Krieg der Welten (2005)

OT: War of the Worlds - 87 Minuten - Animation
Krieg der Welten (2005)
Kinostart: 26.07.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Krieg der Welten

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Willkommen in Hollywood! Willkommen in der Welt des Kommerzes. Dieses Mal hat es H.G. Wells „War of the Worlds“ erwischt. An sich keine schlechte Sache, weil Roman wie die klassische Radioerzählung anerkannter Kult sind und die erste Adaption schon über 50 Lenze auf dem Buckel hat. Eine Auffrischung der Materie muss daher keinesfalls zwangsläufig überflüssig sein, denn die heutige Technik bietet ganz neue Möglichkeiten so eine Alieninvasion packend in Bilder zu fassen. Problematisch wird es nur, wenn man der Vorlage nicht den nötigen Respekt zollt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass weder Steven Spielberg („Jaws“, „Saving Private Ryan“) noch Tom Cruise („Days of Thunder“, „Collateral“) hiermit jemals mehr vorhatten, als einen kurzweiligen Sommerblockbuster ohne weitere Substanz abzuliefern. Der Plan scheint zumindest aufzugehen, denn zum ersten Mal übertreffen die Zuschauerzahlen 2005 am schwächelnden, amerikanischen Boxoffice das Vorjahr.

Schon während der Produktion wurde man das Gefühl nie los, dass hier nie die hohen Erwartungen erfüllt werden wollten. Ursprünglich erst für das Jahr 2007 geplant, geht der Film nun ganze zwei Jahre früher an den Start. Warum? Nun, mir kann niemand erzählen, dass Spielberg sein Skript zwei Jahre unter Verschluss halten wollte, um sich dann dranzumachen und es umzusetzen. Viel mehr passte beiden wohl der Zeitpunkt ganz gut, weil sie mit ihren Projekten nicht zu Rande kamen. Tom Cruise und sein „Mission: Impossible III“ hatten Probleme den richtigen Regisseur nebst Drehorte zu finden und Spielbergs nun auch schon ewig ins Visier genommener „Indiana Jones 4“ könnte auch bald eine Legende werden. So deucht mir jedenfalls...

Fakt ist, dass beide gerade Zeit hatten und sich kurzfristig dazu entschlossen das Projekt dazwischen zu schieben. Zwischen den Dreharbeiten und der Veröffentlichung lagen gerade mal sieben Monate und dass David Koepp („Jurassic Park“, „Panic Room“) allzu lange an seinem bis dato schwächsten Drehbuch gesessen hat, kann mir auch niemand erzählen. „War of the Worlds“ läuft nämlich wie mit der heißen Nadel gestrickt ab. Die Bruchlandung verhindert eigentlich lediglich FX-Guru Dennis Muren („Terminator 2: Judgment Day“, „Hulk“), der seine Mannschaften 24 Stunden-Schichten schieben ließ, um den von Spielberg äußerst knapp kalkulierten Produktionsplan einzuhalten.

Noch stehen die beiden Namen Cruise und Spielberg für gefüllte Kassen, ob das noch lange so bleiben wird, ist, vor allem in Hinsicht auf Spielberg, mehr als fraglich. Man mag es kaum fürwahr haben wollen, doch der Mann scheint sein Wahnsinnskönnen wirklich eingebüßt zu haben. Seit 1993, dem Jahr von „Jurassic Park“ und „Schindler's List“, kam, abgesehen vom technisch immerhin hervorragenden „Private James Ryan“, nichts Bahnbrechendes mehr von ihm. „War of the Worlds“ fügt sich ganz kampflos diesem Schicksal. Deswegen wohl auch der Verbot von Vorabkritiken und eine kurzfristig einberäumte Romanze zwischen Cruise und Katie Holmes? Die damit nebenher noch etwas für „Batman Begins“ tat. Der Dirigent dieses Krieges, oder, wie während des Films nicht unpassend festgestellt wird, dieser Ausrottung, heißt ohne wenn und aber Steven Spielberg und sein Orchester setzt sich aus seinen langjährigen Fachkräften zusammen, die ihren kompetenten Ruf längst weg haben: Kameramann Janusz Kaminski, Cutter Michael Kahn, FX-Spezi Dennis Muren und Vorzeigekomponist John Williams. Nur was nützen die besten Musiker, wenn der Dirigent den falschen Takt vorgibt?

