Hide and Seek

OT: -  101 Minuten - Thriller
Hide and Seek
Kinostart: 07.04.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Hide and Seek

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Sind das etwas die Symptome, wenn eine Schauspielerlegende seinen guten Ruf nach Kräften selbst demontiert und im Alter sein achtbares Gesamtwerk mit überflüssigen Filmrollen füllt? Robert De Niro gehört(e) zweifellos zu den besten und eindrucksvollsten Charakterköpfen, die jemals auf der Leinwand zu sehen waren. Der Mann verkörpert lebende Filmgeschichte, nur scheint er aus irgendeinem Grund in den letzten Jahren nur noch die falschen Rollen anzunehmen. Vielleicht sollte er seinen Agenten feuern? Man muss, einfach die beiden hervorragenden „Meet The Parents“ – Komödien ignorierend, schon sehr weit zurückblicken, um einen De Niro nicht nur in Topform, sondern auch noch einen seiner Performance in Nichts nachstehenden Film zu finden. Der heißt „Ronin“ und alles was danach kam war höchst mittelmäßige Filmware, die eigentlich unter der Würde eines Robert De Niro sein sollte (z.B. „15 Minutes“, „The Score“, „Showtime“, „Godsend“). Jedenfalls meinte er wohl kürzlich noch mit auf die langsam abebbende und einst von „The Sixth Sense“ losgetretene Welle von Mysterythrillern mit aufzuspringen. „Hide And Seek“ lief am Boxoffice überraschend erfolgreich, zeigt sich bei näherem Hinsehen allerdings nur als höchst mittelmäßiger Beitrag.

Regisseur John Polson („Swimfan“) liefert hier Konfektionsgrusel von der Stange – nicht mehr und nicht weniger. Mit dem polnischen Kameramann Dariusz Wolski („The Crow“, „Dark City“) stand ihm zwar ein überaus talentierter Mann, der, auch wenn die Motive mittlerweile ausgelaugt erscheinen, in dieser kupferbraunen, tristen Spätherbstperiode bisweilen eine reichlich unwirtliche Atmosphäre übertragen kann, doch dafür passt der Rest nicht zusammen. Robert De Niro und Dakota Fanning, der neue Shooting-Star, den ich seit „Man on Fire“ in mein Herz geschlossen habe, zusammen in einem Film? Das macht neugierig, stellt sich allerdings als enttäuschend heraus und das liegt nicht an der Elfjährigen! Sie glänzt nicht so sehr wie in „Man on Fire“ oder jüngst „War of the Worlds“, doch das liegt in diesem Fall in der Natur der Rolle. Anstatt kindliche Unbeschwertheit sind hier andere Talente gefordert. Ihr Ego Emily musste mit ansehen, wie ihr Vater David Callaway (De Niro) die Leiche ihrer Mutter fand – Selbstmord! Seitdem ist sie schüchtern, abweisend, verschlossen und kontaktscheu. Wirklich erstaunlich, wie die junge Schauspielerin das so ganz ohne großartigen Schauspielunterricht abruft und einmal mehr in die Herzen der Zuschauer spielt.

Nein, das eigentliche Problem ist eigentlich Robert De Niro, der wohl unbedingt mal (wieder) etwas anderes spielen wollte. Sein Schauspiel ist kraft- und leidenschaftslos, der Altersunterschied zwischen den beiden ist zudem zu groß. Eine Vater-Tochter-Beziehung kann man als Zuschauer hier nur schwerlich ausmachen, eher eine oder Opa-Tochter-Beziehung. De Niro spielt hier einfach nie den liebevollen Vater und scheint größere Probleme gehabt zu haben, sich mit seiner Rolle zu identifizieren. Das Drehbuch meint es aber auch nicht gut mit ihm: Es gibt da eine Szene im Film, in der David abends zu seiner Tochter ins Zimmer geht und allen Ernstes glaubt, sie würde mit ihm lustiges Verstecken spielen. Als Zuschauer packt man sich da an den Kopf. Vor ein paar Sekunden noch ein schwer depressives, junges Mädchen, dass seine Ruhe haben möchte und im nächsten Moment glaubt der Herr Papa, sein Nachwuchs möchte mit ihm Verstecken spielen?

