Transamerica (2005)

OT: Transamerica - 103 Minuten - Abenteuer / Komödie / Drama
Transamerica (2005)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Transamerica

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Wer seinem Kind die volle Wahrheit über Bienchen und Blümchen erzählen will, wird wohl einen ganzen Nachmittag opfern müssen und auch von Bienchen erzählen, die gerne Blümchen wären und umgekehrt. Transgender ist im wahrsten Sinne des Wortes ein zweideutiger Begriff. Er beschreibt nicht nur Menschen, die mit ihrer von der Gesellschaft vorgelebten Geschlechterrolle nicht umgehen können oder wollen, sondern vor allem Menschen, die sich mit ihrem von der Geburt an gegebenen Geschlechtsteil nicht identifizieren können. Hier geht es nicht um Männer, die sich wie Frauen kleiden und Frauen, die sich die Haare abrasieren und Flanellhemden tragen, hier geht es vielmehr um den Hass auf den eigenen Körper. Es geht darum, jeden Tag aufs neue beim Blick in den Spiegel daran erinnert zu werden, sich im falschen Körper zu befinden – ein Zustand, der sicherlich zu einem der schmerzhaftesten und psychologisch belastendsten zählt.

Bree (Felicity Huffman) hat Jahre mit Selbstzweifeln und Selbsthass verbracht und sich mit aller Kraft zu einer tollen, vielleicht etwas zu konservativen, gläubigen Frau entwickelt. Zumindest fast – Penis und Hoden erinnern noch an Stanley. Nach jahrelanger Therapie, inklusive Hormone und Voice- Coaching für eine weiblichere Stimme, ist der Tag ihrer geschlechtsumwandelnden Operation in nahe Zukunft gerückt. Doch dann klingelt das Telefon und die Vergangenheit ruft an. Bree’s Produkt einer ihrer ersten (damals noch heterosexuellen) Abenteuer ist mittlerweile 17, heißt Toby und sitzt im Gefängnis. Die Psychologin (Elizabeth Peña) stimmt so lange der Operation nicht zu, bis Bree endlich erkennt, dass ihre männliche Vergangenheit immer Teil ihres Lebens sein wird und das ist nur möglich, wenn diese sich nach New York wagt, um sich mit dem eigenen Sohn (Kevin Zegers) auseinanderzusetzen. Als der beschließt mit Richtung Kalifornieren zu kommen, um dort eine Karriere als Schwulenpornodarsteller zu starten, kann Bree ihr Geheimnis nicht lange für sich behalten...

Transamerica hätte mehrere Möglichkeiten gehabt, in ein mittelmäßiges Belehrungsdrama abzuschweifen, das immer wieder den Finger der Gerechtigkeit hebt und dem Zuschauer zuschreit „Auch Transgender sind Menschen, warum seid ihr immer so gemein zu ihnen“. Genauso gut, hätte der Film mehrmals die Möglichkeit gehabt, eine schräge, halblustige Tuntenkomödie zu werden, die die absurde Lächerlichkeit eines sich in Frauenkleidern versteckenden, unglücklichen Homosexuellen erzählt. Regisseur und Drehbuchautor Duncan Tucker, der weder vor, noch nach Transamerica wieder auf sich aufmerksam machte, gelang mit diesem Film jedoch ein äußerst sensibles, faszinierendes Meisterwerk. Obwohl der Titel darauf hindeutet, geht es in Transamerica weniger um einen armen Transgender, als um zwei verlorene, ehemals gedehmütigte, tief im Inneren jedoch wunderschöne Seelen, die auf einem Roadtrip nicht nur nach langem wieder Vertrauen zu jemand anderem fassen, sondern vor allem einmal mehr lernen, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist und zu seinen Fehlern zu stehen.

Bree oder auch Stanley, die/der beispiellos exzellent von Felicity Huffman gespielt wird, ist ein einzigartiger Charakter, jedoch nicht weil er mit den falschen Geschlechtsteilen geboren ist. Die Figur ist außerordentlich weise, tolerant und liebenswürdig und von der Regie derart hinreißend in Szene gesetzt, dass man immer wieder vergisst, dass es sich um einen Transgender handelt. Nicht des Aussehens wegen, sondern vielmehr wegen der Person an sich, die derart liebevoll und wunderbar ist, dass man sie weder als Frau, noch als Mann beschreibt – sie ist einfach Bree. Auch Sohn Toby (Zegers, der immer noch auf seinen Durchbruch wartet) ist nicht nur stimmig besetzt, sondern eine faszinierende Figur, die trotz ihres mehr als erwachsenen Sexuallebens (in erster Linie mit Männern) in sich eigentlich noch ein kindlicher Junge ist, der jemanden sucht, der ihn liebt und der ihn vor allem nicht verlässt, wie einst sein Vater oder seine Mutter.

Auch die Zusammenkunft mit Bree’s Eltern, (Fionnula Flanagan und Burt Young) die ein konservatives Bilderbuchleben inklusive Mitgliedschaft in einem Countryclub leben und die Existenz ihrer baldigen Tochter immer noch vehement leugnen, sowie das Treffen auf den überaus netten und hilsfbereiten Stadtindianer Calvin (Graham Greene) der keinerlei Interesse zeigt, Bree’s Herkunft zu erfahren, runden den Roadtrip durch die einzelnen Staaten Amerikas ab, begleitet von einem mehr als passenden Soundtrack.

Fazit:
Transamerica ist nicht einfach eine Geschichte eines Transgenders über Transgender. Es ist eine Geschichte über die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und die Akzeptanz der eigenen Person, die in jeder Form einzigartig und in vielerlei Hinsicht wunderschön ist. Schönheit liegt im Auge des Betrachters , so lautet das Lebensmotto der Hauptfigur Bree. Tatsächlich gelingt es dem Regisseur mit Transamerica, eine viel wichtigere Tatsache darzustellen: Schönheit spielt absolut keine Rolle mehr, wenn du den Menschen selbst ehrlich und aufrichtig respektierst und liebst.

Wertung:
8/10 Punkte
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