„War of the Worlds“ ist nicht wirklich rausgeschmissenes Geld und trotzdem eine einzige Enttäuschung, weil die Klasse, die der Stoff nun mal zweifellos besitzt, niemals erreicht wird. Dennoch, zumindest Steven Spielbergs Vision ist im Ansatz nicht übel. Weg von den Zerstörungsorgien amerikanischer Metropolen und weg von den Schlachtfeldern selbst, wo das letzte Aufgebot der Menschheit sich den übermächtigen Feinden entgegenstemmt. Kein „Independence Day“, sondern die einem anderen Stil folgende und damit konsequentere Version von „Signs“ (ohne den in irgendeiner Art abwerten zu wollen). Der Fokus liegt auf einem einfachen Werftarbeiter, dem geschiedenen Kranführer Ray Ferrier (Cruise), einem Mann aus der Arbeiterklasse, wie du und ich, einem Mann der mit seiner Rolle als Familienvater einfach überfordert war und nun über das Wochenende auf seine, ihm fremd gewordenen Kinder aufpassen muss.

Spielbergs höchstes Gut in vielen seiner Filme ist die Familie. Hier versucht er sie als Identifikationsfiguren einzusetzen und gleichzeitig die Geschichte durch ihre Augen zu erzählen. Dabei scheitert er grandios und das liegt nicht an Tom Cruise, der hier keine brillante Vorstellung gibt, sich jedoch solide aus der Affäre zieht und keine Blöße zeigt, sondern an den Charakteren und Spielbergs Wunsch auf Gedeih und Verderb Lacher produzieren zu wollen. Ich will beim Titel „War of the Worlds“ aber nun mal einen gnadenlosen, Opfer fordernden und vor allem vernichtenden Krieg mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und Dramatik, die für solche Weltenuntergänge nun mal lebenswichtig sind und nicht mit einem tölpelhaften, ungeschickten Vater konfrontiert werden, der im Inneren Kind geblieben ist und nicht mal sein eigenes Leben in den Griff bekommt. Schönen Dank auch, zurück auf die Schulbank Herr Spielberg und erlernen sie wieder wie man ernsthafte Filmcharaktere vorstellt, die der Zuschauer erstens für voll nimmt und zweitens als so echt erachtet, dass er mit ihnen flüchtet und leidet.

Immerhin scheint Spielberg sein, beziehungsweise Koepps, Scheitern, in dieser Hinsicht auch früh selbst zu schnallen und konzentriert sich deswegen stärker auf seine inszenatorischen Fähigkeiten und die haben es trotz des eingebüßten Ausnahmetalents immer noch in sich. Das Heraufbeschwören der Katastrophe, das Aufziehen des Gewitters, die Verdunklung des Himmels, die auf die Straßen eilenden Menschen und die Blitze sind dann endlich das erwartete, unausweichliche Endzeitkino mit all seiner packenden Atmosphäre. Die Stille vibriert, plötzlich knallt und zischt es, der Bass dröhnt und der Ausbruch geht los, ohne dass der Zuschauer länger auf die Folter gespannt wird. Soviel muss man dem Film lassen, wenn es denn losgeht, ist er ein Spektakel für Augen und Ohren. Wohl eine Referenz, wenn dieses Jahr nicht schon George Lucas seine „Episode III“ an den Start gehievt hätte. Zumindest in dieser Hinsicht lohnt das Eintrittsgeld dann schon.

