber bis es schließlich so weit ist, ist es natürlich längst zu spät und man hat sich über weite Strecken des Films bereits reichlich gelangweilt. Natürlich macht der Aufbau der Geschichte rückblickend durchaus Sinn, aber wenn man sich direkt in der Erzählung befindet wirkt diese lediglich übertrieben redundant und teilweise sogar merkwürdig verworren. Es fehlt dem Film auch an der Handschrift eines Regisseurs, der das Ruder fest in der Hand hält und weiß wohin die Reise gehen soll.

Selbst die eigentlich talentierten Darsteller wirken in manchen Szenen seltsam führungslos und blass. Besonders schade ist dies im Fall von Sam Worthington der wirklich versucht seiner Figur eine gewisse tragische Note zu verpassen. Gerade im Zusammenspiel mit der ebenfalls überzeugenden Jessica Chastain zeichnet sich hier wirklich das Bild von echten Charakteren die nicht nur bloße Hülsen sind. Tom Wilkinson und Helen Mirren spielen zwar ebenfalls solide, aber sie wirken eher zurückhaltend. Man könnte fast meinen, dass die routinierten Charakterdarsteller schon geahnt haben, dass das Konzept des Films im Sand verläuft.

Als problematisch erweist sich auch die Tatsache, dass der Film es nie schafft sich wirklich zu positionieren: Zwar wird versucht die Geschichte spannend zu erzählen, doch das funktioniert nicht wirklich. Doch abgesehen von dieser Ebene, wird auch gar nicht versucht alternative Anreize zu bieten: Die Figuren werden nie wirklich im Detail erörtert, sodass man sich für sie interessieren würde - und dass obwohl sie eigentlich reichlich Leinwandzeit bekommen - und über die Nachkriegszeit und den aufkommenden Agentensumpf hat Eine offene Rechnung ebenfalls erschreckend wenig zu berichten. Somit gibt es auch keinen wirklichen Grund sich den Film anzusehen - auch wenn er nicht völlig versagt, sondern nur im unbefriedigenden Mittelfeld hängen bleibt.

Fazit:
Eine offene Rechnung ist ein eher mauer Film, der weder besonders spannend ist, noch ansonsten wirklich etwas Neues oder Aufregendes zu bieten hätte. Die Figuren werden lediglich oberflächlich betrachtet, über seine Zeit und die interessanten politischen Entwicklungen hat der Film ebenfalls wenig zu sagen und selbst der eigentlich sehr gute Cast kann nicht wirklich glänzen. Zwar ist Eine offene Rechnung kein völliger Fehlschlag, aber der Film schafft es auch nie mehr als mittelmäßiges semi-anspruchsvolles Kino zu bieten, da er sich nie entscheiden kann was er nun eigentlich sein will.

Wertung:
5/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
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