Unterwegs nach Cold Mountain (2003)

OT: Cold Mountain - 154 Minuten - Drama / Romanze / Krieg
Unterwegs nach Cold Mountain (2003)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 06.10.2011 - Blu-ray-Start: 06.10.2011
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Filmkritik zu Unterwegs nach Cold Mountain

Von am
Regisseur Anthony Minghella wollte sich nach seinen Meisterwerken Der englische Patient und Der talentierte Mr. Ripley eigentlich keiner Literaturverfilmung mehr widmen. Bis Freund und Autor Michael Ondaatje (Der englische Patient) ihn erstmals auf Cold Mountain aufmerksam machte. Minghella tat gut daran seinem Freund zu vertrauen. Wie auch seine Vorgänger, wurde Unterwegs nach Cold Mountain das Ergebnis eines begabten Geschichtenerzählers.

North Carolina, um 1860: Kurz vor Beginn des Bürgerkrieges begegnen sich Ada Monroe (Nicole Kidman) und Inman (Jude Law). Viel Zeit zum Kennenlernen bleibt den beiden Verliebten jedoch nicht, denn schon bald muss Inman in den Krieg ziehen. Drei Jahre kämpft er auf Seiten der Konföderierten, mit dabei immer ein Foto seiner Ada. Als Inman jedoch nach einer Schlacht schwer verletzt im Lazarett liegt, beschließt dieser zu desertieren und zu seiner großen Liebe zurück zu kehren. Auf seiner Fahnenflucht begegnet er sämtlichen Nachfolgen, an denen das Land und dessen Bewohner seit dem Krieg leiden. Auch Ada hat der Krieg verändert. Durch die Hilfe der tatkräftigen Ruby Thewes (Renée Zellweger), entwickelt sie sich zu einer selbstbewussten Frau. Dennoch ersehnt auch sie nichts mehr, als dass Inman wieder den Weg nach Hause findet.

Wie der Titel bereits verrät, geht es primär um Inmans Rückkehr nach Cold Mountain. Gleich der Odyssee von Homer, überwindet Inman jedwede Gefahr, um sein Ziel zu erreichen. Der Name „Inman“ verdeutlicht dabei die Austauschbarkeit der Figur und repräsentiert jeden der vom Krieg gezeichneten Männer. Wie Odysseus wird er auf seiner Reise bei jedem seiner Zwischenaufenthalte getestet. So stehen sein Mut, seine Loyalität, seine Selbstüberschätzung und seine romantische Liebe zu Ada auf dem Prüfstand. Sein Weg ist aber nicht nur körperlich eine Herausforderung, sondern auch eine spirituelle Reise. Allerdings meinten die Filmemacher es hier wohl zu gut, denn dass Inman immer wieder als Einziger aus einer schier hoffnungslosen Situation entkommt, wirkt früher oder später nur mehr unglaubwürdig. Parallel zu Inmans Rückkehr folgen immer wieder Szenen von Adas Warten. Aber auch sie ist auf einer „Reise“. Auf einer Reise zu sich selbst. Der Wandel ihres Charakters wird besonders durch ihre wechselnden Kostüme verdeutlich.
 
Beide Erzählstränge wären eine ziemlich langwierige Geschichte, wären da nicht immer wieder kurze Episoden und Figuren, die die Zeit der Protagonisten lebendiger gestalten und verhindern würden, dass der Film stagniert. Von der geheimnisvollen alten Dame im Wald, der alleinerziehenden Mutter Sara (Natalie Portman), dem ambivalenten Reverend (Philip Seymour Hoffman), bis zu Adas Vater (Donald Sutherland) treten sie alle als authentische Figuren mit emotionaler Geschichte auf, die für sich allein Material für einen weiteren Film anbieten würden. Als einzige Oscarpreisträgerin stieg Renée Zellweger aus. Zugegeben wohl verdient, denn die borstige und gleichzeitig empfindsame Farmerin kauft man ihr jede Sekunde ab.

Minghella hätte sich natürlich mehr auf die Rolle der Schwarzen im Bürgerkrieg konzentrieren, oder tiefer auf die Geschichten der Protagonisten eingehen können. Eine reine Liebesgeschichte schreiben oder auch die Geschichtsstränge der Nebenfiguren zum Thema machen können. Aber reine Kriegs- und Liebesfilme gibt es zu Hauf. Stattdessen entschied sich Minghella dafür, die vielschichtigen Auswirkungen eines Krieges zu zeigen. Wie er gute Menschen böse macht und umgekehrt. Leben verändert und auslöscht und welche zwischenmenschliche Verstrickungen möglich sind, die ohne Krieg wahrscheinlich nie entstanden wären. Es geht um die Rückkehr vom Krieg und das Chaos, welches dieser auslöst. Nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch bei den Angehörigen und Freunden, die zu Hause zurück geblieben sind.

Diese Herangehensweise ist durchwegs gelungen und auch legitim. Gerade, weil es sich hier aber um keine Liebesgeschichte per se handelt, beschleicht einem das Gefühl, dass das Liebesverhältnis zwischen Ada und Inman herbei gezwungen wird. Nach jahrelangem Bangen und Warten, ob sie einander wieder sehen werden, fällt die Wiedervereinigung zunächst recht kühl aus, nur um kurze Zeit später die beiden doch noch gemeinsam ins Bett hüpfen zu lassen. Es wirkt als wolle man kurz vor Schluss noch ein wenig nackte Haut zeigen. Aber auch hier, will sich beim Zuschauen eine Freude über das Wiedersehen nicht so recht einstellen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Chemie zwischen Kidman und Law während des ganzen Films nicht vollends überzeugt.

Die übrige Besetzung ist aber zweifellos gelungen. Großen Wert legte Minghella auch auf die Musikalität der Schauspieler. Denn unterstützend zum Soundtrack (Gabriel Yared), folgen immer wieder Musikeinlagen von den Filmfiguren. Besonders hervorstechend ist hierbei Rubys Vater (Brendan Gleeson), dessen Geigenspiel eine Schlüsselrolle einnimmt. Georgia, gespielt von Sänger Jack White (White Stripes), ist praktisch nur eine Gesangsrolle. Auch Nicole Kidman spielte ihre Klavierstücke selbst.

Fazit:
Unterwegs nach Cold Mountain besticht vor allem durch gelungene Spezialeffekte, Kostüme, starke Nebencharaktere und einer beeindruckenden Kulisse, die durch die Kamera sehr schön eingefangen werden konnte. Nicht ganz so überzeugend ist die Erzählstruktur vor allem zu Beginn des Films. In immer wiederkehrenden Rückblenden vollzieht sich ein stetiger Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, der eher verwirrend und störend als erklärend wirkt und nur bedingt Anklang findet. Entschädigt wird man jedoch durch die eindringlichen Kriegsszenen und bewegenden Momente von Brutalität und Kameradschaft, gespickt mit Humor (vor allem durch Seymours Darstellung). Minghella weiß mit seinen Filmen zu polarisieren. Für die einen erschafft er einfach nur großartige Geschichten, für andere sind sie streckenweise eher langatmig. Auch Unterwegs nach Cold Mountain wird hier keine Ausnahme sein.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 8
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