In der Tat serviert Spielberg in Folge reichlich und als Zuschauer futtert man eifrig und gierig, besser ohne zu hinterfragen, denn es gibt so einige Logiklücken, denen man aus dem Weg hätte gehen können, wenn man den Stoff zeitgenössisch modernisiert hätte, doch es sollte eben nicht sein. Stattdessen befindet sich Ray auf einer bis zum Filmende anhaltenden Dauerflucht. Zusammen mit seinen beiden Kindern will er nach Boston, wo die Mami wartet. Die Familie soll wieder zusammen und genießt damit oberste Priorität inmitten der wenigen Stunden, in denen das Schicksal der gesamten Menschheit entschieden werden soll. Tripods, Tripods, immer wieder Tripods. Sie sind da, sie sind böse, sie wollen uns ausrotten und sie haben dabei nicht die winzigsten Skrupel. Ihr erster Auftritt gestaltet sich als auf Leinwand gebanntes Adrenalin und sie vereinen auch in Folge jeweils die Schauwerte auf sich. Ihre Zerstörungskraft ist unaufhaltsam, ihre Schutzschilder undurchdringbar und doch gibt es einen Weg sie auszuschalten, doch das ist da dann nur noch sekundär. Nichtsdestotrotz ist ihr Design furchteinflößend. Nicht majestätisch, wohl aber endgültig radieren sie ganze Landstriche aus und bereiten die Umgestaltung des nun bald ihnen gehörenden Planeten vor.

Sind sie nicht zu sehen, sind es Ray und sein Nachwuchs, der im übrigen aus Dakota Fanning („Man on Fire“, „Hide and Seek“) und Justin Chatwin („Taking Lives“) besteht. Mit beiden hat er zu kämpfen, denn seine enttäuschenden Vaterfertigkeiten machen ihm jetzt zu schaffen. Dafür wird er zum Held, zur Figur an der man Halt findet. Das gilt für das Publikum, wie für die Tochter. Dakota Fanning habe ich persönlich seit „Man on Fire“ in mein Herz geschlossen und auch hier, mit gerade mal 11 Jahren spielt sie so was von reif, natürlich und selbstbewusst, dass sie locker und lässig selbst Cruise an die Wand spielt – auch wenn sie hier leider zu oft die Schiene der hysterisch und ängstlich kreischenden Tochter geschoben wird. Justin Chatwin bleibt dagegen bei allem Rebellentum ein austauschbares Gesicht, das seinem Vater zwar viel vorwerfen, sich und seine wichtige Entscheidung aber kaum plausibel erklären darf. Überhaupt gehört dieser Konflikt zwischen ihm und Ray, fast schon wie ein billiges Zugeständnis an den Anspruch abgehandelt, nicht zu den Stärken von „War of the Worlds“.

Ob etwas im Schneideraum zurückblieb, kann vielleicht eine spätere DVD-Veröffentlichung klären, die Kinofassung wirkt jedenfalls sehr gerafft und fast wie eine Rumpfversion. Wenn das aber wirklich alles war, dann gute Nacht. Erzählerisch läuft hier nach Kriegsausbruch nämlich nichts mehr. Es wird geflüchtet, versteckt, geflüchtet und versteckt und zwar fast pausenlos durch eine im Chaos versinkende Welt, in der letzte Militärkräfte mühsam die Ordnung aufrecht zu erhalten versuchen. Einen Blick auf die globale Gesamtlage spart man sich derweil aus, nicht mal eine richtige Panik, bei der Menschen, die zu Unmenschen werden, über Leichen gehen, traut man sich aufgrund des PG-13-Ratings. Diese kommerzielle Vorgabe, ist, wie so oft in jüngster Zeit, auch hier wieder ein Hemmschuh, weil er verhindert, dass so ein Szenario bis zur letzten Konsequenz durchgezogen wird. Und trotzdem schafft es Spielberg den Film am Laufen zu halten, denn er drückt auf die Tube, hält zwar ab und an inne, um ein paar unsäglich kitschige Familienplattitüden zum besten zu geben, legt dann jedoch gleich wieder die Zerstörungssymphonie auf und lässt die Tripods walten und schalten, dass es nur so kracht und berstet. Ein ums andere Mal wird man von der Wucht der Bilder fast erschlagen, tief in den Kinosessel gepresst, um sich nur mit Mühe wieder aus den Polstern zu kämpfen – um gleich von vorn beginnen zu dürfen. Auffällig oft nutzt Spielberg dabei immer wieder Spiegel, sich spiegelnde oder schlicht zerborstene Scheiben als Symbol für kaputte Beziehungen oder sich anbahnendes Unheil, das erst auf den zweiten Blick als wahr empfunden wird. Kneift mich!