Jedenfalls will er nach diesem tragischen Vorfall einen Neuanfang. Als Psychiater glaubt er, auch wenn seine Kollegin Katherine (Famke Janssen, „GoldenEye“, „X-Men“) dem Skepsis entgegen bringt, das Richtige zu tun, zieht mit ihr in einen Urlaubsort, der zu dieser Jahreszeit kaum bewohnt ist und quartiert sich ein. Der aufmerksame Grundstücksmakler, die netten Nachbarn und der höfliche Cop geben sich alsbald so dermaßen verdächtig, dass sie im Grunde mit dem, was da bald kommen soll, nichts zu tun haben können. Soviel sei, ohne zu spoilern, vorweg genommen. Man kann auf die Auflösung kaum, auch wenn man den Täterkreis eingrenzt, kommen, aber es gab sie kürzlich erst in ganz ähnlicher Form und ich möchte mal behaupten, dass seitens des Autors schon ein wenig abgekupfert wurde. Dennoch großes Lob für die Vermarktungsstrategen hier mal nicht zuviel verraten zu haben.

Der Grusel und die shocking moments halten sich die erste Stunde in Grenzen. Erst auf der Zielgeraden legt „Hide and Seek“ richtig los und das ist vielleicht sein allergrößtes Problem. Die spannenden Momente in den ersten 60 Minuten kann man an einer Hand abzählen. Emily hat urplötzlich einen imaginären Freund namens Charlie, mysteriöse Ereignisse häufen sich, dazu nächtliche Albträume, plötzlich stehen Fenster offen, der Strom meldet sich kurzfristig ab und tauchen in Badewannen anklagende Parolen auf. Die immer verängstigtere Emily huscht nachts in düstere Keller, während tagsüber der zwanghafte Versuch, zur Normalität zurückzukehren, umgehend scheitert (Ob ein Psychiater die alberne Herunterbetung des Alltags-Turnus wirklich als Therapie ansieht, darf bezweifelt werden). Elizabeth (Elisabeth Shue, „The Saint”, „Hollow Man”) und ihre junge Begleitung verlassen doch recht fluchtartig das Haus, als Emily eine Puppe massakriert und die ehrenwerten Nachbarn scheinen auch ihre Leichen im Schrank zu haben.

Stimmungstechnisch gestaltet sich „Hide and Seek“ als soweit passabel. Die Atmosphäre stellt zufrieden, alles wirkt schön karg, rau und unwohl. Nur über die vorgegebene Optik kommt John Polson dann bis zum Finale nicht hinaus. Kaum Nennenswertes passiert hier, was man aus zu vielen verwandten Produktionen nicht schon kennt: Viele merkwürdige, verdächtige Andeutungen, ab und an ein Moment zum Erschrecken, der sich dann, weil wir ja noch nicht am Ende sind, glimpflich auflöst und immer wieder ein nach Erklärungen suchender David. Lange braucht es bis zur Spannung, bis dahin stellt sich der Film eher als ungemütliches Familiendrama dar. Polson spielt lange mit der Erwartungshaltung der Zuschauer, um dann rigoros aufzulösen. Ein Twist, der zumindest nicht völlig enttäuscht, mit viel Rumgerenne im Haus und im Wald und zwar um das nackte Überleben. Schön alles bei Nachts in effektiv genutzten, düsteren Locations und von einem tragischen Ende rund abgeschlossen. Zumindest Nervenkitzel wird garantiert, auch wenn’s längst nicht neu war.

Fazit:
Damit schließe ich mich dem allgemeinen Tenor an und bewerte „Hide and Seek“ knapp unterdurchschnittlich. Das Genre braucht dringend neue Ideen, sonst reitet es sich tot. Der Film hat neben enormen Startschwierigkeiten an mangelhaftem Spannungsaufbau und dem austauschbaren Robert De Niro zu kauen. Dakota Fanning spielt einmal mehr tadellos, stellt damit auch den einzigen Grund, sich den Streifen reinzuziehen, nur mehr verbucht John Polson nicht auf der Habenseite. Einfallslos, überflüssig, dröge! Trotz stimmiger Optik und passabler, wenn auch bei den erfahrenen Zuschauern längst ausgereizter, Schocks kann hier keine Empfehlung ausgesprochen werden.

Wertung:
4/10 Punkte

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Liste von LoreCornucopia
Erstellt: 03.09.2014