Einhalt gebietet nur die bedepperte Episode mit Tim Robbins („The Shawshank Redemption“, „Arlington Road“), der Unterschlupf gewährt, jedoch einen Sprung in der Schüssel hat, was ihn zu einem Risiko macht. Im übrigen ist hier ein gutes Beispiel zu finden, warum sich „War of the Worlds“ mitunter extrem lächerlich macht: Da haben wir nun die hochtechnisierten Aliens und die haben wirklich keinen Wärmescanner, kein nichts, um ein Haus auf Lebewesen zu überprüfen? Nö, da wird ein Augententakel durch den modrigen Keller gejagt. War dann auch schon nicht mehr so wichtig, weil dieser überlange Zwischenstopp, im Grunde ein einziges Versteckspiel, den Film und erst recht nicht die Handlung in irgendeiner Weise weiterbringt. Die Spannungskurve verläuft unbeständig, vor allem weil man sich zuviel ahnen kann und man Spielbergs Denkweise im Laufe der Jahre durchschaut hat. Mal klappt es, mal nicht, meistens leider nicht. Warum? Ausgerechnet wegen seiner Stärke. Vom puren Overkill sind Augen und Ohren so betäubt, dass die Spannung hier in den meisten Fällen nur noch eine sekundäre Rolle spielt. Das war wohl auch so beabsichtigt, denn in Einklang war das wohl von Anfang nie zu bringen. Jedenfalls wenn man eine so reichhaltige FX-Platte servieren möchte.

Diese Tatsache gestaltet sich dann am Ende schwierig, weil es, aufgrund des vorrangegangenen Films, so nicht funktionieren kann. Auch wenn es dem Original entspricht. „War of the Worlds“ schließt sehr abrupt ab und Spielberg hätte eigentlich wissen müssen, dass man in Anbetracht des heutigen Zeitgeists und der heutigen Filmmentalität so was nicht mehr bringen kann, sondern sich etwas Gescheiteres einfallen lassen muss. Das kitschige Familien-Happyend, das honigsüßer kaum sein könnte, trägt äußerst negativ dazu bei.

Fazit:
Ok, für die Augen und Ohren wir hier einiges geboten und zwar nicht zu knapp, aber alles was abseits der fulminanten Zerstörungsorgien passiert, bleibt unterdurchschnittlich. Als Neuinterpretation ist „War of the Worlds“ gescheitert, als Sommerblockbuster bleibt er maximal brauchbar. Das katastrophale Skript von David Koepp verhöhnt die Fans des Originals. Mich beschlich hier ständig das Gefühl eine berechnende Effektorgie vor mir zu haben, die lediglich ins Sommerloch stoßen sollte, um kräftig abzusahnen. Zu viele nicht beantwortete Frage und die vielen berechnenden Lacher in Verbund mit einer Sinnesbetäubung par excellence sorgen beim Publikum einfach nicht für gänzliche Befriedigung. Hier liegt zu viel im Argen, als dass von mehr als durchschnittlich geschrieben werden kann. Wenn das Alien zum Schluss, wie zur Kapitulation die Klauen baumeln lässt, kapituliere jedenfalls auch ich vor den verpassten Möglichkeiten. Verdammt, schon wieder keine positive Kritik, wo mir doch jüngst vorgeworfen wurde, ich wäre zu kritisch und negativ bei meinen Bewertungen. Gut, wer will kann sich dieses seelenlose Stück Zelluloid dann eben gern schön reden.

Wertung:
5/10 Punkte


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Ø Wertung: 5.7/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 51
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